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Klinsmann (r.) gerät immer mehr unter Druck - noch bleibt Hoeneß ruhig © imago

Das Pokal-Aus bringt Bayern-Coach Klinsmann immer mehr in Bedrängnis. Die Frage dabei: Wie viele Niederlagen darf er sich noch erlauben?

Von Christian Paschwitz

München - Der Druck auf Jürgen Klinsmann beim FC Bayern wird immer größer - und irgendwie erinnert seine Situation ungemein an diesen März 2006.

Damals, noch als Projektleiter der Nationalmannschaft, hatte Klinsmann eine herbe 1:4 Pleite gegen Italien erlitten - und lief große Gefahr, so kurz vor der WM im eigenen Land als DFB-Teamchef ausgespielt zu haben.

Ein von Rücktritts- und Entlassungsforderungen geschwängerter Aufschrei ging durch die Republik, der Boulevard wetzte die Messer ("Was wollen wir so bei der WM, Klinsi?!").

Klinsmann ganzes Konzept von der schnellen vertikalen Fußball-Philosophie schien sich in seiner Erfolglosigkeit aufzulösen. Doch mit einem 4:1 gegen die USA bekam der 44-Jährige schließlich doch noch die Kurve, aus der er nun zu fliegen droht 2831(DIASHOW: Tonnentreter und Märchenheld).

Widerstand vor den Stadiontoren

Nach dem DFB-Pokal-Desaster bei Bayer Leverkusen, diesem 2:4 (0:0) als vierte Niederlage im achten Spiel 2009, hatte sich vor den Stadiontoren längst der erste Widerstand formiert (zum Spielbericht).

"Klinsmann raus", schallte es dem Bayern-Tross vom frustrierten Anhang entgegen, nachdem das Münchner Starensemble die erste Titel-Hoffnung der Saison verspielt hatte.

Kritik von Hitzfeld

Nach dem Absturz in der Bundesliga auf Platz fünf und dem Pokal-K.o. scheint die Schonfrist für Klinsmann allmählich beendet zu sein. An der Basis rumort es stärker denn je (Sport1.de-User: "Bald bricht Bayern auseinander").

Zwischen den Zeilen flickt ihm selbst sein Vorgänger Ottmar Hitzfeld ans Zeug, was das fußballerisch Fachliche angeht (NACHBERICHT: Hitzfeld rechnet mit Klinsmanns Taktik ab).

Klinsmann hatte eine Angsthasen-Formation aufs Feld geschickt. Die defensive Grundaufstellung hatte nichts mehr mit seinem Versprechen vom Saisonbeginn zu tun, dass sein Team attraktiven Angriffsfußball zelebrieren solle.

Abteilung Attacke pausiert

Auch wenn sich Bayern-Manager Uli Hoeneß - zumindest öffentlich - natürlich nicht daran beteiligen will, die Klinsmanns Eignung als Chefcoach der erfolgreichsten deutschen Klubmannschaft in Frage zu stellen: "Es macht keinen Sinn, diese Dinge zu kommentieren. Man muss nicht jedem, der rumschreit, gleich nachgehen."

Selbst wenn die sonst gern als Abteilung Attacke in Erscheinung tretende Führungsriege sich geschlossen eine Sendepause nimmt und zur Besonnenheit mahnt (Hoeneß: "Es macht keinen Sinn, auf die Spieler draufzuhauen").

Ruhe dürfte an der Säbener Straße aber kaum aufkommen. Es ist eine offene Frage, wie lang die Bayern-Bosse es sich noch leisten können, Klinsmann verlieren zu lassen. Und allmählich gehen dem Coach ("Die Niederlage nervt") auch die Argumente aus.

Die Rede von der Konstanz

Man müsse an der Konstanz arbeiten und eine Serie starten, meinte Klinsmann nach dem 33. Pflichtspiel der Saison und will sich der Verantwortung stellen: "Natürlich halte ich den Kopf hin. In München werden die höchsten Ansprüche gestellt. Dem muss man sich stellen. Das tue ich auch." Trotzdem könne seine Mannschaft mit jedem Team in Europa mithalten.

Zweifel sind daran jedoch angebracht. Wenngleich den Bayern nach dem 5:0-Hinspiel bei Sporting Lissabon der Einzug ins Champions-League-Viertelfinale praktisch nicht mehr zu nehmen ist.

"Dinge sind noch reparabel"

Hoeneß reagiert bislang milde, was kein gutes Zeichen sein muss: "Von den Wettbewerben her war das der erste richtige Rückschlag. In den beiden wichtigsten Wettbewerben sind die Dinge noch reparabel."

Man dürfe nicht so überheblich sein und glauben, jedes Jahr drei Titel zu gewinnen.

Die Konkurrenzfähigkeit - vor allem international - ist aber mehr denn je in Frage gestellt, wenn es nicht einmal gegen den Bundesliga-Sechsten reicht.

Gequältes Lächeln

Klinsmann, der Sonnyboy des "Sommermärchens", versucht, auch diese Pleite wegzulächeln. Aber es erscheint immer gequälter, wenn der Trainer zu seinen Durchhalteparolen ansetzt.

Er tut sich keinen Gefallen mit neuen Statements im Dauerthema Lukas Podolski (Porträt): In einem Interview mit "TV Movie Digital" hielt Klinsmann ein zweites Engagement des nach Köln zurückwechselnden Nationalstürmers bei den Bayern mittelfristig für denkbar.

"Vielleicht ist er in vier Jahren ja ein anderer, reiferer Mensch, dann ist alles möglich", so Klinsmann. "Das fußballerische Zeug für den FC Bayern hat er."

Schicksalsspiel gegen Hannover

Am Samstag (ab 15 Uhr LIVE) steht das Bayern-Gebilde und auch Klinsmann aber erst mal gegen den Abstiegskandidaten Hannover 96 auf dem Prüfstand. Ein Schicksalsspiel: Gegen die Niedersachsen hatte es im Hinspiel ein 0:1 gesetzt.

Mit dabei war damals Steven Cherundolo, amerikanischer Abwehrspieler der Niedersachsen. Beim 1:4 mit der US-Nationalmannschaft vor der WM hatte er Klinsmann allerdings schon mal die Kurve kriegen lassen.

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