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Daniel Ziebig (l.) spielt seit 2006 für Energie Cottbus © getty

Cottbus scheint es mal wieder zu schaffen: Bereits als Absteiger gehandelt haben sich die Lausitzer berappelt. Sport1 erklärt, wieso.

Von Katrin Freiburghaus

München - Mit Sieben Punkten aus drei Spielen hat Energie Cottbus geschafft, wovon Werder Bremen, Schalke und die Bayern in der Liga seit Wochen träumen:

Das Team von Bojan Prasnikar ist zurück in der Spur.

Die hat in Cottbus traditionell nichts mit dem internationalen Wettbewerb, sondern nur mit dem Klassenerhalt zu tun.

Der aber ist trotz der miserablen Hinrunde mit 13 Punkten wieder in greifbare Nähe gerückt.

Derzeit trennen die Lausitzer auf Platz 14 zwei Zähler vom Relegationsplatz - so komfortabel stand Cottbus in dieser Saison noch nie da.

Eigene Stärken beschworen

Ursächlich für den Aufschwung dürfte vor allem das wiederentdeckte Wir-Gefühl der Cottbusser sein.

In der Hinrunde war davon wenig zu sehen gewesen. "Wir sind auf jeder Position schlechter besetzt als der Gegner", hatte Prasnikar deshalb gefordert, "wir müssen zusammen etwas unternehmen."

Sein Appell zeigte offenbar Wirkung. Von vier Rückrundenspielen ging lediglich die Partie in Hoffenheim verloren.

Heimkomplex abgelegt

In der Hinrunde plagte Cottbus zudem ein veritabler Heimkomplex, der nach zwei Rückrundensiegen Geschichte ist.

Die Zeiten, in denen sich Cottbus im eigenen Strafraum verbarrikadierte scheinen ebenfalls vorbei, seit Prasnikar in der Winterpause das System umstellte und mit zwei Spitzen spielen lässt.

"Wenn man in der Hälfte der Spiele ohne Tor vom Platz geht, weiß man, wo unser Problem liegt", hatte Torhüter Gerhard Tremmel nach dem ersten Spiel 2009 noch geschimpft - seitdem erzielte Cottbus in drei Spielen sechs Treffer.

Timo Rost (Porträt) begrüßte die neue Marschroute. "Wir müssen nach vorn spielen, den Gegner beschäftigen", sagte er.

"Einer muss für den anderen kämpfen", fügte er hinzu - wen wundert diese Aussage vom Kapitän eines Vereins, der sich selbst "Fightclub" nennt?

Tore fürs Auge

Gegen Bremen gab es für die nicht gerade erfolgsverwöhnten Zuschauer aber nicht nur Kampf, sondern sogar etwas fürs Auge.

Mit seinem schönen Ausgleichstreffer beim 2:1 gegen Bremen (Spielbericht) setzte sich Ivica Iliev (Porträt) an die Spitze der Dribbler-Wertung.

Denn lediglich Hannovers Jan Schlaudraff hat in der laufenden Saison ebenfalls ein Tor vorzuweisen, dem zehn eigene Ballkontakte vorangingen.

Neues Selbstbewusstsein

Die Resultate der Arbeit im Trainingslager, vor allem aber die jüngsten Ergebnisse haben den Lausitzern einen gehörigen Selbstbewusstseinsschub verpasst.

"Wir sind jetzt eine andere Mannschaft, wir glauben an uns", sagte Rost.

Deutlich wurde das auch anhand der Tatsache, dass Cottbus gegen Werder nie aufgab und zum ersten Mal in dieser Saison einen 0:1-Rückstand in einen Sieg umwandelte.

Rost warnt vor Übermut

"Da ist ein Riesenballast abgefallen", sagte Manager Steffen Heidrich, "die Mannschaft ist heiß, die Jungs wollen unbedingt den Klassenerhalt."

Vor dem Spiel in Bochum (Sa., ab 15 Uhr LIVE) tritt Rost bei so viel Begeisterung sogar auf die Euphoriebremse: "Das ist jedes Mal harte Arbeit, das dürfen wir nicht vergessen."

"Gegen einen direkten Konkurrenten zu punkten ist doppelt wichtig. Jetzt fahren wir mit breiter Brust nach Bochum", sagte dagegen Keeper Tremmel.

Derart gelöst hat sich in Cottbus vor einem Kellerduell auch lange niemand mehr geäußert.

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