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Rafinha (o.) erzielte gegen Frankfurt sein zweites Saisontor © getty

Nach dem Sieg in Frankfurt richtet Schalke 04 den Blick wieder nach oben. Der Klub-Boss träumt sogar von der Champions League.

Von Matthias Becker

München/Frankfurt - Ein Blick auf die Reaktion von Rafinha genügte, um die Bedeutung des Schalker Auswärtssieges bei Eintracht Frankfurt zu verstehen.

Nach Heiko Westermanns Tor zum entscheidenden 2:1 drehte der kleine Brasilianer völlig durch.

Rafinha stürmte über den halben Platz auf Torhüter Manuel Neuer zu, sprang dem Keeper in die Arme und küsste dessen Kopf.

Der FC Schalke 04 hat seinen vier Monate währenden Auswärtsfluch mit dem Erfolg in Frankfurt beendet und wittert im Kampf um die Europapokalplätze plötzlich wieder Morgenluft. (zum Spielbericht)

Schnusenberg träumt schon wieder

"Wir waren schon in der gesamten Saison ganz knapp dran, den Bock umzustoßen. Heute ist ein erster kleiner Schritt", freute sich Manager Andreas Müller verhalten.

Klub-Boss Josef Schnusenberg denkt dagegen nach dem spielerisch limitierten, aber vom Engagement her überzeugenden Auftritt, schon wieder in anderen Dimensionen. "Ich bin grundsätzlich Optimist, und die Champions League zu erreichen wird zwar schwierig, aber leicht kann ja jeder", sagte Schnusenberg.

Schalke liegt als Siebter zwar noch sieben Punkte hinter Platz drei, aber nur noch zwei Zähler hinter dem zum Start im UEFA-Cup berechtigenden fünften Platz. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Königsblaues Deja-Vu

Dabei wäre es in Frankfurt fast zum königsblauen Derby-Deja-Vu gekommen.

"Ich habe mir gedacht: 'Das kann nicht wahr sein'", kommentierte Müller seine Gefühlslage nach Finks Ausgleich (81.). Schon in der Vorwoche gegen Dortmund hatten die Gelsenkirchener einen sicher geglaubten Sieg ohne Not aus der Hand gegeben.

Im Gegensatz zu der gefühlten Niederlage im Revierderby zeigte Schalke diesmal aber die lange vermisste Effektivität in der Chancenverwertung. Zudem bewiesen sie endlich einmal nach einem Rückschlag Biss und Charakter.

Rutten lobt Moral

Exemplarisch dafür stand Abwehrchef Marcelo Bordon (Spielerporträt), der trotz eines komplizierten Mittelhandbruchs und gegen den Rat der Ärzte auflief. Der Brasilianer ließ sich lediglich einen Tape-Verband anlegen und zeigte eine gewohnt souveräne Defensivleistung, vor allem in der hektischen Schlussphase.

"Meine Mannschaft hat eine unglaubliche Moral gezeigt", freute sich Trainer Fred Rutten über die Leistung von Bordon und Co.: "Schon direkt nach dem 1:1 hat man gemerkt, dass die Mannschaft unbedingt gewinnen will."

Die große Chance zur Wende

Für Schalke bietet der erste Auswärtssieg seit dem 2:0 in Cottbus am 1. November 2008 die Chance, in einer bislang verkorksten Saison doch noch die Kurve zu kriegen. Am Freitag wartet im Heimspiel mit dem 1. FC Köln eine lösbare Aufgabe. Schon am Dienstag ist bei Zweitligist FSV Mainz 05 der Einzug ins DFB-Pokal-Halbfinale möglich. (DATENCENTER: Das DFB-Pokal-Viertelfinale)

"Wir haben im DFB-Pokal immer noch die große Chance, einen Titel zu gewinnen", erklärte Rutten. Torschütze Westermann warnte aber zugleich vor der Aufgabe in Mainz.

"Das wird ein ganz anderes Spiel. Die werden vor heimischer Kulisse um ihr Leben rennen."

Frankfurt leidenschaftslos

Gleiches hätte man eigentlich auch von den Frankfurtern erwartet. Schließlich hätten diese sich mit einem Sieg erst einmal von den Abstiegsplätzen distanzieren können.

Vor allem nach dem Schalker Führungstreffer zeigten die Gastgeber bis zum überraschenden Ausgleich aber eine erstaunlich leidenschaftslose Vorstellung. Sie haben nun nur noch drei Punkte Vorsprung auf Relegationsplatz 16.

Trainer Friedhelm Funkel sieht den kleinen Lichtblick aus dem Auswärtserfolg in Karlsruhe deshalb auch schon wieder verblassen: "Diese Niederlage ist unheimlich bitter für uns. Vor dem Spiel nächste Woche in Bielefeld muss ich die Mannschaft jetzt erstmal wieder aufrichten."

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