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Uli Hoeneß ist seit 1979 Manager des FC Bayern München © imago

Nach dem Remis in Bremen qualifiziert FCB-Manager Uli Hoeneß den neuen Spitzenreiter Hertha BSC ab und ledert gegen die Medien.

Aus Bremen berichtet Martin van de Flierdt

Bremen - Uli Hoeneß trug es mit Fassung. Zunächst.

"Wir haben eine gute Chance versäumt, ganz nah an Hamburg und Berlin ranzukommen. Aber es ist ein schwieriges Spiel, wenn du die Tore in der ersten Halbzeit nicht machst", sagte der Manager des FC Bayern München nach dem 0:0 bei Werder Bremen, bei dem der Deutsche Meister 75 Minuten Überzahl ungenutzt gelassen hat.

"Du hast im Hinterkopf: Die sind nur zu zehnt und du hast eine schwere Begegnung in Lissabon hinter dir, eine lange Reise. Da schwinden irgendwann die Kräfte. Irgendwann fängt man an zu denken: Bloß selbst kein Tor kriegen. So verrückt das klingt, das ist so."

Insofern sei er mit dem Ergebnis nicht glücklich, aber auch nicht unzufrieden.

In Anbetracht der Tatsache, dass der bisherige Tabellenführer Hamburg daheim gegen Wolfsburg verloren hat, sei der Punkt in Bremen ein gewonnener.

Worst-Case-Szenario abgewendet

"Das Worst-Case-Szenario vor dem Spiel waren ja sieben Punkte Abstand zum HSV, jetzt sind es drei. Das ist so schlecht nicht", meinte Hoeneß.

Der Umstand, dass sich die Wolfsburger durch den Erfolg in der Tabelle vor die Bayern geschoben haben, scheint ihm völlig egal:

"Mich interessiert doch nicht der fünfte oder achte Platz. Wir stehen heute besser da als gestern. Nur das ist wichtig."

Dass der Rückstand auf den neuen Spitzenreiter Hertha BSC nun vier Punkte beträgt - sekundär (DATENCENTER: Der 22. Spieltag).

Nur Hamburg ernst zu nehmen

"Hertha muss jetzt irgendwann auch mal gegen die Starken spielen. Die haben ja bisher immer nur gegen Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel gespielt", behauptete Hoeneß und übersah dabei großzügig, dass die Münchner selbst erst vor gut zwei Wochen in Berlin 1:2 unterlegen waren.

"Im Moment ist Hamburg für mich der einzig ernst zu nehmende Meisterschaftskonkurrent", meint er.

Dass die Münchner in Bremen bis zur Pause mit Miroslav Klose als einziger Spitze agierten, wollte Hoeneß übrigens nicht kommentieren.

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"Ich möchte mit Ihnen nicht über Taktik reden", sagte er, inzwischen schon leicht erhitzt, zu den Journalisten. "Ihr alle versteht nichts davon, ich verstehe nichts davon. Dafür sind die Trainer da."

"Werden uns zu wehren wissen"

Auf die Nachfrage zu der vermeintlichen Mannschaftsinitiative, die Trainer Jürgen Klinsmann zur Abkehr von der bislang praktizierten sehr offensiven Ausrichtung bewegt haben soll, war es um die Contenance des Münchner Machers aber geschehen (Beckenbauer warnt, Hoeneß wütet).

Das sei der Vorwurf lediglich eines bestimmten Münchner Journalisten gewesen, den er "nicht ernst nehme". Deshalb habe er sich zu der Angelegenheit, zu der die Bayern-Pressestelle am Freitag eine offizielle Richtigstellung der Mannschaft verbreitete, bislang nicht geäußert.

"Wenn ich mich auf jede Indiskretion melde, die nicht belegbar ist, habe ich viel zu tun die ganze Woche", sagte Hoeneß nun in scharfem Tonfall. "Wir werden uns zu wehren wissen."

Rundumschlag gegen die Presse

Die Mannschaft habe vor wenigen Tagen 5:0 in Lissabon gewonnen, erinnerte der 57-Jährige, "aber wir haben 80 Prozent negative Presse. Das ist doch der Witz des Jahres".

Dieses negative Echo sei "von bestimmter Seite geschürt" worden.

"Es hat sich herausgestellt, dass diese Berichterstattung eine Sauerei war", behauptete Hoeneß.

"Und es hat sich herausgestellt, dass das eine Ente war. Wir mussten uns permanent rechtfertigen für Enten, die einige Ihrer Kollegen in die Welt setzen. Das ist das Problem."

Das Gesicht des Managers war inzwischen puterrot.

Für die Annahme, dass Bayerns aktuelle Durststrecke nicht durch Pressemeldungen verursacht wurden, wird er in naher Zukunft wohl kein Verständnis entwickeln.

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