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Josip Simunic spielt seit dem Jahr 2000 bei Hertha BSC Berlin © imago

Nach dem Sieg gegen Gladbach garantiert der Hertha-Verteidiger weitere Siege. "Fohlen"-Coach Meyer flüchtet sich in Sarkasmus.

Von Felix Götz und Andreas Ziepa

München/Berlin - Sieben Tage können eine gewaltigen Unterschied ausmachen.

Noch am vergangenen Samstag war Josip Simunic, Innenverteidiger von Hertha BSC Berlin, nach der Pleite in Wolfsburg nach Spielende wutentbrannt auf Schiedsrichter Knut Kircher zugestürmt.

Eine Woche später, nach dem 2:1-Heimsieg über Borussia Mönchengladbach (Spielbericht) und der Rückkehr an die Tabellenspitze, spazierte der Kroate nach dem Schlusspfiff nicht zu Schiedsrichter Peter Gagelmann - sondern vergnügt in die Berliner Fan-Kurve, um dort ein Versprechen abzugeben.

"Ich habe gesagt, dass wir mindestens acht der verbleibenden zwölf Partien gewinnen werden", sagte der 31-Jährige zu seinem Plausch. (DATENCENTER: Spielplan Hertha)

Ein erstes Anzeichen dafür, dass die Berliner abheben? Weit gefehlt. "Wir müssen schlauer und intelligenter spielen", sagte Simunic selbstkritisch.

Kein Grund zur Überheblichkeit

Zur Überheblichkeit gibt es auch überhaupt keinen Grund. Nach einer guten ersten Hälfte, in der die Berliner ihre Chancen eiskalt durch Andrej Voronin (28.) und Pal Dardai (44.) zur 2:0-Führung nutzten, folgte ein ungewohnt schwacher zweiter Durchgang.

"Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht. In der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel aus der Hand gegeben", sagte Manager Dieter Hoeneß.

In der Tat: Gegen Schlusslicht Gladbach zog sich die Hertha grundlos weit zurück und verlor plötzlich komplett die Ordnung.

"Cleverer" Marin

Der zur Pause eingewechselte Oliver Neuville hatte allein drei gute Chancen für Gladbach. Der Anschlusstreffer gelang den "Fohlen" aber erst, als Schiedsrichter Peter Gagelmann in der 69. Minute nach einem Zweikampf zwischen Marko Marin und Arne Friedrich auf den Elfmeterpunkt zeigte.

"Marin hat das clever gemacht. Er hat bei mir eingefädelt", schilderte der Hertha-Kapitän seine Sicht der fragwürdigen Entscheidung.

Michael Bradley verlud Keeper Jaroslav Drobny und traf zum 1:2. "Wenn wir führen, dann haben wir Angst, diese Führung wieder zu verspielen. Das müssen wir abstellen", sagte Friedrich. (DATENCENTER: Spielerportrait)

"Cleverness schlägt Leichtsinn"

Fortan drückte die Borussia auf den Ausgleich, spielte aber insgesamt zu kompliziert und ließ beste Chancen fahrlässig aus. "Cleverness schlägt jugendlichen Leichtsinn", brachte es Gladbachs Trainer Hans Meyer auf den Punkt.

Fakt ist: Die Berliner stehen zumindest bis Sonntag ganz oben und gewinnen auch Spiele, in denen sie nicht über 90 Minuten überzeugen.

Somit avanciert die Hertha immer mehr zu einem ernsthaften Titelkandidaten - nur will davon in der Hauptstadt keiner etwas wissen.

Hertha hält den Ball flach

"Das Ziel bleibt der UEFA-Cup", sagten Voronin und Trainer Lucien Favre unisono nach dem neunten Heimsieg in Folge. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

Für den Schweizer war lediglich wichtig, "dass wir nach der Niederlage in Wolfsburg wieder drei Punkte geholt haben".

Und Hoeneß ergänzte: "Wenn wir drei Spieltage vor Schluss da oben stehen, können wir über mehr reden. Aber so weit sind wir noch nicht."

Meyers Flucht in den Sarkasmus

Derweil drohen bei der Borussia so langsam die Lichter auszugehen. Selbst zuvor drei Spiele ohne Niederlage brachten die Borussia nicht wirklich weiter.

Meyer wirkte ratlos und flüchtete sich in Sarkasmus: "Wir haben mit vier Punkten Rückstand aufs rettende Ufer allen Grund aufzugeben."

Auf die Frage, wie denn seine Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte gewesen sei, antwortete der 66-Jährige: "Gutes Hotel, gutes Essen - ansonsten bescheiden."

Meyer kritisiert Marin

Meyer wirkte angeschlagen. Zu deutlich wurden ihm die Defizite seiner Elf vor Augen geführt. Spielerisch ganz nett, aber im Abschluss viel zu harmlos: So kassierte die Borussia ihre 14. Saisonniederlage. Zudem wurden bereits im Mittelfeld viele Bälle leicht vergeben.

Dass das Spiel seiner Elf zu uneffektiv war, schob Meier vor allem Marin in die Schuhe, der bemüht war, sich aber des Öfteren in Einzelaktionen verzettelte. "Er wird lernen müssen, dass Fußball nicht nur schönspielen bedeutet, sondern auch, zweckmäßig zu sein."

Immerhin befand Meyer, "dass wir besser spielen als noch im Herbst". Ob das allerdings reichen wird, darüber dürften schon die nächsten Spiele zu Hause gegen den Hamburger SV und beim 1. FC Köln Aufschluss geben.

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