Der Tod von Rolf Rüssmann hat das Bundesliga-Wochenende überschattet. Ein Großer ist gegangen - ein persönlicher Rückblick.

Auch der 8. Bundesliga-Spieltag sorgte wieder für spannende Geschichten und hitzige Diskussionen.

Doch überschattet wurde das Wochenende vom frühen und überraschenden Tod von Rolf Rüssmann, der in der Nacht zum Samstag mit 58 Jahren an Krebs verstorben ist.

Die aufrichtige Anteilnahme in allen Stadien zeigte, dass ein Großer des deutschen Fußballs die Bühne verlassen hat.

Zumal die meisten Fans sich an die Zeit ohne Rolf Rüssmann kaum mehr erinnern können. Irgendwie war er immer schon da.

Auch beim ersten Bundesligaspiel, das ich Ende der 70er Jahre als kleiner Anhänger des MSV Duisburg besuchte, stand Rüssmann beim Gegner auf dem Feld ? und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass sein Team Schalke 04 gewann.

Denn am Vorstopper war zu seinen besten Zeiten kaum ein Vorbeikommen. Trotzdem blieb er ein Unvollendeter.

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Mit etwas mehr Glück hätte Rüssmann ähnliche Erfolge auf dem Platz wie ein Katsche Schwarzenbeck und später als Manager wie ein Uli Hoeneß feiern können.

Der Bundesliga-Skandal, in den er verwickelt war, verhinderte eine Teilnahme des Top-Talents an der erfolgreichen Heim-WM 1974.

Und als er vier Jahre später seine erste WM bestritt, sorgte Gegenspieler Hans Krankl bei der "Schmach von Cordoba" für das frühe Ende seiner DFB-Laufbahn.

Auch mit seinen Klubs Schalke und Borussia Dortmund gelang trotz 453 Bundesligaspielen nicht mehr als ein DFB-Pokalsieg und zwei Vize-Meisterschaften.

Als er dann in den 90er Jahren als Manager in der Bundesliga einstieg, traf ich ihn bei Borussia Mönchengladbach wieder.

Er wolle mit den "Fohlen" die "Klammer zu den großen Erfolgen in der 70er Jahren schließen", erklärte mir Rüssmann damals - und gewann eine Woche später den DFB-Pokal.

Obwohl seinerzeit vieles für eine Renaissance der Borussia sprach, begann mit dem Abgang von Torjäger Heiko Herrlich die Talfahrt, die mit dem Abstieg 1999 einen ersten Tiefpunkt fand.

Rüssmann, der ein halbes Jahr vorher gefeuert wurde, war sich bis zuletzt sicher, dass die Gladbacher mit ihm in der Liga geblieben wären.

2001 heuerte er dann in ähnlich prekärer Situation beim VfB Stuttgart an, feuerte Ralf Rangnick und holte Felix Magath - der ihn schließlich nach dem Klassenerhalt und den Anfangserfolgen der "jungen Wilden" Ende 2002 selber absägte.

Danach wurde es still um den Manager Rüssmann, obwohl mancher Verein wie Bayer Leverkusen (vor Rudi Völlers Rückkehr) oder der VfL Wolfsburg (vor Felix Magath) seine sportliche Kompetenz in der Führungsetage gut hätte gebrauchen können.

Ich selber traf ihn vor der EM 2008 letztmals und war überrascht, wie alt Rüssmann geworden war. Auch ich ahnte damals nichts von seiner Krankheit.

"Die Welt ist um einen wunderbaren Mann ärmer geworden", hat sein Freund und ehemaliger Teamkollege Erwin Kremers zu Rüssmanns Tod erklärt.

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