vergrößernverkleinern
Mark van Bommel übernahm die Kapitänsbinde von Oliver Kahn © getty

Fernab der sportlichen Heimat weilt Mark van Bommel bei der niederländischen Nationalelf. Trotzdem sind seine Gedanken in München.

Von Daniel Rathjen

München - Eigentlich wollte er sich nicht mehr in die "Elftal" berufen lassen, nachdem Marco van Basten ihn nach der WM 2006 nicht mehr berücksichtigt hatte.

Doch der neue Bondscoach Bert van Marwijk ist van Bommels Schwiegervater - und der nominierte den 31-Jährigen für das Freundschaftsspiel der Niederländer am Mittwoch gegen Russland.

Trotz aller Freude über die Rückkehr zur Nationalmannschaft beschäftigt sich der Mittelfeldspieler gedanklich aber noch stark mit dem Saisonstart des FC Bayern.

Die Kritik nach dem 2:2 im Auftaktspiel gegen den Hamburger SV nervt den "Aggressiv-Leader". Von einem Fehlstart will er im Gespräch mit Sport1.de nichts wissen und kontert stattdessen.

"Fehlstart? Manche hätten das wohl gerne. Ich habe das Gefühl, die Leute wollen uns das einreden", vermutet der neue Kapitän.

Der Motor stottert

Was für ihn zählt, sind Fakten: "Im DFB-Pokal sind wir eine Runde weiter, und das Auftaktspiel haben wir nicht verloren."

Dennoch weiß er, dass noch längst nicht alles so läuft, wie es sein sollte. Auch ihm ist klar, dass für einen Verein wie den FC Bayern nur Siege zählen. "Nach dem 2:0-Vorsprung gegen den HSV hätten wir eigentlich gewinnen müssen", räumt er denn auch ein.

"Allgemein sind wir noch nicht da, wo wir hingehören", merkt er an und hat dabei die zerstückelte Vorbereitung mitsamt der unterschiedlicher Fitnesslevel seiner Mitspieler im Hinterkopf.

Störende Systemwechsel

Er selbst absolvierte die komplette Vorbereitung unverletzt. Vielleicht fallen ihm deshalb die Defizite einiger Kollegen - wie beispielsweise die bei Miroslav Klose - besonders auf.

Alles von der Fitness und dem Fehlen wichtiger Spieler macht van Bommel jedoch auch nicht abhängig. Das Ziel von Trainer Jürgen Klinsmann, möglichst variabel zu sein und viele Systeme einzustudieren, bewertet er zwar insgesamt positiv, doch momentan als verfrüht.

"Es ist nicht leicht, die Abstimmung herzustellen. Natürlich wird das erschwert durch die vielen Verletzten, aber im Pokal haben wir mit Raute gespielt, eine Woche später mit zwei Sechsern", bemerkt er.

Sehnsucht nach Hitzfeld?

Insgeheim scheint er sich ein wenig nach der klaren Struktur unter Klinsmann-Vorgänger Ottmar Hitzfeld zu sehnen. "Dieses Jahr ist definitiv anders. In der vergangenen Saison haben wir das System nicht so oft gewechselt."

Der Druck wird allerdings nicht geringer werden. Van Bommels Vorgabe für das Spiel am Samstag bei Borussia Dortmund lautet daher: "Wir müssen uns steigern."

Immerhin können die Bayern dann wieder mit Torschützenkönig Luca Toni (Muskelfaserriss und Probleme nach Zahn-OP) rechnen. "Bei ihm sieht es sehr gut aus", erklärt Jürgen Klinsmann.

Ribery bald wieder fit

Auch für den verletzten Mittelfeldstar Franck Ribery rückt ein Comeback näher. Laut Klinsmann könnte der Franzose möglicherweise "schon dieses Wochenende wieder mit leichtem Lauftraining beginnen".

Die Rückkehr des Fußballer des Jahres sei dann absehbar. "Dann reden wir noch über Wochen und nicht über Monate", erklärte der Bayern-Coach.

Mittelfeldspieler Tim Borowski, für den es nach auskurierter Innenbanddehnung im Knie gegen den HSV nur zu einem Kurzeinsatz gereicht hatte, attestierte Klinsmann ebenfalls Fortschritte: "Auch Tim kommt wieder ein Stück heran."

Zusätzlich zu Ribery fehlen den Münchnern in Dortmund aber immer noch Martin Demichelis (Muskelfaserriss in der Wade), Willy Sagnol (Achillessehnenriss), Jörg Butt (Muskelverhärtung) sowie Hamit Altintop (Probleme im Sprunggelenk) und die Olympia-Teilnehmer Breno und Jose Ernesto Sosa.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel