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Thomas Berthold (r., hier gegen Manni Binz) bestritt für Bayern 31 Spiele © imago

Bayerns Ex-Profi Thomas Berthold sieht die Ehe Klinsmann-Bayern unter keinem gutem Stern. Eine Trainer-Entlassung schließt er zunächst aus.

Von Christian Paschwitz

München - Der FC Bayern am vorläufigen Saison-Tiefpunkt: Einer von drei anvisierten Titeln ist bereits futsch nach dem 2:4-Pokal-Desaster bei Bayer Leverkusen (NACHBERICHT: Hitzfeld rechnet mit Klinsmanns Taktik ab).

In der Liga sind die Münchner noch nie Tabellenführer gewesen und wenig meisterwürdig, allein die Champions League bleibt als Hoffnungsfunken.

Und: Die Fans revoltieren immer stärker gegen Trainer Jürgen Klinsmann (Porträt), fordern seinen Rauswurf - die öffentliche Kritik an dem 44-Jährigen ist so harsch wie nie, nachdem der Rekordmeister schon die vierte Niederlage im achten Spiel 2009 kassierte. (Sport1.de-User: "Bald bricht Bayern auseinander")

So schlecht in ein neues Jahr gestartet waren die Bayern zuletzt in der Saison 1991/92.

Pleite auch gegen Dresden

Thomas Berthold war damals mit dabei, als die Münchner mit Pleiten gegen Dresden, Kaiserslautern, Frankfurt und Nürnberg den Rückrundenstart vermasselten - und am Ende nur Zehnter wurden.

"So wie es gerade läuft bei Bayern, ist das nur noch katastrophal", erklärt der Ex-Profi bei Sport1.de und sieht durchaus Parallelen zur damaligen Situation.

Berthold, seinerzeit im Kader mit Akteuren wie Thomas Strunz, Christian Ziege, Manfred Schwabl und Roland Wohlfahrt, weiß, dass sich eine solche Abwärtsspirale kaum durchbrechen lässt - wenn die Spieler beim Trainer denn Autorität und Fachkompetenz vermissen.

Autorität und Fachkompetenz

"Wenn du ständig das Konzept über den Haufen wirfst, mal offensiv, mal defensiv aufstellst, mal wild rotierst und dann wieder nicht, dann nimmt dich irgendwann keiner mehr ernst", sagt der 44-Jährige.

Wenngleich Berthold einräumt: "Das war bei uns damals natürlich umso extremer, weil die Bayern mit Jupp Heynckes, Sören Lerby und Erich Ribbeck gleich drei Trainer in einer Saison hatten."

Und weiter: "Am Ende sind wir uns vorgekommen wie im Kindergarten, weil keine klare Linie da war."

Konstanz und Respektsproblem

Ein Respektsproblem deutet Berthold jedoch auch für Klinsmann an: "Du kannst dich nicht jede Woche von Neuem hinstellen und erzählen, dass du jetzt Konstanz reinbringen willst und es fünf vor zwölf ist. Irgendwann nimmt dir das doch keiner mehr ab."

Folge: "Am Ende wollen dann die Spieler dem Trainer erzählen, welche Taktik zu spielen ist. Wir haben uns doch genauso verhalten früher."

Auch mit seinen allzu innovativen Ideen gleich zu Saisonbeginn hat sich Klinsmann laut Berthold keineswegs einen Gefallen getan an der Säbener Straße.

"Aufgestellte Buddha-Figuren, Yoga und eine Bibliothek - das kann nur nach hinten losgehen, wenn du fußballerisch nicht kompetent wirkst."

Zwölf Liga-Spiele bleiben noch

Bei nur noch zwölf Liga-Spielen wird es für Klinsmann immer schwieriger, noch die Kurve zu kriegen.

Dass er möglicherweise in dieser Saison gehen muss (zur Vereinsseite), schließt Berthold aber aus.

"Natürlich macht sich ein Uli Hoeneß so seine Gedanken. Doch sie können Klinsmann gar nicht entlassen, nachdem sie ihn so feierlich als Trainer verpflichtet haben. Eine Entlassung wäre ein zu großer Gesichtsverlust."

Entgegen früherem Aktionismus wundert die nach außen hin zur Schau getragene Ruhe der Bayern-Bosse den 62-fachen Ex-Nationalspieler daher wenig.

"Bei uns damals war die Sache anders, weil Jupp Heynckes auch mit öffentlichen Aussagen seinen Rauswurf selbst provoziert hatte und Lerby überhaupt keine Ahnung hatte."

Spannung zwischen Coach und Manager?

Gleichwohl glaubt Berthold zwischen Klinsmann und Hoeneß eine gewisse Spannung ausgemacht zu haben, nicht nur wegen sich widersprechender Statements in den vergangenen Wochen wie zum Beispiel im Fall Lukas Podolski (Porträt): "Die Körpersprache der beiden zueinander ist doch sehr distanziert inzwischen."

Hängt Klinsmanns Zukunft bei den Bayern am Ende also ab vom weiteren Abschneiden in der Champions League?

Schließlich sagt auch Hoeneß, "in den beiden wichtigsten Wettbewerben sind die Dinge noch reparabel".

Berthold vermag das nicht zu beantworten: "Die jetzigen Fehler abzustellen, das ist keine Sache von bloß ein paar Wochen. Und gegen Topteams in einem solchen Wettbewerb schon gar nicht."

Für den gebürtigen Hanauer ist im Viertelfinale der Königsklasse Schluss für die Bayern. Es wäre ein neuer Saison-Tiefpunkt.

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