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An ihm scheiden sich die Geister: Pierre Wome steht in Köln mächtig Ärger ins Haus © imago

Nach der kuriosen Abreise des Verteidigers nach Italien ist Daum sauer. Einen Verdacht gibt's in puncto Lohnfortzahlung.

Vom Christian Paschwitz

München - Wo steckt Pierre Wome? Offiziell beendet ist beim 1. FC Köln (zur Vereinsseite) immerhin die Vermissten-Suche angesichts des Verbleibs des Abwehrspielers.

Hinter den Kulissen brodelt der Fall um das seltsame Verschwinden jedoch weiter - und dürfte Konsequenzen haben für Wome (Porträt).

Laut Klub-Homepage war der an einer Oberschenkel-Verletzung laborierende Kameruner am Samstag in Absprache mit dem FC und Mannschaftsarzt nach Bologna gereist. Bei einem Facharzt wollte der 29-Jährige angeblich eine zweite medizinische Meinung einzuholen.

Das klingt nach einem wenig intakten Vertrauensverhältnis zwischen Spieler und Klub-Doktor, vor allem aber auch nach medialer Schadensbegrenzung.

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Seltsame Absprache

Denn nach Christoph Daums Worten kann von Absprache zwischen Klub und Wome keine Rede sein. "Ich habe keine Ahnung, wo er ist. Irgendwo in Italien, bei seinem Vertrauensarzt", zitiert der "Express" den Trainer (Porträt).

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Daum über seinen Problemverteidiger ärgert: Mit einem Ellbogen-Schlag gegen Wolfsburgs Ashkan Dejagah hatte Wome sich im Vorjahr eine Drei-Spiele-Sperre eingehandelt.

Wenig überzeugte Wome in dieser Saison bisher in den Punktspielen (13 Einsätze, kein Tore). Bei Ex-Klub Bremen, wo er bis Sommer 2008 unter Vertrag stand, war Wome als Dauerverletzter am Ende vor allem dadurch aufgefallen, Ärzte einer falschen Behandlung zu bezichtigen.

Gespräch mit Daum geschwänzt

Nun scheint Wome die Kölner zu narren - und sorgt mit seiner "Flucht" nach Italien für den vorläufigen Negativ-Höhepunkt.

Dabei hatte Wome nach sechswöchiger Verletzungspause eigentlich ins Training zurückkehren sollen. Für vergangenen Samstag war deshalb ein Termin zwischen Daum und dem Verteidiger und vereinbart worden.

Wome musste wegen einer Mannschaftssitzung jedoch warten auf Daum ? und verließ das Geißbockheim wieder. Ein Schwänzen der ungewöhnlichen Art.

"Wir haben hier ja freie Arztwahl"

Im Trainingslager in Belek (Türkei) hatte sich Womé am 14. Januar einen Sehnenanriss im Oberschenkel zugezogen, ließ sich bis 18. Februar in Frankreich behandeln, ehe er nach Köln zurückkehrte, am 24. Februar erste Übungen am Ball machte - und nun nach Bologna entschwand.

"Pierre Wome ist eben etwas anders, er hat eine andere Lebensführung. Der war schon immer so. Wir hoffen, dass es ihm nach seiner Italien-Reise bessergeht", kommentierte Daum den Vorfall süffisant. "Aber wir haben hier ja freie Arztwahl."

Und weiter: "Eine absolute Disziplinlosigkeit ist das nicht. Es war doch immer so..."

Berater wütend

Gradliniger drückte es Womes Berater am Dienstag via "Express" aus: "Wir haben keinen Kontakt mehr. Ich möchte nicht mehr in einem Atemzug mit ihm genannt werden. Pierre ist unbelehrbar und hat die Menschen in Köln enttäuscht." (Ergebnisse und Tabelle)

Was die Angelegenheit in Anbetracht des Zeitpunkts von Verletzung und jetzigem Italien-Abgang noch pikanter macht: Es sieht so aus, als werde Wome fortan weiter von den Kölnern das volle Gehalt beziehen.

Denn: In den ersten sechs Wochen - im Fall Wome also bis Ende Februar - zahlt der Verein das Gehalt im Krankheitsfall weiter.

Trick mit der Berufsgenossenschaft

Danach indes übernimmt die gesetzliche Berufsgenossenschaft, deren Höchstsatz weit unter dem eines Spieler-Gehalts liegt.

Eine Regelung, die sich aushebeln lässt, denn: Meldet sich ein Spieler wieder arbeits- und einsatzfähig, dann aber mit einer anderen Verletzung kurz danach wieder krank, muss der Verein zunächst erneut für sechs Wochen Gehalt zahlen.

Daum deutete im "Express" an: "Ich will niemandem was unterstellen, aber recherchieren Sie doch mal, wann die Lohnfortzahlung endet."

Was kommt nun?

Es ist nicht auszuschließen, dass sich Wome demnächst mit einer anderen Verletzung in Köln zurückmeldet?

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