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Im Februar 2010 gab Marc Bartra (r.) unter Pep Guardiola sein Profidebüt für den FC Barcelona © getty

Vor dem Trainingsauftakt des FCB spricht Barca-Profi Marc Bartra bei SPORT1 über seine Erfahrungen mit Lehrmeister Pep Guardiola.

Von Martina Farmbauer

München - Er wolle auch, oder gerade, den Nachwuchsspielern eine Chance geben, sagte Pep Guardiola bei seiner Vorstellung als neuer Trainer des FC Bayern am Montag. So wie er es in seiner Zeit beim FC Barcelona getan hatte.

Marc Bartra ist einer dieser jungen Spieler, die es unter dem 42-Jährigen ins Profiteam der Katalanen geschafft haben. Mittlerweile hat der 22 Jahre alte Bartra im Kreise der Superstars Fuß gefasst, mit der spanischen U-21-Nationalmannschaft wurde er kürzlich Europameister.

Bei SPORT1 spricht Innenverteidiger Bartra über seine Erfahrungen mit Guardiola, dessen Arbeit und die Aussichten der Bayern.

SPORT1: Herr Bartra, Bayern München hat an diesem Mittwoch Trainingsauftakt mit Pep Guardiola. Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Training mit ihm?

Marc Bartra: Das war vor ein paar Jahren im Camp Nou, das erste Spiel mit der ersten Mannschaft von Barcelona, ein Freundschaftsspiel gegen Manchester City. Am Montag war Training, ich war damals noch Jugendlicher. Fünf, sechs, sieben, Spieler aus meiner Mannschaft, Barca B, waren auch da. Da hatten wir zum ersten Mal Kontakt, und dann haben wir gegen ManCity gespielt.

SPORT1: Wie haben Sie das erlebt? Sie sind bei Barca, seit sie zehn Jahre alt sind.

Bartra: In die erste Mannschaft zu kommen, war für mich ein Traum. Im Camp Nou zu spielen, mit all meinen Kumpels, mit Puyol, der mein Referenzpunkt war, mit Guardiola als Trainer. Ich zwickte mich, um zu schauen, ob das wahr ist. Er sprach Katalanisch mit mir und sagte "Benvengut" (Willkommen).

SPORT1: Die deutsche Öffentlichkeit hat Guardiola mit seinen Deutschkenntnissen beeindruckt (739147DIASHOW: Peps Präsentation in Bildern). Was sind seine Qualitäten und vielleicht auch Besonderheiten als Trainer?

Bartra: Er dominiert den Fußball so sehr, er weiß so viel darüber und zugleich kann er ihn vermitteln. Und dieser Respekt, den er einen haben lässt, trägt dazu bei, dass man das, was er einem beibringt, in dem Moment leichter aufnimmt. Vor allem, weil er über viele Jahre selbst Spitzenspieler war. Schon da hat man gesehen, dass er das beherrscht, was das Spiel ausmacht. Und er ist Trainer geworden. Er kann auch sehr gut motivieren und holt das Beste aus jedem Spieler heraus.

SPORT1: Inwieweit hat er Sie als Fußballspieler weitergebracht?

Bartra: Vor allem bin ich ihm sehr dankbar dafür, dass er mich in der ersten Liga hat debütieren lassen. Und er hat mich gelehrt, ruhiger zu spielen, den Kopf zu heben und gut auszuwählen, wohin ich den nächsten Schritt mache oder den nächsten Pass spiele. Davor musste immer alles schnell gehen, ich bin schnell mit dem Ball gelaufen, habe schnell abgespielt. Das ist eines der Dinge, die mir am meisten hängengeblieben sind.

SPORT1: Wie hat Guardiola das gemacht?

Bartra: Im Training nimmt er dich für zwei Minuten zur Seite und sagt dir, was er denkt. Das machst du gut, das machst du schlecht. Es gefällt ihm, etwas zu erklären und Ratschläge zu geben. Und er macht das auf positive Art und Weise. Er gibt dir ein gutes Gefühl, sodass du nicht das Vertrauen verlierst. Je nachdem, wie man die Sachen sagt, kann man etwas ja auch schlimmer machen. Guardiola weiß genau, in welchem Moment und wie er etwas sagen muss. Das ist wichtig für einen Trainer.

SPORT1: Es heißt, er habe auch viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit jungen Spielern. Sie hat er am Anfang nicht oft spielen lassen, aber dann haben Sie immer mehr Minuten bekommen ...

Bartra: Ehrlich gesagt, bin ich immer besser geworden.

SPORT1: Im Jahr, in dem Sie debütiert haben, haben Sie nur diese eine Partie bestritten, im nächsten Jahr vielleicht nicht so schwierige Partien, und dann ...

Bartra: In diesem Sinne wusste er genau, wie er die Minuten einteilen muss, damit es langsam vorwärts geht. Das war sehr poitiv und hat mir Vertrauen gegeben.

SPORT1: Was kann Guardiola Bayern noch geben, nach all den Erfolgen der vergangenen Saison?

Bartra: Ich glaube, wissend, dass Bayern schon ein Topteam ist, bei dem praktisch fast alle Rädchen funktionieren, gibt Guardiola ein Plus an Motivation, ein Plus an Taktik, das die Bayern viel, viel besser macht. Vor allem auf Gruppenebene. Ich glaube, er wird wissen, wie er die Spieler noch enger zusammenschweißen kann, um das Maximum herauszuholen.

SPORT1: Glauben Sie, dass der FC Barcelona zurückkommt?

Bartra: Ja. Dieses Jahr haben wir zwar nicht die Champions League gewonnen, aber die Liga, und wir haben viele Rekorde gebrochen. Nun gut, wir sind auf ein Bayern getroffen, das physisch stärker war als wir und weniger Tiefs hatte. Viele aus unserer Mannschaft hatten viele Spiele in den Knochen und wir waren nicht auf der Höhe, um uns mit Bayern auseinanderzusetzen. Wenn wir fitter gewesen wären, inklusive Leo (Lionel Messi, Anm. d. Red.), Puyol und noch anderen Spielern, dann wäre es vielleicht auch anders gewesen.Und wenn ich zum Beispiel ein Jahr mehr Erfahrung habe und andere Spieler mehr Erfahrung haben, dann können wir auch in so einer Situation stärker sein.

SPORT1: Pep Guardiola hat sie sehr geprägt. Gibt es etwas, dass Sie immer über ihn wissen wollten?

Bartra: Guardiola ist eine der Personen, die ich am meisten respektiere in der Welt des Fußballs. Wir kommen beide aus einem kleinen Dorf. Er ist in La Masia groß geworden, ich auch. Da würde mich natürlich interessieren, wie eine so einfache Person es schaffen kann, dass ihm ein solcher Respekt entgegengebracht wird. Denn das ist glaube ich das Beste, was ein Trainer haben kann: dass er respektiert wird und zugleich weiß, wie er seine Spieler behandeln muss.

SPORT1: Und, haben Sie eine Vermutung?

Bartra: Ich nehme an, weil er als Spieler sehr gut war. Dann als Trainer hat er vom ersten Tag an alles über Fußball gelehrt, was er wusste - und er hat Barca verändert. Von einem Barca, das vielleicht nicht so viel gewonnen hat zu einem Barca, das alles gewonnen hat.

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