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Karl-Heinz Rummenigge ist seit 2002 Vorstandschef des FC Bayern © imago

Der Vorstandschef des FC Bayern spricht sich in der Affäre um die zu spät abgegebenen Doping-Proben gegen eine Bestrafung aus.

Frankfurt/Main - Karl-Heinz Rummenigge macht sich für Milde im Fall Hoffenheim stark.

Der Vorstandschef des FC Bayern spricht sich in der Affäre um die zehn Minuten verspätet abgegebenen Doping-Proben der 1899-Profis Andreas Ibertsberger und Christoph Janker gegen eine Bestrafung aus.

Das strenge Meldesystem der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA bezeichnet er als "lächerlich".

"Ob die Spieler nun um 17.48 oder um 17.38 Uhr in der Doping-Kabine antreten, ist völlig egal. Wichtig allein ist das Ergebnis: Und das war negativ. Das ist doch am Ende das Entscheidende", sagte Rummenigge der "Sport Bild".

Für die Doping-Kontrolleure ist jedoch entscheidend, dass in den fraglichen zehn Minuten eine Manipulation des abzugebenden Urins möglich gewesen wäre.

Diskussion nicht nachvollziehbar

"Man versteckt beispielsweise ein kleines Fläschchen mit Fremd-Urin im Genitalbereich. Den Inhalt lässt man anstatt des eigenen Urins in das Probenfläschchen laufen", erklärte Dopinganalytiker Wilhelm Schänzer in der Wochenzeitung "Die Zeit".

Rummenigge kann die Diskussionen um die verspätet abgegebenen Dopingkontrollen von Ibertsberger und Janker dennoch nicht nachvollziehen.

Auch die fortwährenden Vorwürfe in Richtung der Bundesligisten und des DFB, die Kontrollen würden nicht ernsthaft genug durchgeführt, stoßen bei Rummenigge auf Unverständnis.

"Die Kontrollen sind alles andere als zu lasch, sondern im Gegenteil: Vor einem Jahr erst ist die Anzahl der Kontrollen in der Bundesliga verdoppelt worden. Ich finde es langsam absurd, wie diese Kontrollen interpretiert werden."

Kritik äußerte Rummenigge zudem an dem seit 1. Januar 2009 geltenden Anti-Doping-Meldesystem der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA).

Ballack bringt es auf den Punkt

Die neuen Regularien besagen, dass die Fußballer wie alle anderen Topsportler für die jeweils kommenden 90 Tage fortlaufend ihren Aufenthaltsort bei der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) melden müssen, um für mögliche Kontrollen erreichbar zu sein.

"Michael Ballack hat es doch kürzlich auf den Punkt gebracht. Ein Fußball-Profi muss inzwischen schon Wochen und Monate im Voraus sein Privatleben offenlegen, wann und wo das ist. Ich finde das einfach nur lächerlich", sagte Rummenigge.

Ballack hatte zuletzt moniert, dass er auch an freien Tagen seinen Aufenthaltsort bekannt geben müsse und dies einen massiven Eingriff in sein Privatleben darstelle.

Zu wenig Aufklärung?

Abseits der strengen Doping-Regularien der WADA sieht Frank Rybak, Anwalt der Spielervereinigung VDV, allerdings auch bei den Vereinen und beim DFB Nachholbedarf bei der Aufklärung der Profis in Doping-Fragen.

"Die VDV fordert schon seit Jahren, dass diese besser werden muss. In der Praxis läuft es so ab, dass das DFB-Heftchen verteilt wird und jeder Spieler unterschreiben muss, dass er es erhalten hat. Dann gibt es noch einen Hinweis, dass keine Mittel ohne Absprache mit dem Mannschaftsarzt eingenommen werden dürfen - das ist die ganze Anti-Doping-Aufklärung", sagte Rybak.

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