vergrößernverkleinern
Werner Franke ist Professor für Zell- und Molekularbiologie an der UNI Heidelberg © getty

Der Molekularbiologe fordert im DSF Null Toleranz im Fall Hoffenheim und kritisiert den laschen Doping-Kampf in viele Sportarten.

München - Dopingjäger Werner Franke fordert im Fall Hoffenheim Null Toleranz und hat zu einem großen Rundumschlag gegen Ballsportarten, Tennis und Gewichtheben angesetzt.

"Es ist ganz klar ein Verstoß. Wenn den Spielern bekannt war, dass sie unverzüglich nach Beendigung einer sportlichen Aktivität dort zu erscheinen haben, dann gibt es nichts mehr, was dazwischen stehen darf", sagte der Molekularbiologe im DSF zum verspäteten Erscheinen der beiden Hoffenheimer Spieler Christoph Janker und Andreas Ibertsberger bei der Dopingkontrolle nach dem Spiel bei Borussia Mönchengladbach (1:1). (Gladbach legt Protest ein)

"Nichts finden beweist gar nichts"

Es gebe eine ganze Reihe von Dopingmitteln, die in so einem Zeitraum zerstört werden könnten, erklärte Franke: (Hoffenheims Doping-"Sündern" droht harte Strafe)

"Es gibt kleine Pülverchen, die man lose irgendwo in Täschchen hat oder die einem zugesteckt werden, eiweiß-abbauende Enzyme, die beim Urinieren reingetropft werden. Diese Pulver können alle eiweiß-basierenden Verbindungen in kürzester Zeit zerstören. Nichts finden beweist gar nichts."

Rangnick muss sich erklären

Unterdessen hat Hoffenheim die vom Deutschen Fußball-Bund angeforderten schriftlichen Stellungnahmen abgegeben.

"Bis zum Abschluss der Ermittlungen des Kontrollausschusses gibt es von Seiten des DFB keine weiteren Kommentare", sagte DFB-Mediendirektor Harald Stenger.

Auch Trainer Ralf Rangnick musste sich erklären, weil er behauptet hatte, dass Verstöße gegen die Anti-Doping-Richtlinien in der Eliteklasse an der Tagesordnung seien. (Rangnick: Doping-Verstöße an der Tagesordnung)

Wie der Fall nun zu bestrafen sei, hänge von den Details ab, so Franke.

"In Ballsportarten wird gedopt"

Für die Versuche des Hoffenheimer Trainers Ralf Rangnick, den Fall zu verharmlosen, hat der Heidelberger Wissenschaftler kein Verständnis: "Man muss sich nur wundern. Wer weiß denn da nicht Bescheid? Was sind denn das für Trainer, Manager oder Verantwortliche?"

Generell sieht Franke ohnehin in Sportarten wie Fußball eine Dopingmentalität. "In den Ballsportarten wird knackerdick gedopt. In Ballsportarten sind Doping-Methoden weit verbreitet und im Gegensatz dazu sind Kontrollen in Deutschland geradezu lächerlich und unintelligent!"

Anschuldigung gegen Gewichtheber-Trainer

Bei sogenannten Nationalhelden werde dies nur nicht zur Kenntnis genommen, so Franke weiter. Er richtet dabei auch scharfe Angriffe gegen Gewichtheben-Olympiasieger Matthias Steiner und dessen Trainer Frank Mantek:

"Die Goldmedaille ausgerechnet im Gewichtheben. Da wird man hingerichtet, wenn man da was sagt. Aber gerade sein Trainer Mantek war der zweithöchst Gedopte der DDR-Geschichte! Dessen jetzige Ehefrau war auch vor einigen Jahren gesperrt."

Kein ernsthafter Kampf gegen Doping

Zugleich bemängelte Franke die Ernsthaftigkeit einiger Sportarten im Kampf gegen Doping.

"Fußball und Tennis gehören übrigens zu den letzten Sportarten, die den WADA-Code unterschrieben haben. Das spricht ja auch schon Bände. Mit Geld kann man alles tun und heilen. Da können Sie bei einem Dr. Fuentes in den Listen rauf und runter stehen und trotzdem behaupten, Sie haben dem nie was gezahlt. Das ist eine Lüge, auch in einem Gerichtsverfahren", sagte Franke.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel