Hinsichtlich Taktik und System hält sich Neu-Bayer Pep Guardiola noch bedeckt. Vier Assistenten aus Barcelona begleiten ihn.

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Vom FC Bayern berichten Jan Reinold und Martin Volkmar

München - Nein, man kann nun wirklich nicht sagen, dass sich mit dem ersten Auftritt von Pep Guardiola alle Fragen restlos geklärt hätten.

Klar, man weiß nun, dass der neue Bayern-Trainer - völlig überraschend - Fußball mag, es ferner liebt, seine Mannschaften attackieren zu lassen. Außerdem wird er in diesem Jahr leider keine Zeit haben, um in Münchens Kulturszene einzutauchen.

"Vielleicht", meinte der Kunst- und Kulturliebhaber Guardiola bei seiner Vorstellung mit einem Lächeln, "müssen die Künstler an die Säbener Straße kommen. Da werde ich in den ersten sechs Monaten leben." (1. Training, Mi., ab 16.45 Uhr LIVE im TV und im LIVESTREAM auf SPORT1.de)

Training im Stadion

Was Spielweise, System oder Kaderplanung angeht, blieben die Aussagen des 42-Jährigen zunächst recht vage. Klar ist immerhin, dass er nach einem Ruhetag am Mittwoch ab 17 Uhr das erste Mal mit seiner neuen Mannschaft arbeiten wird.

Beim ersten Training, das wegen des erwarteten Zuschauerinteresses ebenso wie die Einheit am Donnerstag von der Säbener Straße in die Allianz Arena verlegt wurde, werden allerdings noch zahlreiche Profis fehlen.

Neben den Nationalspielern, die noch bei Länderspielen im Einsatz waren (z.B. Arjen Robben oder David Alaba) sowie Dante und Luiz Gustavo, die noch beim Confed Cup weilen, werden auch Neuzugang Mario Götze (Muskelverletzung) und Holger Badstuber (Kreuzbandverletzung) fehlen. Bastian Schweinsteiger (Knöchel-Operation) und Toni Kroos (Muskelverletzung) haben ihre Verletzungen hingegen auskuriert und können wie Neuzugang Jan Kirchhoff (Mainz 05) am Trainingsstart teilnehmen.

Urgestein Gerland bleibt

Guardiola, der einst in Barcelona als Trainer der zweiten Mannschaft anfing und später viele Spieler aus der eigenen Jugend in die Profi-Mannschaft integrierte, kündigte bei seiner Vorstellung an, die in den ersten Trainingstagen gelichteten Reihen mit Spielern aus dem FCB-Nachwuchs und dem Amateur-Team zu füllen (Bericht).

Die Spieler, die am Training teilnehmen, werden dann auch auf einen fast vollständig neuen Trainerstab treffen.

Neben Chefcoach Jupp Heynckes haben auch dessen Co-Trainer Peter Herrmann (zu Schalke 04) und Fitnesstrainer Marcelo Martins (zurück nach Brasilien) die Bayern verlassen. Einzig Bayern-Urgestein Hermann Gerland bleibt.

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"Es gibt viele Spieler aus dem eigenen Nachwuchs, die das Zeug haben, bei uns zu sein", begründete Guardiola, "und Hermann Gerland kennt den Nachwuchs und die Amateure".

Vier Assistenten

Neben dem Bayern-Insider, Spitzname "Tiger", bringt Guardiola vier Assistenten mit, die er bereits aus seiner so erfolgreichen Zeit aus Barcelona kennt.

"Ein Klub wie Bayern verfügt über gewachsene Strukturen, es kommen also nicht viele neue Leute. Ich brauche Assistenten, die ich kenne", sagte Guardiola bei seiner Vorstellung: "Ich bin dankbar, dass sie Barcelona verlassen und mitkommen. Es ist eine Herausforderung für uns und unsere Familien."

Sie, das sind Domenec Torrent (Co-Trainer), Carles Planchart (Scout und Video-Analyst), Lorenzo Buenaventura (Fitness-Trainer) - und nicht zuletzt Manel Estiarte.

Vertrauter Estiarte

Der Wasserball-Olympiasieger von 1996 ist eng mit Guardiola befreundet und gilt als einer der wichtigsten Ratgeber des Spaniers.

"Estiarte ist mein persönlicher Vertrauter, er ist mit Rafael Nadal und Pau Gasol einer der größten Sportler Spaniens. Ich nehme gerne Einflüsse aus anderen Sportarten mit", sagte Guardiola.

Komplettiert wird das neue Trainerteam durch Video-Experte Lars Kornetka, für dessen Verpflichtung von Schalke 04 allerdings FCB-Sportvorstand Matthias Sammer verantwortlich ist.

"Traumspiel" in Weiden

Das erste Spiel für Guardiola und seinen Trainerstab steht am Samstag (18 Uhr) an. In Weiden in der Oberpfalz kommt es zum "Traumspiel" gegen den Fanclub Wildenau.

Einen Tag später geht es zum Bezirksligisten TSV Regen (19 Uhr), am Donnerstag kommender Woche startet der FC Bayern dann ins Trainingslager nach Italien.

Vielleicht haben sich nach diesen acht Tagen in Trentino die ersten der zahlreichen Fragen geklärt.