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Rene Adler wechselte im Jahr 2000 aus Leipzig nach Leverkusen © imago

Heimkomplex, Phlegma, Adler-Ausbruch: Bayer Leverkusen stürzt vor dem Pokalschlager gegen Bayern immer tiefer in die Krise.

Von Daniel Rathjen und Martin Hoffmann

München/Leverkusen - Bei einer Tasse Kaffee ist am Sonntagmorgen der größte Ärger aus der Welt geschafft worden.

Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler setzte sich mit Keeper Rene Adler zusammen, dem er tags zuvor nach dessen scharfer und öffentlicher Kritik an seinen Teamkollegen noch den Kopf dafür gewaschen hatte.

"Das ist alles aus der Welt", beteuert Adler nun im "kicker".

Krise vor dem Pokal-Schlager

Doch auch wenn dem so ist: Die Ereignisse, die zu dieser Aussprache geführt haben, haben ein Schlaglicht darauf geworfen, wie schief der Haussegen bei Bayer vor dem Pokal-Schlager gegen den FC Bayern (Mi., ab 20.15 Uhr LIVE) hängt.

Die 0:1-Niederlage bei Hannover 96 (Hecking-Coup stürzt Bayer in die Krise) und ihre Nachwehen sind der heftigste Ausläufer einer immer größer werdenen Krise.

Es war die dritte Pleite in der Rückrunde, aus den letzten sechs Spielen landete das junge Leverkusener Team nur einen Sieg (DATENCENTER: Der 22. Spieltag).

Friedrich fällt mehrere Wochen aus

Zu allem Überfluss fällt auch noch Manuel Friedrich für vier bis sechs Wochen aus. Der Abwehrspieler erlitt einen Außenmeniskusriss und muss operiert werden.

Die Lage bei der Werkself wird dadurch noch bedrohlicher: Das Ziel, der internationale Wettbewerb, droht wie im Vorjahr in der Rückrunde leichtfertig verspielt zu werden.

Genau darum haute Rene Adler nach dem erneuten Rückschlag dazwischen und redete schonungslos Klartext über seine Kollegen.

"Phlegma beschreibt es vielleicht richtig", war der Schlüsselsatz, der ein Grundproblem der Leverkusener offenlegte: "Das Phänomen gibt es schon länger bei Bayer. Immer wenn es nicht so läuft, wehren wir uns zu wenig."

Adlers Appell: "Fußball ist ein Männersport, ein Kampfsport. Das muss jedem von uns in Fleisch und Blut übergehen. Wir müssen endlich den Arsch wieder hochkriegen."

Völler in Rage

Als Völler von Adlers Schelte hörte, platzte ihm wiederum der Kragen:

"Mein guter Rat an den talentierten Nationaltorwart ist, sich mal an die eigene Nase zu fassen. Als er vor ein paar Wochen mal ein paar Bälle nicht gehalten hat, hat auch keiner seiner Mitspieler was gesagt."

Erst einmal in Fahrt, legte Völler nach: "Schon als Skibbe noch Trainer war, waren einige Äußerungen von Rene grenzwertig. Es ist leicht, im Tor zu stehen und zu sagen: Rennt mal schön da vorne."

Eine auffallend gereizte Reaktion Völlers - eigentlich auch kein Wunder bei Adlers Vorwurf, dass Bayer ein Schönwetter-Team ist, dem in Krisensituationen die Kampfkraft fehlt.

Er fällt zurück auf denjenigen, der es zusammengestellt ist.

Labbadia sieht andere Probleme

Trainer Bruno Labbadia reagierte im "kicker" mit mehr Verständnis für Adlers Ausbruch: "Nach so einem Spiel muss man auch die Enttäuschung des Spielers sehen."

Der Coach wehrt sich jedoch gegen die vom Torhüter angezettelte "Phlegma-Debatte": "Wir hatten in Hannover rund 60 Prozent Ballbesitz, das kann kein Phlegma sein."

Das Problem sieht Labbadia eher in der taktischen Disziplin als im fehlenden Kampfeswillen. "Der Aufwand war da, es war nur kein intelligenter Aufwand", meinte er.

Dennoch: Die Probleme, die Bayer hat, sind nicht wegzudiskutieren. Und ausgerechnet jetzt kommen die Bayern, gegen die die Leverkusener im Pokal noch nie gewinnen konnten.

Ernster Heimkomplex

Und hat das Team auch noch einen Heimkomplex. Die "Werkself" hat in der Liga dort schon fünf Niederlagen kassiert - nur Energie Cottbus und Borussia Gladbach verloren im eigenen Stadion öfter.

Labbadia hat die Meisterschaft daher schon abgehakt: "Um ganz vorne mitzuspielen, sind fünf Heimniederlagen eindeutig zu viel. Wir müssen noch zu oft Lehrgeld zahlen, der Mannschaft fehlt die Erfahrung."

Der letzte Erfolg vor eigenen Rängen datiert vom 15. November (2:1 gegen Schalke). Und im Übergangs-Domizil, der LTU-Arena in Düsseldorf, geht in der Liga nichts: zwei Spiele, zwei Pleiten. "Das Stadion ist ein großes Opfer", zitiert der "Express" Adler.

Trotzdem hofft zumindest Bayer-Boss Wolfgang Holzhäuser auf die Wende schon am Mittwoch. "Wir haben eine strukturell gut zusammengestellte Mannschaft und einen Trainer, der einen guten Job macht", erklärte er.

"Deshalb wollen und können wir auch gegen Bayern gewinnen."

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