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Bayern-Stürmer Miroslav Klose (r.) im Duell mit Bremens Spielmacher Diego © getty

Nach dem Remis in Bremen flüchtet sich Bayern-Trainer Klinsmann in Besänftigungsrethorik. Präsident Beckenbauer ist verärgert.

Von Manuel Krons und Martin van de Flierdt

München/Bremen - Ein Spiel, das unentschieden endet, bringt normalerweise weder Sieger noch Gewinner hervor.

Doch am Sonntagabend in Bremen war das völlig anders.

Während die Gastgeber ihren "Punktsieg" feierten, wie Werders Torwart und Matchwinner Christian Vander das 0:0 gegen den FC Bayern zusammenfasste, war man auf der "Verliererseite" um Besänftigungs-Rhetorik bemüht:

"Natürlich hätten wir gerne einen Dreier mitgenommen. Aber hier letztlich mit einem 0:0 wegzugehen, das ist kein schlechtes Ergebnis", erklärte der FCB-Trainer und ergänzte: "Auch wenn es nur ein kleiner Schritt ist."

Nicht alle beim derzeitigen Tabellenfünften wollten sich der Meinung des Trainers anschließen.

"Es ist höchste Zeit"

Franz Beckenbauer hatte nach dem torlosen Auftritt gegen über 75 Minuten in Unterzahl spielende Bremer genug gesehen, um zu einem völlig anderen Urteil zu gelangen.

"Was mir aufstößt, ist, dass man bei uns immer noch nicht der Meinung ist: Jetzt wird es höchste Zeit. Erfolg kann man ja auch erzwingen. Heute hat man ihn nicht erzwungen", ertönte umgehend der Weckruf des Bayern-Präsidenten.

Normalerweise könne man mit einem 0:0 in Bremen zufrieden sein, aber heute hätte man den Gegner zur Niederlage zwingen müssen. "Ich hoffe, dass sich das ändert - und zwar bald", so Beckenbauer.

Für das kommende Ligaspiel gegen Hannover sprach der Präsident gar eine Art Ultimatum aus: "Gegen Hannover müssen drei Punkte her!" forderte er.

Hoeneß in Rage

Die Bosse hatten vor der Partie bereits von einem von 13 "Endspielen" gesprochen.

Aber auch in der Taktikdiskussion sieht Uli Hoeneß einen Grund für die schwache Leistung. "Das ist ein Unding, was da in den letzen drei Tagen passiert ist. Es hat sich doch gezeigt, dass das eine Sauerei war", tobte der Manager nach der Partie.

"Das ist das Problem! Wir gewinnen 5:0 in Lissabon - und haben 80 Prozent negative Presse. Das ist doch der Witz des Jahres!"

Bei Bayern herrscht schlechte Stimmung.

Borowski vermisst "Geilheit"

Auch Mittelfeldspieler Tim Borowski vermisste gegen seinen Ex-Klub die "nötige Geilheit" im Torabschluss bei sich und seinen Kollegen.

Erschwerend kam hinzu, dass Werders nomineller Ersatz-Keeper Vander mit seinen Paraden zum Mann des Spiels avancierte und dem Münchener Angriff zusätzlich das Leben schwer machte.

Da dieses Mal auch nicht der Zauber-Franzose Franck Ribery für die Kollegen entscheidend in die Bresche sprang, dürfte Beckenbauer nach dem 22. Spieltag nicht der einzige FCB-Offizielle sein, dessen Sorgenfalten etwas tiefer geworden sind.

Bayern weiter durchgereicht

In dieser Saison war der FC Bayern noch kein einziges Mal Tabellenführer. Derzeit beträgt der Rückstand vier Punkte auf Spitzenreiter Hertha BSC Berlin (DATENCENTER: Der 22. Spieltag).

Und da Wolfsburg mit dem Sieg gegen den HSV in der Tabelle am Rekordmeister vorbeiziehen konnte, ist der ständige Meisterschaftsfavorit nur noch Fünfter in der Rangfolge der Titelanwärter.

"Es ist generell nicht einfach. Es wird ein Titelrennen bis zum letzten Spieltag", prophezeit Klinsmann. "Wir hoffen, dass wir am 34. Spieltag wieder oben stehen."

"Eine gefährliche Situation"

Beckenbauer findet, dass nun endlich Taten folgen müssen: "Der Punkteabstand bleibt, aber die Spiele werden immer weniger", stellt er fest. "Das ist eine gefährliche Situation, man muss jetzt mal selber die Punkte sammeln, nicht immer herschenken."

Für Jürgen Klinsmann (Klinsmann wehrt sich) gibt es immerhin einen kleinen historischen Hoffnungsschimmer: Vor exakt drei Jahren, am 1. März 2006, verlor er als amtierender Nationaltrainer mit der DFB-Auswahl 1:4 gegen Italien. Wie die Geschichte im Sommer mit ihm als Bundestrainer weiter ging ist hinlänglich bekannt.

Um den Traum vom bayrischen Meistermärchen zu verwirklichen, bleiben seiner Mannschaft jetzt noch zwölf "Endspiele".

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