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Roman Weidenfeller kam 2002 aus Kaiserslautern nach Dortmund © getty

Roman Weidenfeller bekommt auch auf dem Karriere-Höhepunkt nicht genug. Bei SPORT1 träumt er von Siegen, Titeln - und Brasilien.

Von Christoph Lother und Oliver Müller

München - Die Saison begann für Roman Weidenfeller mit Verspätung.

Geschlagene 180 Minuten musste der Torhüter von Borussia Dortmund warten, ehe er am Sonntagabend beim 2:1 gegen Eintracht Braunschweig (Bericht) wieder seinen angestammten Platz zwischen den Pfosten einnehmen durfte.

Eine Rote Karte am letzten Spieltag der vergangenen Spielzeit hatte ein früheres Saisondebüt verhindert. Der Australier Mitchell Langerak sprang ein und machte seine Sache gut. Doch Weidenfeller ist der Fels in Dortmunds Defensive. Man kann ihn vertreten. Ersetzen kann man ihn nicht. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Folglich gab Weidenfeller gegen Braunschweig sein Comeback - und in gewisser Weise war es eine Rückkehr mit Symbolcharakter.

Über Umwege zur Nummer eins

Denn: Leichte Verspätungen sind in der Karriere des gebürtigen Pfälzers längst nichts Neues mehr.

Erst nach mehreren vergeblichen Anläufen und im Schatten damaliger Rivalen wie Jens Lehmann oder Guillaume Warmuz etablierte sich Weidenfeller als Nummer eins des BVB.

Sein erstes Champions-League-Spiel und den ersten Titelgewinn mit dem BVB erlebte er im fortgeschrittenen Alter von 31 Jahren.

Und jetzt, mit 33, wo andere schon auf die Zielgerade ihrer Profilaufbahn einbiegen, könnte für Weidenfeller sogar nochmal ein ganz neuer Abschnitt beginnen.

Nationalelf-Debüt winkt

"Ich freue mich über die anerkennenden Worte des Bundestrainers und dessen Wertschätzung", kommentiert Weidenfeller im Gespräch mit SPORT1 die jüngsten Aussagen von Bundestrainer Joachim Löw.

Dortmunds Keeper hat offenbar gute Karten, in absehbarer Zeit sein erstes Länderspiel zu bestreiten und anschließend womöglich sogar als Nummer drei mit zur WM nach Brasilien zu fahren.

"Wir warten erstmal ab", äußert sich Weidenfeller zwar zurückhaltend. Doch es freut ihn, dass er anders als in den vielen Jahren zuvor plötzlich beim Bundestrainer hoch im Kurs steht.

"Ich habe die DFB-Offiziellen beim Abschiedsspiel von Michael Ballack getroffen. Es war eine angenehme Atmosphäre, man konnte einige Dinge besprechen", berichtet Weidenfeller.

Fortschritte im Strafraumspiel

Ins Detail sei er bei den Gesprächen mit Löw und Co. nicht gegangen, sagt Weidenfeller. Worauf es dem Trainerstab des Nationalteams ankommt, dürfte ihm aber schon vorher bekannt gewesen sein.

War der 1,88-Meter-Hüne einst nur für seine Stärken auf der Linie bekannt, machte er in den vergangenen Jahren auch beachtliche Fortschritte außerhalb des Fünfmeterraums.

Strafraumbeherrschung, schnelles Herauslaufen, Ballbehandlung mit dem Fuß. Alles Gebiete, auf denen auch Weidenfeller mittlerweile zur nationalen Spitze zählt - und Eigenschaften, auf die im Kreise der DFB-Elf großer Wert gelegt wird.

Karriereende beim BVB

In Dortmund schätzen und lieben sie ihre Nummer eins für all diese Qualitäten ohnehin.

Erst kürzlich verlängerte der BVB den Vertrag mit dem Routinier um weitere zwei Jahre bis zum 30. Juni 2016.

Und geht es nach Weidenfeller, könnte er durchaus noch die eine oder andere Spielzeit hinten dran hängen.

"Es sieht stark danach aus, dass ich meine Karriere hier beende", sagt er.

Mögliche Wechsel zu den großen Rivalen Schalke und Bayern könne er jedenfalls ausschließen, betont Weidenfeller, und ergänzt voller Überzeugung: "Da bin ich auch stolz drauf."

Keeper träumt von weiteren Finals

Stolz war Weidenfeller auch auf den Auftritt der Borussia im bislang größten Spiel seiner Karriere, dem verlorenen Champions-League-Finale gegen die Bayern im vergangenen Mai. Die Niederlage schmerzte. Doch ebenso die Atmosphäre rund um das Spiel der Spiel vergrößerte sie Weidenfellers Ehrgeiz.

"Wir geben alle unser Bestes, dass wir das nochmal gemeinsam erleben dürfen", versichert der Torwart beim Blick zurück auf das Spektakel im Wembleystadion.

Satt wirkt Weidenfeller nach den erfolgreichsten Jahren der Dortmunder Vereinsgeschichte mit zwei Meistertiteln, dem Gewinn des DFB-Pokals und dem Erreichen des Finals in der Königsklasse ganz und gar nicht.

"Am zweiten Spieltag werden keine Titel vergeben. Wir haben noch eine Menge Arbeit vor der Brust und versuchen, weiter ungeschlagen zu bleiben", sagt er angesichts des besten Dortmunder Saisonstarts seit zwölf Jahren.

"Wollen alle Spiele gewinnen"

Der sei aber auch wichtig für eine ganze Saison, betont Weidenfeller.

Zudem würden die Neuzugänge Pierre-Emerick Aubameyang, Henrikh Mkhitaryan und Sokratis dem BVB allesamt weiterhelfen.

"Wir wollen alle Spiele gewinnen", sagt Weidenfeller mit ernster Miene.

Kein Zweifel: Der Spätzünder hat noch viel vor.