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Jermaine Jones wechselte im Sommer 2007 von Eintracht Frankfurt nach Schalke © getty

Die Königsblauen mühen sich im Freitagsspiel gegen lange harmlose Kölner zu einem knappen Sieg. Die Fans bleiben aufgebracht.

Gelsenkirchen - Die Pokalversager von Schalke 04 haben ein wenig Wiedergutmachung betrieben, die Krise beim abgestürzten Titelanwärter aber längst noch nicht beendet.

Drei Tage nach dem peinlichen 0:1-K.o. im DFB-Pokal beim Zweitligisten FSV Mainz 05 besiegten die Königsblauen den 1. FC Köln 1:0 (1:0).

Damit verkürzten sie vorerst den Rückstand auf einen Europacup-Platz auf zwei Punkte.

Vor 61.673 Zuschauern in der Schalker Arena erzielte Mittelfeldspieler Jermaine Jones in der 28. Minute das Siegtor für die Gastgeber, die erneut spielerisch nicht überzeugen konnten und von den Fans mit einem gellenden Pfeifkonzert verabschiedet wurden.

Jones kritisiert die Fans

Dafür übte Jones Kritik am eigenen Anhang: "Wir führen 1:0, kämpfen und versuchen alles, doch die Fans pfeifen uns aus. Solange sie das machen, werden sie keinen Bezug zur Mannschaft bekommen."

Manager Müller war nach dem Sieg erleichtert: "Man hat gesehen, dass das Nervenkostüm noch nicht so sattelfest war. Das war ein erster Schritt in die richtige Richtung."

Daum: "Waren der Aufbaugegner"

Für die Kölner, die zuletzt vor über 15 Jahren auf Schalke gewannen, war es die erste Auswärtsniederlage im neuen Jahr.

"Wir waren der Aufbaugegner, der wir nicht sein wollten. Schalke hat stark begonnen und uns in der Defensive festgenagelt. Wir konnten uns in der ersten Halbzeit nicht von dem Druck befreien", meinte FC-Trainer Christoph Daum.

Frühe Pfiffe für die Schalker

Der im Vorfeld diskutierte Fanprotest nach den zuletzt katastrophalen Leistungen der Königsblauen blieb aus. Zwar waren ein paar Plätze auf der Tribüne leer, doch die Anhänger begrüßten ihre Mannschaft zunächst mit Applaus.

Aber erneut fehlten dem Team von Trainer Fred Rutten die spielerischen Mittel gegen eine kompakte Kölner Mannschaft.

Die erste nennenswerte Torchance hatten bezeichnenderweise die Gäste: Milivoje Novakovic zwang mit einem Freistoß aus 25 Metern Schalke-Torhüter Manuel Neuer zu einer Glanzparade (25.).

Danach begleiteten die ersten Pfiffe die umständlichen Bemühungen der Königsblauen.

Kuranyi vergibt Chance zum 2:0

Überraschend fiel das 1:0: Nach einem Hackentrick von Vicente Sanchez legte Ivan Rakitic den Ball auf Jones zurück, der aus 15 Metern sein erstes Saisontor erzielte.

Noch vor der Pause hatte Kevin Kuranyi die Chance zum 2:0, doch der Schalker Torjäger scheiterte an Kölns Schlussmann Faryd Mondragon (42.).

Die beste Chance zum Ausgleich hatte Youssef Mohamad, der nach einem Freistoß von Petit den Ball aus kürzester Entfernung nicht im Tor unterbrachte (62.).

Rutten zieht Unmut der Fans auf sich

Rutten setzte danach ganz auf Defensive. Für den offensiven Mittelfeldspieler Rakitic brachte der Niederländer in Marcelo Bordon den dritten Innenverteidiger.

Als der Coach dann auch noch Vicente Sanchez vom Feld nahm, waren aus dem Schalke-Block die ersten "Rutten raus"-Rufe zu hören.

Der kritisierte Niederländer rechtfertigte sich für seine Wechsel: "Ich habe Ivan Rakitic rausgenommen, weil wir körperliche Kraft brauchten. Und Vicente Sanchez war platt, das ist normal nach drei Spielen in einer Woche."

Zwei Umstellungen bei Schalke

Der Schalker Trainer hatte auf die Pokal-Pleite von Mainz lediglich mit zwei Umstellungen regiert.

Der zuletzt ganz schwache Orlando Engelaar, der von den Fans mit gellenden Pfiffen empfangen wurde, musste ebenso wie Kapitän Bordon seinen Platz räumen. Für sie rückten im Mittelfeld Rakitic und in der Innenverteidigung Benedikt Höwedes in die Startformation.

Der in Mainz zur Halbzeit ausgewechselte Kuranyi bekam dagegen eine neue Chance.

Aufsichtsrat tritt zurück

Schon vor der Partie hatte es die erste personelle Konsequenz aus der größten Krise der jüngeren Schalker Klubgeschichte gegeben:

Aus Protest gegen die Vereinspolitik war Detlef Ernsting aus dem Aufsichtsrat zurückgetreten. Nicht nur in sportlicher Hinsicht arbeite die Führung in die falsche Richtung, begründete er seinen Schritt.

Eine viel wichtigere Personalentscheidung könnte in der nächsten Woche fallen. Im Schalker Umfeld wird erwartet, dass der umstrittene Manager Andreas Müller in Kürze vom Aufsichtsrat um dessen mächtigen Vorsitzenden Clemens Tönnies von seinen Aufgaben entbunden wird.

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