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Anatolij Timoschtschuk gewann 2008 mit Zenit Sankt Petersburg den UEFA-Cup © getty

Bayerns künftiger Star steckt sich hohe Ziele für seinen Wechsel in die Bundesliga und erklärt im Interview, was er von Jürgen Klinsmann hält.

Von Christian Paschwitz

München/Stuttgart - Das Weiterkommen von Zenit St. Petersburg im UEFA-Cup-Rückspiel beim VfB Stuttgart musste Anatolij Timoschtschuk wegen einer im Hinspiel eingehandelten Gelb-Sperre von der Ersatzbank miterleben. (Stuttgarter Träumerle auf Erklärungssuche)

"Das war wirklich hart für mich", verriet der ukrainische Superstar des Titelverteidigers anschließend im Sport1.de-Interview:

"Ich wäre auf meinem Platz am liebsten dauernd hochgesprungen, so angespannt war ich. Ich bin eben ein Spieler: Mein Job ist auf dem Platz."

Diesen Job wird Timoschtschuk ab der kommenden Saison aller Voraussicht nach beim FC Bayern München ausüben, wo er einen Vertrag bis 2012 erhalten soll.

Letzte Details zu klären

Timoschtschuk ist sich mit den Bayern bereits einig, zwischen den Vereinen müssen noch letzte Details des Wechsels geklärt werden.

Im Gespräch ist eine Ablösesumme von elf Millionen Euro für den Mittelfeld-Abräumer und Schlüsselsüpieler des amtierenden UEFA-Cup-Titelträgers.

Der will sich mit einem erneuten Triumph im UEFA-Cup für die Aufgabe in München empfehlen. "Ich will mit dem Cup zu den Bayern kommen. Ich bin dazu sogar verpflichtet", sagt Timoschtschuk.

Auch sonst hat der 29-Jährige recht klare Vorstellungen: Über seinen neuen Arbeitgeber, Trainer Jürgen Klinsmann, den Winter hierzulande und die Weisheiten eines guten Kumpels im Hertha-Dress.

Sport1.de: Herr Timoschtschuk, wie hat es Ihnen denn gefallen in Deutschland? In Stuttgart werden Sie in der Bundesliga ja auch wieder Ihre Visitenkarte abgeben.

Anatolij Timoschtschuk: Ganz ehrlich? Ich wäre auf meinem Platz am liebsten dauernd hochgesprungen, vor allem kurz vor den Toren, so angespannt war ich. Ich bin eben ein Spieler, mein Job ist auf dem Platz. Ich hätte so gern mitgespielt, ich bin aber froh,dass wir auch so weiter im Rennen sind.

Sport1.de: Damit haben Sie die Frage nur zum Teil beantwortet?

Timoschtschuk: Ich konzentriere mich im Moment vor allem auf Zenit, weil der offizielle Vollzug über den Wechsel durch die Vereine noch immer aussteht.

Sport1.de: Die Bayern haben aber gesagt, es gehe alles klar. Und Sie haben sogar schon trainiert an der Säbener Straße - mit Zenit, vor dem Spiel in Stuttgart, auch um dem strengen Winter in St. Petersburg zu entfliehen.

Timoschtschuk: Schnee hatten wir aber auch in München. Aber das ist natürlich gar kein Vergleich dazu, wie der Winter als Fußballer bei uns aussieht. Über die paar Grad unter Null hier in Deutschland lachen wir doch.

Sport1.de: Im Sommer ist der Schnee dann ganz weg in München. Bringen Sie dafür was mit, nämlich den Titel eines UEFA-Cup-Siegers?

Timoschtschuk: Das wünsche ich mit wirklich sehr. Ich will mit dem Cup zu den Bayern kommen. Ich bin dazu sogar verpflichtet, weil ich und meine jetzige Mannschaft in einer Phase sind, wo es nicht mehr sehr weit ist bis zum Finale. Aber es wird trotzdem alles andere als ein Selbstgänger, schon demnächst gegen Udinese.

Sport1.de: Die Bayern und ihr Trainer würden sich jedenfalls freuen über Sie als Cup-Sieger. Was halten Sie eigentlich von Jürgen Klinsmann?

Timoschtschuk: Er ist natürlich ein großer Name im deutschen Fußball, so wie auch mein Vorbild Lothar Matthäus. Als Spieler war Klinsmann ein Topmann. Als Trainer schätze ich ihn auch als jemanden ein, der auf ganz hohem Niveau arbeitet. Das hat er ja auch bei der WM in Deutschland mit eurer Nationalmannschaft gezeigt. Das war beeindruckend zu sehen. Aber Genaues kann und will ich erst sagen über jemanden, wenn ich auch mit demjenigen zusammengearbeitet habe.

Sport1.de: Gibt es einen Spieler der Bayern, auf den Sie sich besonders freuen?

Timoschtschuk: Ich mag die Spielweise von Franck Ribery, er ist wirklich stark, technisch und offensiv sowieso, einfach ein Top-Spieler. Mit ihm zusammenzuspielen, wäre schon großartig. Schweinsteiger ist auch ein Spieler, der mich beeindruckt.

Sport1.de: Und wie sehen Sie die Bundesliga allgemein?

Timoschtschuk: Die Bundesliga ist ohne Zweifel eine der besten Ligen in der Welt, sie hat ein größeres Niveau als die Liga in der Ukraine, ist wohl auch ausgeglichener.

Sport1.de: Im Moment haben es die Bayern in der Bundesliga auch recht schwer auf dem Weg zur Meisterschaft. (Keine Ruhe für Klinsmann)

Timoschtschuk: Ich weiß, dass da im Moment einige Mannschaften ganz vorn mitmischen. Aber das sehe ich positiv und als Zeichen, wie eng die Leistungen und Stärken der Teams beieinander liegen. Und Bayern ist ja auch vorn dabei.

Sport1.de: Sie gelten als sehr schlechter Verlierer, heißt es?

Timoschtschuk: Wieso?

Sport1.de: Ihr Nationalteam-Kollege und Kumpel Andrej Voronin behauptet, Sie könnten nicht mal beim Kartenspielen den Kürzeren ziehen.

Timoschtschuk: Damit hat er leider Recht. Das liegt einfach daran, dass ich Dinge gern ganz oder gar nicht mache.

Sport1.de: Halbe Sachen liegen Ihnen nicht?

Timoschtschuk: Ich bin Profi und sehr ehrgeizig im Fußball, deshalb ist meine Einstellung manchmal auch woanders im Leben so. Ich gebe zu: Ich bin ein schlechter Verlierer.

Sport1.de: Ihr Name wird für viele Deutsche gar nicht so leicht auszusprechen sein. Aber Sie sollen schon die deutsche Sprache beherrschen?

Timoschtschuk: Ich hatte Deutsch in der Schule, verstehe also noch ein ganze Menge. Im Moment möchte ich mich aber lieber auf Russisch und Englisch unterhalten.

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