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Barcelonas Thiago will zu den Bayern - doch worauf beläuft sich am Ende die Ablösesumme? © getty

Der Poker nimmt Fahrt auf: Guardiolas Wunschspieler will wohl auf keinen Fall bei Barcas Trainingsauftakt am Montag mitwirken.

Von Christian Paschwitz

München - Mittlerweile wäre es fast schon eine Überraschung, wenn Thiago Alcantara am Montag beim Trainingsauftakt des FC Barcelona auftauchen würde.

Der Wechsel des spanischen Jungstars zum FC Bayern München rückt nämlich immer näher.

Wie die spanische Sportzeitung "El Mundo Deportivo" berichtet, sollen die Verhandlungen zwischen dem Triple-Sieger und Barca schnell voranschreiten und angeblich kurz vor dem Abschluss stehen.

Als einzige Hürde gilt nur noch die Höhe der Ablösesumme für den frischgebackenen U-21-Europameister.

Ringen um die Ablöse

Der war von Pep Guardiola zum absoluten Wunschspieler ausgerufen worden. "Ich will diesen Spieler. Entweder Thiago - oder keinen", hatte der neue Bayern-Trainer im Trainingslager am Gardasee auf SPORT1-Nachfrage erklärt.

Thiago, formal noch bis 2015 an Barca gebunden, besitzt dem Vernehmen nach eine Ausstiegsklausel in Höhe von 18 Millionen Euro. Die wollen die Bayern offenbar jedoch umgehen, weil Thiago die Summe selbst beim Ligaverband hinterlegen müsste.

Überwiesen die Bayern dem Edeltechniker anschließend den Betrag zurück, entstünde ein erhebliches Steueraufkommen. Die Rede ist von 56 Prozent.

Kompromiss bei 23 Millionen Euro?

Kurzum: Im Poker um den Sohn des Brasilianers Mazinho, der mit der Selecao 1994 den WM-Titel gewann, geht es nur noch ums Geld und einen für alle Seiten akzeptablen Kompromiss.

Laut "El Mundo Deportivo" soll Karl-Heinz Rummenigge Barcelonas Präsidenten Sandro Rosell von einem Aufschlag überzeugt haben - die Höhe wird nun offenbar verhandelt. Dem Bericht zufolge hofft Barca auf 23 Millionen Euro für Thiago.

Ablöse eigentlich bei 90 Millionen Euro

Womit die Bayern mit Blick auf die eigentliche Preis-Konstellation immer noch gut bedient wären.

Hintergrund: Thiagos Ablöse ist auf sagenhafte 90 Millionen Euro festgeschrieben - allein eine Klausel macht das Offensivtalent günstiger.

Thiago könnte jetzt für nur 18 Millionen Euro gehen, weil er in der vergangenen Saison weniger als mindestens 60 Prozent der Spiele mit mindestens 30 Minuten Einsatzzeit bestritt.

"Schnäppchen"-Klausel nur bis Ende Juli

Nach Angaben des katalanischen TV-Senders "RAC1" erlischt die "Schnäppchen"-Klausel allerdings am 31. Juli.

Danach kostet Thiago, den Guardiola ("Er kann drei, vier, fünf Positionen spielen") vor sechs Jahren aus der Jugend in Barcas B-Team und später auch zu den Profis beförderte, wieder 90 Millionen Euro.

Berichte, wonach Thiago schon einen Vertrag mit den bayern geschlossen habe, dementierte Sportvorstand Matthias Sammer. "Warum sollten wir uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern, falls etwas unterschrieben wäre? Dementsprechend ist das natürlich nicht der Fall", erklärt er in der "Bild am Sonntag".

Dass Guardiola so unverblümt den 1,72 Meter großen Edeltechniker fordert, ist für Sammer keineswegs ungebührlich. "Ich war weder überrascht noch sonst irgendwas", sagt er: "Wir spechen ja täglich miteinander. Und unser Trainer ist für klare Worte bekannt."

Pep: Eiszeit mit Barca

Das bekam auch Ex-Arbeitgeber Barca zu spüren - was die finalen Verhandlungen atmosphärisch womöglich belastet.

Guardiola hatte behauptet, der Klub habe die Krebs-Erkrankung seines Nachfolgers Vilanova benutzt, um ihm zu schaden. Er fühlte sich nach seinem Abschied aus Barcelona für eine schöpferische Pause in New York verfolgt von Barcas Verantwortlichen.

"Ich war 6000 Kilometer weg und hatte die Vereinsspitze gebeten, mich in Ruhe zu lassen. Doch sie haben das nicht befolgt, sie haben ihr Wort gebrochen", klagte der 42-Jährige in Richtung des Barca-Präsidiums um Boss Rosell.

Guardiola-Bruder berät Thiago

Dass ausgerechnet sein Bruder, Pere Guardiola, als Thiagos Berater fungiert, macht die Transferverhandlung auch nicht gerade einfacher. Unlösbar aber genauso wenig.

Schließlich haben die Bayern im Vorjahr auch das ewig anmutende Tauziehen um Javi Martinez mit Athletic Bilbao für sich entschieden, der mit 40 Millionen Euro bis heute Rekord-Transfer ist.

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