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Robert Lewandowski erzielte in 98 Ligaspielen 54 Tore © getty

Die Agenten stehen in der Kritik. Doch seit sich Lewandowski selbst in die Wechselposse eingeblendet hat, leidet auch sein Image.

Von Stefan Moser

München - Ist das öffentliche Schauspiel um den Transfer von Robert Lewandowski nun ein Wechseltheater oder schon eine Posse Ein gelernter Dramaturg würde wohl sagen: Es ist eine Farce.

Eine Komödie, in der die Figuren durch extravagante und widersprüchliche Handlungen eine Kettenreaktion in Gang setzen, die zu absurden Ergebnissen führt. Für den Zuschauer ist das im Idealfall unterhaltsam, die Charaktere auf der Bühne aber liefern ein denkbar fragwürdiges Bild ab.

"Für mich persönlich handeln die Berater von Robert Lewandowski unseriös", kommentierte Ronny Zeller, Vorstand der Deutschen Fußballspieler-Vermittler-Vereinigung, am Freitag in der "Bild" die jüngsten Entwicklungen in der Causa Lewandowski ? die in der Tat absurde Züge angenommen hat.

Zumal Borussia Dortmund nach wie vor gar kein offizielles Angebot des FC Bayern vorliegen hat.

"Es wirft ein schlechtes Licht auf ihn"

Und Zeller glaubt auch, dass das öffentliche Bild des Spielers dabei Schaden nimmt. Er bleibt in der Bühnensprache: "So wie die Sache jetzt abläuft, wirft sie auch auf ihn ein schlechtes Licht."

Während sich der Unmut von Fans und Funktionären anfangs nur gegen den Berater Cezary Kucharski richtete, der versuchte, über polnische Medien Druck auf den BVB auszuüben, änderte sich zuletzt die Wahrnehmung. Denn seit Anfang der Woche spricht auch Robert Lewandowski selbst.

Das 24-Jährige spricht öffentlich und er sagt Dinge, die schwerwiegend und noch schwerer zu überprüfen sind. So unterstellte er unter anderem Hans-Joachim Watzke einen Wortbruch, der BVB-Geschäftsführer hätte ihm versprochen, den Verein bei einem Angebot der Bayern verlassen zu dürfen. Aus Dortmund folgte unmittelbar das Dementi: Eine derartige Zusage habe es nie gegeben.

"Ich erwarte Charakterstärke"

Eine der beiden Parteien also lügt. Den größeren Vertrauensvorsprung genießt dabei Watzke. Zumal die aus dem Lewandowski-Lager angekündigten Beweise bisher nicht aufgetaucht sind; und insgesamt der Eindruck entstanden ist, der Spieler handle vor allem nach den Regieanweisungen seiner Berater.

Zwar machte Watzke zunächst noch persönlich den Leumundszeugen, als er bei SPORT1 versicherte, an seiner "Einschätzung, dass Robert ein feiner Kerl ist", habe sich "überhaupt nichts" geändert.

Kurz darauf aber sah sich der 53-Jährige immerhin veranlasst, Lewandowski auch daran zu erinnern: "Ich erwarte von ihm, dass er die Charakterstärke zeigt, die er in den vergangenen Jahren gezeigt hat."

Wechsel zu Bayern weiter ausgeschlossen

Denn die Faktenlage bleibt unverändert: "Es gibt keinen Transfer mit Bayern München!". Angebote von anderen Vereinen liegen laut Watzke nicht vor: "Vor Wochen hieß es mal, dass Real interessiert sei, Robert hat jedoch klar betont: Er möchte zu den Bayern."

Nach Stand der Dinge wird Lewandowski also erst 2014 ablösefrei nach München wechseln. Bis dahin stürmt er weiter für Dortmund - und Watzke bleibt die Hoffnung, "dass er professionell mit der Situation umgeht."

Zwischen den Zeilen drückt sich darin auch die Hoffnung aus, dass sich Lewandowski mittelfristig auch vom Einfluss seiner Berater emanzipiert. Zumal sich aus seinem Umfeld die Meldungen über unseriöse Geschäftspraktiken häufen.

Falsche Facebook-Freunde

So berichtet die "Bild" am Freitag, dass sich die Anzahl von "Freunden" auf der offiziellen Facebook-Seite des Angreifers innerhalb von zwei Tagen von 700.000 auf 1,2 Millionen gesteigert habe.

Demnach sei denkbar, dass seine Agentur "Facebook-Likes" gekauft hat, um den Vermarktungswert des Spielers künstlich zu erhöhen. Eine Strategie, die im Falle eines bewussten Betrugs sogar juristische Konsequenzen haben könne.

Ein Verdacht gegen das Umfeld, der mit einer gewissen Ironie ins Bild passen würde: Schlechte Berater und falsche Freunde. Ein Bühnenstück mit Robert Lewandowski.

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