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Andreas Görlitz verzweifelt nach dem 0:2 gegen Stuttgart © getty

Der KSC schlingert immer weiter in die Krise und verzweifelt. Stuttgart macht dagegen einen wichtigen Schritt nach vorne.

Von Kristof Reitemeyer

München - Es war ein Derby mit umgekehrten Vorzeichen.

Der KSC steckt in der Krise, die seit dem Jahreswechsel anzudauern scheint.

Im Gegensatz dazu befindet sich der VfB, nimmt man das bittere und Manager Horst Heldt zufolge "unnötige Aus" im UEFA-Cup beiseite, im steilen Aufwind.

So ist Stuttgart nach einer durchwachsenen Hinrunde wieder oben dran.

Und auch im achten Ligaspiel unter Markus Babbel bleiben die Schwaben ungeschlagen ? das ist Vereinsrekord.

Karlsruhe hat dagegen weiterhin nur einen Punkt Vorsprung auf das Tabellenende.

Krawalle vor dem Spiel

Turbulenzen gab es schon vor dem Spiel.

Aufgrund massiver Randale wurde das Baden-Württemberg-Derby eine Viertelstunde später angepfiffen.

Ein Mob von "Fans" hatte den Mannschaftsbus der Stuttgarter angegriffen, mit Gegenständen beworfen und zum Umdrehen gezwungen.

Mehrere Hundert mussten von berittenen Polizisten zurückgedrängt werden. Viele wurden in Gewahrsam genommen.

"Irgendwann verzweifelt man"

Davon ungeachtet überraschte der KSC mit schnellem Spiel ? vor allem den VfB. Doch der Brasilianer Elson brachte den VfB in der 50. Minute in Führung. U21-Nationalspieler Sami Khedira entschied das Spiel dann in der 88. Minute und sorgte dafür, dass der KSC in der Tabelle nach seinem 800. Spiel in der Bundesliga Vorletzter bleibt.

Beim KSC machte sich Ratlosigkeit breit.

"Uns hat der letzte Schuss Überzeugung gefehlt. Irgendwann verzweifelt man natürlich. Da bleibt einem fast nur noch Galgenhumor."

Trainer Edmund Becker sieht das ähnlich: "In den ersten 30 Minuten waren wir die bestimmende Mannschaft. Mir ist unverständlich, wie wir dann so aus der Halbzeitpause kommen können", resümierte er sichtlich angefressen.

"Da fehlte die Aggressivität. Nach dem 0:1-Rückstand war unser Spiel zu verfahren. Wenn wir uns nicht schleunigst steigern, werden wir die erste Liga so nicht halten."

Der Coach genießt trotz aller Probleme weiterhin das volle Vertrauen der Vereinsführung. "Es gibt null Diskussionen um den Trainer", stellte Manager Rolf Dohmen in der Pressekonferenz klar.

Miller kämpferisch

Immer wieder zeigt sich Karlsruhe bemüht und couragiert, doch immer wieder fehlt vorne die zündende Idee, der gute Abschluss oder die letzte Entschlossenheit.

"Das ist eine derbe Niederlage. Es kann spielen, wer will, es trifft keiner", verzweifelt auch Dohmen.

Das Ziel Klassenerhalt ist zwar noch in Sicht, aber dass beim KSC etwas passieren muss, weiß auch Keeper Markus Miller.

Doch der bleibt kämpferisch: "Das ist eine schlimme Niederlage. Aber wenn wir jetzt aufgeben würden, wären wir fehl am Platz. Dann könnte ich schon Urlaub nehmen, und das möchte ich nicht."

Coole Stuttgarter

Karlsruhes Vorteil: Die direkten Konkurrenten Bielefeld, Gladbach, Cottbus und Hannover empfängt man allesamt zu Hause. Gegen Stuttgart hat die eigene Kulisse allerdings nicht geholfen.

So feiert der VfB einen Dreier, den man allein durch Abgeklärtheit und Cleverness mit nach Hause nehmen kann. Dinge, durch die Stuttgart noch wenige Tage zuvor von Zenit St. Petersburg vorgeführt wurde.

"Ich bin mit dem Ergebnis hochzufrieden. Ich denke, der Sieg ist auch verdient. Wir haben uns zunächst schwer getan und die Frische vermissen lassen", erklärte Markus Babbel nach dem Schlusspfiff.

Vorzeichen bestätigt

"In der zweiten Halbzeit haben wir aber dann unsere Stärke ausgespielt und waren auch technisch stärker", so Stuttgarts Teamchef weiter.

Nach zwei Unentschieden in Folge gelang dem Meister von 2007 der erste Sieg. Auch die oft kritisierte Abwehr lieferte gegen den KSC eine überzeugende Leistung ab.

So ausgeglichen und umkämpft das Spiel auf dem Platz auch schien, am Ende bestätigten sich doch die Vorzeichen mehr als deutlich.

Der KSC trudelt weiter nach unten und sucht verzweifelt den Weg aus der Krise. Der VfB dagegen gewinnt nun auch die glanzlosen Spiele und hat die Spitzengruppe wieder in Reichweite.

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