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1. Mai: Hoeneß räumt in einem Interview mit der "Zeit" seine Zockerleidenschaft ein, dementiert Verbindungen seiner finanziellen Transaktionen mit Klub-Konten und erklärt einen Rückzug aus seinen Ämtern bei den Bayern erstmals für frühestens nach dem Champions-League-Finale für möglich
Uli Hoeneß ist seit 2009 Präsident des FC Bayern München © getty

Die Staatsanwaltschaft will angeblich eine milde Strafe für den FCB-Präsidenten fordern. Unterstützung bekommt der vom Adidas-Boss.

München - Präsident Uli Hoeneß vom FC Bayern München darf in der Affäre um millionenschwere Steuerhinterziehung auf die Milde der Staatsanwaltschaft hoffen - und auch sein Amt im Aufsichtsrat des Triple-Gewinners scheint nicht akut in Gefahr.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" will die Staatsanwaltschaft München II zwei Jahre Haft auf Bewährung beantragen, zudem soll Hoeneß eine Geldstrafe von 720 Tagessätzen zahlen.

Adidas-Vorstandsboss Herbert Hainer, selbst im Aufsichtsrat der FC Bayern München AG "Vize" unter dem Vorsitzenden Hoeneß, spricht sich dafür aus, dass der 61-Jährige auch im Falle einer Anklage seine Ämter behält.

Wichtige Grenze unterschritten?

Dem "Spiegel" zufolge könnte ein mögliches Urteil deshalb so milde ausfallen, weil ein Großteil von Hoeneß' rund 3,2 Millionen Euro Steuerschulden angeblich bereits verjährt ist.

So sollen Steuern in Höhe von 2,3 Millionen Euro vor mehr als fünf Jahren hinterzogen worden sein. Der strafrechtlich relevante Anteil betrüge in diesem Fall dann nur noch 900.000 Euro und läge somit unter der Grenze von einer Million.

Der Bundesgerichtshof hatte entschieden, dass bei Steuerhinterziehung über diesen Betrag hinaus keine Bewährungsstrafe mehr möglich sein soll. Also bliebe Hoeneß der Gang ins Gefängnis erspart - sein Ruf als moralische Instanz wäre dennoch ruiniert.

Erste Selbstanzeige nicht vollständig

Hoeneß hatte Anfang dieses Jahres beim Finanzamt Selbstanzeige wegen eines nicht ordnungsgemäß deklarierten Kontos in der Schweiz erstattet. Die soll nicht vollständig gewesen sein, weshalb er eine zweite Selbstanzeige einreichte, doch zu diesem Zeitpunkt ermittelte die Staatsanwaltschaft bereits.

Straffreiheit für Steuerhinterzieher kann nur gewährt werden, wenn ein reuiger Steuersünder zum Zeitpunkt der Selbstanzeige noch nicht von Ermittlungen wusste oder diese noch nicht befürchten musste.

Im März hatte die Staatsanwaltschaft das Privathaus sowie Büroräume von Hoeneß untersucht und Haftbefehl erlassen. Dieser wurde gegen Zahlung einer Kaution in Millionenhöhe aber außer Kraft gesetzt.

Rückendeckung vom Adidas-Boss

Die Unterstützung aus dem Aufsichtsrat der FC Bayern AG jedenfalls ist Hoeneß gewiss - selbst, wenn es zu einer Anklage kommen sollte.

"Ich bin der Meinung, dass es keinen Besseren für diese Position gibt", sagte Herbert Hainer dem Nachrichtenmagazin "Focus". Hoeneß sollte "eine zweite Chance" bekommen: "Dass er eine Riesendummheit begangen hat, weiß er selbst."

Die Stimme des Adidas-Chefs hat beim FC Bayern großes Gewicht, denn der Sportartikel-Hersteller ist mit zehn Prozent an der 2002 gegründeten AG beteiligt. Für die Anteile hatte Adidas 77 Millionen Euro bezahlt.

Hainer erklärte auch, nun solle zunächst einmal abgewartet werden, wie das Ermittlungsverfahren gegen Hoeneß ausgehe. "Uli Hoeneß hat durch seine Selbstanzeige sein Vergehen eingestanden und seine Steuern zurückbezahlt", sagte Hainer. Möglicherweise werde der Präsident "strafbefreit".