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20. April: Das Nachrichtenmagazin "Focus" macht die Selbstanzeige des Bayern-Präsidenten und die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München II wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung öffentlich
Uli Hoeneß ist seit 2009 Präsident des FC Bayern München © getty

Einem Medienbericht zufolge will die Staatsanwaltschaft den FCB-Präsidenten noch im Sommer anklagen. Ein strenger Richter droht.

Von Eric Böhm und Claudia Ebel

München - Der Prozess gegen Uli Hoeneß rückt näher: Die Anklage gegen den Präsidenten des FC Bayern München ist angeblich beschlossen.

Die "Bild" berichtet, dass die Münchner Staatsanwaltschaft noch im Sommer Anklage wegen Steuerhinterziehung erheben werde.

Stimmen die Gerichte zu, wird Hoeneß wohl vor der 5. Wirtschafts- und Steuerstrafkammer des Landgerichts München II der Prozess gemacht.

"Das Ermittlungsverfahren dauert an, ansonsten gibt es keine weiteren Informationen dazu", sagte Ken Heidenreich, Sprecher der Staatsanwaltschaft, zu SPORT1.

Gefängnisstrafe droht

Trotz seiner zwei Selbstanzeigen droht Hoeneß im Falle einer Verurteilung ein hartes Strafmaß, denn der wohl zuständige Richter Rupert Heindl steht im Ruf, besonders streng zu sein.

Zudem ist in Deutschland bei einer Schadenssumme über einer Million Euro in der Regel keine Bewährungsstrafe möglich, Hoeneß könnte also der Gang ins Gefängnis drohen.

In seinen Selbstanzeigen soll er eingeräumt haben, 3,2 Millionen Euro nicht versteuert zu haben. Sollte die Staatsanwaltschaft Anklage erheben, würde das bedeuten, dass sie Hoeneß erste Selbstanzeige vom 17. Januar als nicht vollständig und damit auch als nicht strafbefreiend ansieht.

Hoeneß taucht ab

Wann Hoeneß frühestens vor Gericht erscheinen müsste, ist noch völlig offen. Seit der Vorstellung des neuen Bayern-Trainers Pep Guardiola vor zwei Wochen meidet der langjährige Manager die Öffentlichkeit.

"Uli hat sich etwas zurückgezogen. Ich finde das klug und richtig. Ich wünsche und hoffe, dass die Geschichte gut für ihn ausgeht", sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge der "Bild".

Das Blatt berichtet, Hoeneß' Arzt habe ihm geraten, die Berichterstattung in den Medien nicht zu verfolgen. Auch die Einladung zum Bayerischen Sportpreis am vergangenen Wochenende schlug er aus.

Chronologie der Affäre

Die persönlichen Probleme setzten dem FCB-Präsidenten schon in den vergangenen Monaten sichtbar zu. Bei den Feierlichkeiten zum historischen Triple der Bayern, die Krönung von Hoeneß' Lebenswerk, hielt er sich merklich im Hintergrund.

Während der Rückrunde hatte es immer neue Enthüllungen zur Causa gegeben. So wurde bekannt, dass ein Haftbefehl gegen Hoeneß nur gegen Zahlung einer Millionen-Kaution außer Kraft gesetzt wurde.

Im März wurden zudem sein Anwesen am Tegernsee sowie sein Büro beim FC Bayern durchsucht.

Verein steht zu ihm

Einen Rücktritt des Präsidenten lehnte der Aufsichtsrat des Rekordmeisters im Mai ab. Das Gremium begründete das damals damit, im Saisonendspurt keine Unruhe in den Verein bringen zu wollen.

Sollte es aus den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft neue Erkenntnisse geben, könne man sich dem Thema wieder widmen, teilten die Kontrolleure mit. Das könnte mit einer Anklageerhebung der Staatsanwaltschaft der Fall sein.

Dem lange ange Zeit schier unerschütterlichen Macher Hoeneß droht sein schwerster Gang - und womöglich die schlimmste Niederlage.