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Der Brasilianer Chris (l.) spielt seit 2003 für Eintracht Frankfurt © getty

Wieder einmal trennen die Eintracht nur drei Punkte von einem Nicht-Abstiegsplatz. Sport1.de nennt die Gründe für die Unbeständigkeit.

Von Christian Stüwe

München ? Seit dem Aufstieg in die Bundesliga 2005 hat bei Eintracht Frankfurt (zur Vereinsseite) nur eine Sache Konstanz - nämlich die Unbeständigkeit der gezeigten Leistungen.

Gleich in der ersten Bundesliga-Saison stürmte die Eintracht ins Pokalfinale, kämpfte in der Liga aber bis zum Schluss gegen den Abstieg.

In der zweiten Saison zeigten die Hessen tolle Auftritte im Europapokal, mussten jedoch erneut lange zittern.

Nachdem die letzte Saison sorgenfrei überstanden wurde, sollte zumindest alles besser, der einstellige Saisonplatz bestätigt werden.

"Wir müssen auf der Hut sein"

Doch momentan ist die Situation am Main ernst wie lange nicht mehr. "Wir müssen auf der Hut sein", warnt nicht nur Vorstandschef Heribert Bruchhagen vor dem Abstiegskampf, mit dem man in Frankfurt nichts zu tun haben wollte.

Doch der Abstand zu den Relegationsplätzen beträgt nur noch drei Punkte, nachdem wie schon in der Hinrunde der Start in die Halbserie verpatzt wurde.

"Wir nehmen den Abstiegskampf an", erklärte Trainer Friedhelm Funkel (Porträt), schon immer ein großer Mahner in Frankfurt, der die Mannschaft seit jeher schwächer sieht als der Großteil der Frankfurter Fußballszene.

Funkel nimmt den Abstiegskampf an

Selbst wenn der Worst Case - der erneute Abstieg - noch ein gutes Stück weg zu sein scheint, droht der Eintracht zumindest erstmals seit dem Wiederaufstieg ein Rückschritt im Vergleich zu Vorsaison.

Dabei war es doch das Ziel der Riederwälder, sich in einem Tabellenbereich oberhalb der Zahl zehn zu etablieren. Nun steht erneut Schadensbegrenzung auf dem Programm.

Die Gründe für den unerwünschten Abstiegskampf sind vielfältig.

Verletzungsanfällige Leistungsträger

"Wir sind viel zu stark, um abzusteigen. Unser Kader ist zu gut besetzt", sagte Abwehrchef Chris kürzlich der "Bild". Doch gerade der Brasilianer steht stellvertretend für eines der Hauptprobleme der Frankfurter:

Mit Ioannis Amanatidis, Alex Meier, Markus Pröll, Zlatan Bajramovic und eben Chris (Porträt) verfügt die Eintracht über eine ganze Reihe ambitionierter Spieler, die allerdings viel zu oft ausfallen - und so bessere Platzierungen und mehr Konstanz verhindern.

Das Gleiche gilt für Christoph Spycher und aktuell Aleksandar Vasoski, der wegen eines Knorpelschadens im Knie bis zum Saisonende ausfällt. Angesichts des prall gefüllten Lazaretts ist es schon fast verwunderlich, dass die Frankfurter nicht noch tiefer im Schlamassel stecken.

Caio spaltet Frankfurt

Immerhin steht mit Ümit Korkmaz ein Hoffnungsträger vor der Rückkehr ins Team. Ein anderer spaltet das Frankfurter Umfeld: Der Brasilianer Caio, mit 3,8 Millionen Euro teuerster Einkauf der Vereinsgeschichte, kommt bei Funkel nicht über die Rolle des Ergänzungsspielers hinaus.

Der Brasilianer erzielte bei seinen Kurzeinsätzen zuletzt zwei tolle Tore und wird von Fans und wohl auch Mitgliedern des Vorstands geliebt und gefordert. Dennoch blieb Caio die Bundesliga-Tauglichkeit nachhaltig schuldig, tat sich eher hervor durch Übergewicht und unprofesionelles Verhalten.

Auch andere Neuzugänge sind bisher weit unter den Erwartungen geblieben: Der Franzose Habib Bellaid wirkt unsicher, Leonard Kweuke wie zuletzt beim 1:2 gegen Schalke (Spielbericht) überfordert.

Unglückliche Einkaufspolitik

Weil Bajramovic der Mannschaft ebenso wenig weitergeholfen hat, kann die Transferpolitik der Eintracht als unglücklich bezeichnet werden - darüber täuscht auch nicht hinweg, dass Martin Fenin und Nikos Liberopoulos ein solides Sturmduo bilden.

Funkel muss dennoch in erster Linie auf Spieler setzen, die schon lange im Verein spielen, wie etwa Marco Russ oder Benjamin Köhler.

Unruhe bei den Fans

Erschwerend hinzu kommt die Unruhe im Umfeld. Um die Vertragsverlängerung von Funkel gab es ein Hickhack, unverbesserliche "Fans" randalierten zuletzt in Karlsruhe, was dem Klub eine Geldstrafe von 40.000 Euro einbrockte. (Drastische Strafe für Eintracht)

Ebenso bedenklich: Im Heimspiel gegen Schalke verweigerte der Anhang der Mannschaft zunächst die Unterstützung, um gegen die vom Verein getroffenen Sanktionen im Zusammenhang mit der KSC-Randale zu protestieren.

In Zugzwang gegen Bielefeld

Ein Sieg in Bielefeld (So., 16.30 Uhr LIVE) wäre wichtig, um die Wogen zu glätten. Was Hoffnung macht: Gegen Vereine, die in der Tabelle hinter ihr stehen, hat die Eintracht zuletzt stets erfolgreich gespielt. "Dafür gibt es aber keine Garantie", warnt Funkel.

In der Hinrunde hatte Frankfurt in ähnlicher Situation die Kurve bekommen und war letztlich mit einem ordentlichen Ergebnis in die Winterpause gegangen.

Doch sollte die Eintracht in Bielefeld erstmals gegen einen "Kleinen" verlieren, dürften in Frankfurt ungemütliche Wochen anbrechen.

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