Uli Hoeneß' Tirade nach dem Bremen-Spiel spricht Bände: Der FC Bayern ist in der Krise nicht so gelassen, wie er es sein will.

Um Großes leisten zu können, muss man sich auf dem mitunter holprigen Weg zum hohen Ziel an den positiven Dingen festhalten.

Also sagte Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann im Anschluss an das Münchner 0:0 in Bremen trotz 75-minütiger Überzahl Folgendes:

"Natürlich hätten wir gerne gewonnen. Aber ein 0:0 ist kein schlechtes Ergebnis. Wir sind dran und lassen nicht locker. Das Rennen um den Titel wird offen bleiben bis zum letzten Spieltag. Das ist toll für die Bundesliga."

Während der erste dieser fünf Sätze als unwidersprochene Grundannahme durchgeht, gibt es zu Nummer zwei und drei durchaus abweichende Meinungen in der Münchner Klubführung.

"Was mir sauer aufstößt, ist, dass man bei uns noch immer nicht der Meinung ist, jetzt wird es höchste Zeit", machte Präsident Franz Beckenbauer keinen Hehl aus seiner Wertung, dass jenes 0:0 zum einen eben doch ein schlechtes Resultat war - und zum anderen keineswegs den Eindruck vermittelte, die Bayern würden die Ligakonkurrenz mit aller Macht unterwerfen wollen.

Daher muss Beckenbauer Klinsmanns oben angeführte Sätze Nummer vier und fünf wie eine Drohung empfunden haben.

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Manager Uli Hoeneß schloss sich öffentlich zwar des Trainers Einschätzung an. Dass er die aktuelle Situation allerdings keineswegs so gelassen nimmt, wie er nach außen vorgibt, zeigt sich an seiner heftigen Reaktion auf eine Veröffentlichung der Münchner "Abendzeitung" aus der Vorwoche.

Sie hatte behauptet, die Bayern-Spieler hätten die beim 5:0 in Lissabon erfolgreiche defensivere Taktik auf einer Mannschaftssitzung ohne Klinsmann beschlossen, und berief sich auf einen namentlich nicht genannten Nationalspieler als Informanten.

Schon das vom Verein per Pressemitteilung verbreitete offizielle Dementi im Namen der Mannschaft verlieh dieser Geschichte bundesweit eine Bedeutung, die sie ohne die Richtigstellung nie erhalten hätte.

Hoeneß' Bremer Tirade hat das Thema nur noch weiter in den Fokus gerückt. Denn nur getroffene Hunde bellen. In anderen Zeiten hätten die Bayern die Publikation schlicht ignoriert oder an sich abprallen lassen.

Doch von dieser Souveränität sind sie derzeit weit entfernt.

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