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Thiago (l.) zieht es zu den Bayern - für 22 Millionen Euro Ablöse? © getty

Bayern will, Thiago will: Der Wechsel des Barca-Juwels nimmt Formen an. Aber die Verhandlungen sind schwierig - trotz Ausstiegsklausel.

Von Tom Vaagt

München - Im Tauziehen um Thiago Alcantara hat sich der Wunschspieler von Pep Guardiola offenbar erstmals selbst zu Wort gemeldet und seinen Wechsel zum deutschen Rekordmeister Bayern München forciert.

"Ich möchte bei Bayern spielen", soll der 22-Jährige seinem derzeitigen Arbeitgeber FC Barcelona nach Angaben der spanischen Sporttageszeitung "El Mundo Deportivo" mitgeteilt haben. Thiago steht bei den Katalanen noch bis 2015 unter Vertrag.

Eine bis zum 31. Juli befristete Ausstiegsklausel in Höhe von 18 Millionen Euro soll allerdings einen vorzeitigen Wechsel des spanischen U-21-Europameisters ermöglichen.

Ausstiegsklausel und Steuerfragen

Ob und inwieweit die Bayern von der Vertragspassage Gebrauch machen können, ist allerdings offen. Ähnlich wie bei der Verpflichtung von Javi Martinez im vergangenen Sommer gestalten sich die Verhandlungen zwischen dem abgebenden Klub und den Münchner wohl kompliziert.

Martinez konnte Athletic Bilbao vor einem Jahr zwar für festgeschriebene 40 Millionen Euro verlassen, musste die Summe gemäß der Vertragsgestaltung aber selbst bei den Basken hinterlegen.

Hätten die Bayern dem Mittelfeldspieler anschließend den Betrag zurück überwiesen, wäre ein erhebliches Steueraufkommen entstanden.

Preis nun 22 Millionen Euro?

Spanischen Medienberichten zufolge, könnte sich ein derartiges Szenario auch bei Thiago wiederholen. Daher soll Barcelonas Klubführung den Münchnern bereits verdeutlicht haben, dass sie unter den gegebenen Umständen mehr als 18 Millionen für ihr Supertalent verlange.

Erste Gespräche über einen Wechsel des vielseitig einsetzbaren Mittelfeldspielers seien daher ergebnislos verlaufen. Allerdings könne eine Einigung weiterhin unmittelbar bevorstehen. Ob Thiago am Montag bei Barcelonas Trainingsauftakt noch dabei ist, wird gemeinhin bezweifelt.

Die spanische Sporttageszeitung "Sport" geht inzwischen von 22 Millionen Euro für einen Wechsel des Barca-Juwelsaus.

Pep: "Thiago oder keiner"

Thiago gilt als absoluter Wunschspieler des neuen Bayern-Trainers Pep Guardiola. Dies hatte der Spanier auf einer Pressekonferenz im FCB-Trainingslager am vergangenen Donnerstag unmissverständlich verkündet.

"Ich will Thiago oder keinen. Ich brauche diese Qualität im Mittelfeld", war es dem Spanier im italienischen Riva del Garda für die Zuhörer beinahe unvermittelt entfahren.

Guardiola gilt als Mentor des Mittelfeldstrategen, der in Barcas Kader bisher nicht an den spanischen Nationalspielern Xavi und Andres Iniesta vorbeikam. Folglich fiel ihm beim spanischen Renommierklub meist nur eine Nebenrolle zu.

Unter Guardiola, der Barcelona vor der abgelaufenen Saison nach vierjähriger Cheftrainertätigkeit verlassen hatte, wäre die bisherige Entwicklung des spanischen U-21-Kapitäns womöglich anders und noch ein wenig rasanter verlaufen.

Guardiola ist Thiagos Mentor

Der neue FCB-Coach gilt als Mentor und Förderer Thiagos. 2007 holte er den Hochbegabten aus der Jugend in Barcelonas B-Team, später beorderte er ihn in die erste Mannschaft.

Sollte der Wechsel Thiagos nach München zustande kommen, könnte dies allerdings auch Probleme nach sich ziehen. Das Mittelfeld des Triple-Sieger ist bereits jetzt qualitativ und quantitativ üppig besetzt. Das Gerangel um die Stammplätze würde noch einmal kräftig an Fahrt aufnehmen.

Und: Guardiola wird seinen sportlichen Ziehsohn sicher nicht als Ergänzungsspieler verpflichten wollen.

Auch ManUnited war im Rennen

Nachdem Thiago die U-21 des Welt- und Europameister bei der EM in Israel zum Titel geführt und im Finale gegen Italien (4:2) drei Treffer binnen 33 Minuten erzielt hatte, war er mit zahlreichen europäischen Spitzenklubs in Verbindung gebracht worden.

Lange Zeit schien sich Manchester United beim Ringen um Thiagos Dienste in der Pole Position zu befinden. Allerdings schien das Interesse des englischen Rekordmeisters zuletzt reichlich abgekühlt.

Möglicherweise auch, weil die Bayern die Engländer in der Gunst des Barca-Mittelfeldstars überflügelt hatten. Zudem wird der Umworbene von Pere Guardiola, dem Bruder des FCB-Trainers beraten.

Vergleiche mit Xavi

Einen ganz einfachen Charakter würden sich die Münchner in Thiago allerdings nicht angeln.

In der heimischen Presse musste der Edeltechniker schon böse Vergleiche lesen: Wie die zuvor hochgelobten Ivan de la Pena (Barca) oder Guti (Real) werde er letztlich scheitern, hieß es.

Allerdings nahm der Sohn des Brasilianers Mazinho, der mit der Selecao 1994 den WM-Titel gewann, diese Ausführungen offenbar als Ansporn auf und präsentiert sich zunehmend wie ein Musterprofi.

"Er ist einer aus der neuen Spielergeneration, die ein Spiel sehr gut lenken können - wie Xavi", sagt Barca-Experte Andres Corpas von "El Mundo" zu SPORT1: "Thiago ist sehr diszipliniert, aber er kann auch locker sein."

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