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Wolfsburgs Andrea Barazagli (r.) behielt gegen den Hamburger Ivica Olic meist die Oberhand © getty

Durch die 1:3-Pleite gegen Wolfsburg vergibt der HSV eine Riesenchance. Der Gegner schießt sich in den Kreis der Titelanwärter.

Von Andreas Kloo und Björn Huth

München/Hamburg - Joris Mathjisen nahm die Heimpleite nicht weiter tragisch: "Morgen werde ich noch daran denken, aber am Dienstag ist die Niederlage vergessen."

Wenn sich der Niederländer da mal nicht täuscht. Möglicherweise trauern die Hamburger der Niederlage gegen Wolfsburg noch länger hinterher. Denn der HSV verspielte beim 1:3 (0:2) eine große Chance.

Mit einem Erfolg hätten die Hamburger wieder die Tabellenspitze erobert. Vor allem aber hätten sie sich im Titelkampf echte Big-Points sichern können.

Sechs Punkte hätte der Vorsprung auf die Bayern bei einem Sieg betragen. Mit den lösbaren Aufgaben Mönchengladbach und Cottbus vor der Brust ein beruhigendes Polster auf den Meisterschafts-Topfavoriten.

Zweifel am Elfmeter

So aber musste Trainer Martin Jol nach dem Spiel eingestehen: "Die zwei Tore vor der Pause haben uns das Genick gebrochen."

Mathijsen sah vor allem das erste Tor als "Schlüsselszene". Dennis Aogo (Spielerporträt) verschuldete durch einen Zupfer an Edin Dzekos Trikot einen Foulelfmeter, den Wolfsburgs Grafite verwandelte (12.).

Mathijsen war sich hinterher sicher: "Das war kein Elfmeter. Es war ja gar keine richtige Torchance und der Stürmer zieht auch."

Fehlende Intelligenz

Sein Trainer wollte aber nicht über den Strafstoß diskutieren, sondern über die Defizite bei seiner Mannschaft: "Manchmal hat etwas die Intelligenz gefehlt. Da fehlt noch die Erfahrung", stellte Jol fest.

Beim 2:1-Sieg gegen Leverkusen hatte das noch ganz anders ausgesehen. Mit einer abgeklärten Spielweise hatte der HSV beim Spiel in Düsseldorf alle Experten überzeugt, die den Hamburgern danach die Meisterschaft zutrauten. (Mit Cleverness zum großen Wurf)

Beeindruckende Effektvität

Gegen Wolfsburg waren aber eindeutig die Gäste cleverer. Mit einer taktisch disziplinierten Leistung zerstörte der VfL das HSV-Spiel und lauerte auf seine Chancen. Die nutzten sie in beeindruckender Effektivität.

"Wir hatten vier Torschüsse und drei Tore", freute sich Linksverteidiger Marcel Schäfer.

Durch das 3:1 sind die "Wölfe" nun sogar an den Bayern vorbeigezogen. Auf Platz vier liegend haben die Niedersachsen nur noch vier Punkte Rückstand auf Tabellenführer Berlin.

Tiefstapler Magath

Dennoch verschwendet Trainer Felix Magath keinen Gedanken an die Meisterschaft.

"Wir befinden uns noch immer im Aufbau. Vor zwei Jahren haben wir noch gegen den Abstieg gespielt. Uns fehlt die Klasse und Qualität um uns um die Meisterschaft zu schlagen", stapelte der 55-Jährige bei "Premiere" tief.

Top-Duo Grafite und Dzeko

Doch von fehlender Qualität kann bei den Wolfsburgern keine Rede mehr sein. Ihr großes Defizit, die Auswärtsschwäche, hat das Team mit den Siegen in Frankfurt und Hamburg zu den Akten gelegt.

Und im Angriff hat Magath ein perfekt harmonierendes Duo zur Verfügung: Grafite und Edin Dzeko. Grafite meldete sich im ersten Spiel nach seiner Knie-Arthroskopie mit zwei Treffern eindrucksvoll zurück.

14 Treffer hat der Brasilianer mittlerweile auf seinem Konto, bei Dzeko sind es nach seinem entscheidenden 3:1 (75.) elf Saisontore. "Die beiden ergänzen sich gut. Es sind beides Spieler, die unbedingt Tore machen wollen. Der eine ist technisch gut und spielerisch stark , der andere ist eher geradlinig", lobt Magath seine beiden Angreifer.

Träumen verboten

Das Duo wird Magath wohl auch in den nächsten Wochen noch viel Freude bereiten ? und dafür sorgen, dass der VfL im Titelrennen ein Wörtchen mitreden wird.

Doch daran möchten auch die Spieler nicht denken: "Wir dürfen jetzt nicht anfangen zu träumen, sondern müssen uns auf die nächsten Aufgaben konzentrieren. Und die nächste Aufgabe heißt Werder Bremen", betont Torhüter Andre Lenz.

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