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Vor dem Gldbach-Sieg spielte Jens Lehmann im März 2003 zuletzt in der Bundesliga © getty

Der frühere Stuttgarter stimmt nicht in die Lehmann-Lobeshymnen ein und attackiert den VfB wegen der Sonderrechte für den Keeper.

Von Michael Schulz

München - Nach dem 3:1 beim Aufsteiger Borussia Mönchengladbach schwärmten alle von Jens Lehmann. Der 38-Jährige hatte mit einer fehlerfreien Leistung in seinem 393. Bundesliga-Spiel ein gelungenes Comeback im Oberhaus nach 1458 Tagen gefeiert.

"Es war eine sehr gute Leistung von ihm. Wichtig ist, dass er auch in Eins-gegen-Eins-Situationen da ist. Da erkennt man die Angst, die Stürmer vor ihm haben", sagte VfB-Trainer Armin Veh über seine neue Nummer eins: "Wichtig ist auch, dass er mit seiner Erfahrung die Abwehr organisiert und verbal führt. Für uns ist er ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft."

Nicht in den Chor der Lobeshymnen stimmt Guid Buchwald mit ein.

Nur Übergangslösung

Der einstige VfB-Kapitän, der mit den Schwaben zweimal Deutscher Meister wurde (1984 und 1992), übt scharfe Kritik an Veh und Manager Horst Heldt.

"Ich bin der Meinung, dass man eine andere Lösung hätte finden müssen. Jens Lehmann ist sicher ein sehr guter Torwart, aber eine reine Übergangslösung für die Zukunft", sagte Buchwald: "Heldt hatte so viel Zeit, einen anderen Torwart zu suchen - jetzt hat er einen für nur ein Jahr geholt", sagte der Weltmeister von 1990 in der "Sport Bild".

Der 47-Jährige geht sogar noch weiter und hätte den einstigen Arsenal-Keeper nicht verpflichtet. "Das ist ein sehr unglücklicher Transfer", erklärte er.

Krititk an Sonderrechten

Vor allem die Privilegien, die Lehmann vertraglich vom Klub zugesichert bekommen hat, stören Buchwald. So fehlte der VfB-Schlussmann am Montag beim Auslaufen mit dem Team und weilte bei seiner Familie in Starnberg.

"Für das Teamgefüge ist das sehr unglücklich. Heutzutage sind im Profi-Bereich solche Ausnahmen nicht mehr möglich", wettert Buchwald: "Als Trainer würde ich das nicht durchgehen lassen. Du verdienst als Profi dein Geld - dann musst du auch wie ein Profi alle Einheiten mitmachen."

Dem widerspricht Heldt. "Es sei schon immer so gewesen, sagte der VfB-Manager, "dass ältere Spieler mehr Freiheiten haben als jüngere".

Lob für Ulreich

Das Thema Alter ist für Buchwald noch bei einem weiteren Aspekt wichtig.

"Der VfB hat doch zwei sehr gute junge Torleute", sagt der 76-fache Ex-Nationalspieler und lobt besonders einen: "Sven Ulreich hat vergangene Saison bei seinen Einsätzen anfangs stark gehalten."

UEFA-Cup als Minimalziel

Durch die Verpflichtung sieht der ehemalige defensive Mittelfeldspieler seinen früheren Verein unter Zugzwang.

"Mit dem Transfer setzt sich vor allem Heldt, stark unter Druck", erklärt Buchwald: "Der VfB muss in den UEFA-Cup. Sonst ist das Ziel nicht erreicht worden."

Ruhig bleibt der Sportdirektor Heldt: "Wir wussten schon, wen wir verpflichtet haben. Nicht umsonst war er bis vor kurzem die Nummer eins im deutschen Tor."

Teamkollegen schwärmen

Und auch Lehmanns Teamkollegen sehen es gelassen. "Wir sind sehr froh, dass wir ihn haben", erklärte der aktuelle Spielführer Thomas Hitzlsperger. Und Stürmer Mario Gomez ergänzt: "Wir können uns bei Jens bedanken."

Wie wichtig der 38-Jährige ist, sagt Mittelfeldspieler Roberto Hilbert: "Wenn Jens auf den Platz läuft, haben die Gegner schon Respekt. Uns selbst geht das ja nicht anders."

Bescheidener bleibt der so Gelobte: "Meine Leistung war okay. Ich habe mich zwar über das Gegentor geärgert, aber ansonsten hatte ich nicht allzu viel zu tun", meinte der Vize-Europameister.

Doch: Seine Kritiker Lügen strafen.

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