vergrößernverkleinern
Der FC Bayern gewann unter Jürgen Klinsmann elf von 22 Ligaspielen © imago

Nach dem torlosen Unentschieden in Bremen bleibt der Bayern-Coach unter Druck. Auch ein Spieler widerspricht ihm.

Von Martin van de Flierdt

München/Bremen - Es hätte so schön sein können: Erst das vereinshistorische 5:0 bei Sporting Lissabon, das den FC Bayern schon so gut wie ins Viertelfinale der Champions League hievte.

Dann ein Sieg in Bremen, der die Münchner nach dem Ausrutscher des Hamburger SV bis auf zwei Punkte an den ersehnten ersten Tabellenplatz heranbringt.

Und als I-Tüpfelchen ein souveräner Einzug ins DFB-Pokal-Halbfinale gegen die frühjahrsnervösen Leverkusener ? an der Säbener Straße in München hätten anschließend alle mit ihrem Trainer um die Wette gelächelt.

Gequältes Lächeln

Unseligerweise misslang schon der zweite der drei Akte. So wirkt das Lächeln von Jürgen Klinsmann derzeit auch etwas gequält, wenn er seiner Mannschaft wie in Bremen bescheinigt, sich "wahnsinnig reingekniet zu haben".

Das Erfüllen dieser Grundanforderung an einen Fußballprofi ist aber nicht nur den Fans des Rekordmeisters auf Dauer zu wenig.

Zumal Klinsmanns Aussageüber den Einsatz des Teams gegen die lange dezimierten Bremer von höchster Instanz sogar öffentlich in Frage gestellt wurde.

"Normalerweise ist ein 0:0 in Bremen okay, wunderbar", meinte Aufsichtsratsboss Franz Beckenbauer via "Premiere" (Beckenbauer warnt - Hoeneß poltert) .

"Aber wenn man 75 Minuten in Überzahl spielt und den Gegner nicht zwingt zu verlieren, gefällt mir das nicht. Man kann Erfolg auch erzwingen."

Altintop beklagt fehlende Leidenschaft

Dass sich die Münchner damit im Moment in der Tat schwer tun, räumte sogar Hamit Altintop ein. Es fehle an Leidenschaft, monierte der Türke und widersprach damit Klinsmanns Einschätzung.

"Dazu kann der eine oder andere im Moment nicht abrufen, was er kann", ergänzte der Türke.

Woran das liegt, kann wohl nur der Trainer beantworten. Dessen Mantra, jeden Spieler besser machen zu wollen, wird ihm schon seit längerem von allen Seiten vorgehalten.

Dass Altintop zudem anführte, man müsse sich bei der Arbeit auf dem Platz gegenseitig mehr unter die Arme greifen, weil es "nur miteinander geht", legt den Schluss nahe, dass auch in punkto mannschaftliche Geschlossenheit nicht alles optimal läuft.

Kleinere Brötchen bei Bayern?

Aktuell, bemerkte Altintop daher, müsse der FC Bayern wohl "kleinere Brötchen backen".

Genau das will Beckenbauer nicht akzeptieren. "Wenn man Meister werden will, muss man langsam eine Serie starten. Man muss jetzt mal selbst Punkte sammeln und nicht immer herschenken", forderte der Vereinspräsident.

Denn dem von Klinsmann und Manager Uli Hoeneß angeführten Argument, dass sich angesichts der Patzer der Konkurrenz die Tabellensituation nicht zum Negativen entwickelt hat, kann er genauso wenig abgewinnen wie Mark van Bommel.

Van Bommel kann den Titel nicht versprechen

"Wir gewinnen nicht, aber die anderen gewinnen auch nicht", meinte der Niederländer fast ratlos. Er könne daher auch nicht versprechen, dass Bayern noch Meister werde.

"Aber ich kann versprechen, dass wir nicht Fünfter oder Sechster werden."

Das jedoch dürfte Beckenbauer und wohl auch nahezu alle Bayern-Anhänger kaum zufrieden stellen.

"Die Spiele werden immer weniger, aber der Punkteabstand bleibt", stellte der Aufsichtsratsboss fest. "Ich hoffe, dass sich das Auftreten der Mannschaft ändert, und zwar bald."

Erfolgsdruck bleibt

So bleibt der Druck auf Klinsmann weiter hoch. Nur Erfolge verschaffen ihm wieder Kredit bei Medien, Fans und vermutlich auch der Vereinsführung.

Einige Beobachter fühlen sich derzeit an die Situation des damaligen Bundestrainers vor der WM 2006 erinnert.

Damals stand Klinsmann nach dem 1:4-Debakel in Italien massiv in der Kritik und schloss daraufhin einen Burgfrieden mit der "Bild"-Zeitung, die er als Spieler immer mit Nichtbeachtung gestraft hatte.

Nun reagierte er auf die massiven Attacken des Boulevardblattes ("Note 6, setzen!") mit einem Exklusiv-Interview am Sonntag. Sehr viel freundlicher waren die Reaktionen des Blattes dennoch nicht.

"Klinsi verliert 0:0 gegen Bremen"

"Neue Bayern-Schlappe", titelte die "Bild". "Klinsi verliert 0:0 gegen zehn Bremer."

Man kann sich ausmalen, wie die Schlagzeilen bei einer Pleite am Mittwoch bei Bayer Leverkusen ausfallen werden.

Ob Luca Toni (Achillessehnenbeschwerden) und Philipp Lahm (Grippe) bei diesem Unterfangen helfen können, ist zudem fraglich.

Aber leicht wird der Gang für Klinsmann wohl auch mit ihnen nicht.

Original Trikot des FCB mit Unterschriften gibt es hier

Zum Forum - hier mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel