SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold lobt den FC Schalke für den Transfer-Coup mit Boateng und erklärt, warum der so günstig war.

Hallo Fußball-Freunde,

Kevin-Prince Boateng hat am Samstag sein Debüt auf Schalke gegeben, man kann den Verantwortlichen zu diesem tollen Transfer nur gratulieren.

Wenn Boateng an seine Leistungen aus der ersten Saison beim AC Mailand anknüpft, ist er eine Bereicherung für die ganze Bundesliga.

Boateng hat in der Champions League gespielt und bei der WM in Südafrika, auch als Mensch ist er sicherlich gereift. Ein Spieler wie er tut jeder Mannschaft gut.

Boateng bietet einem Trainer unheimlich viele Optionen an. Er ist zweikampfstark, wuchtig und sucht den Abschluss. Als Offensivspieler ist er sehr variabel und kann in der Spitze, aber auch dahinter spielen. Boateng setzt seinen Körper ein und haut auch mal dazwischen.

Für einen Verteidiger ist er ein unangenehmer Gegenspieler. Und die Fans lieben solche Typen wie ihn. Jede Mannschaft braucht so exponierte Persönlichkeiten. Dann ist wenigstens was los!

Da fragt man sich nur, warum Milan einen solchen Spieler für zwölf Millionen Euro abgibt. Ich habe gute Kontakte nach Mailand und von dort gehört, dass man mit Boatengs sportlicher Entwicklung nicht zufrieden war.

Nach dem ersten Superjahr hat er in der zweiten Saison nachgelassen. Ich glaube, dass er nach dem Abgang von Zlatan Ibrahimovic und Thiago Silva zu Paris St. Germain ein bisschen die Motivation verloren hat. Deshalb war Milan verhandlungsbereit.

Beim VfB Stuttgart hat Thomas Schneider bei seinem Bundesliga-Debüt als Trainer einen 6:2-Sieg gegen Hoffenheim gefeiert.

Thomas war in meiner Zeit beim VfB Spieler. Er ist charakterlich einwandfrei, geradeaus. Wie er als Trainer ist, muss sich nun zeigen. Wirklich bewerten kann man einen Trainer ohnehin erst nach einer Halbserie. Ich finde es unfair, Spieler oder Trainer nur nach Ergebnissen zu bewerten.

Das 6:2 taugt ohnehin nicht wirklich als Gradmesser, da Hoffenheim einen rabenschwarzen Tag erwischt hat.

Das erste Tor war ein Fehler wie in einer Schülermannschaft. Freistoß am Sechzehner, alle drehen sich weg. Keiner steht vor dem Ball, keiner guckt. Dass so etwas noch im Profifußball noch gibt, wundert mich schon.

Wohin der Weg der Stuttgarter geht, wird sich erst nach der Länderspielpause zeigen. Das trifft übrigens auf einige Mannschaften zu. Wie etwa den HSV, der 4:0 gegen Eintracht Braunschweig gewonnen hat.

Die Braunschweiger sind noch nicht in der Liga angekommen. Beim ersten Gegentor haben sie Pech, der Ball war abgefälscht. Aber beim zweiten Gegentor fehlt die Konsequenz in der Innenverteidigung. Da bringt es auch nichts, wenn Trainer Torsten Lieberknecht nach dem Spiel lamentiert, dass die Schiedsrichter die kleinen Klubs immer benachteiligen würden.

In der Bundesliga muss ein Verteidiger da einfach dagegen halten, im Strafraum muss man seinen Körper einsetzen.

Daran muss sich die Mannschaft gewöhnen. Nach der Länderspielpause müssen die Braunschweiger die Kurve kriegen und vor allem gegen die Mitkonkurrenten punkten.

Das geht nur mit Kampfkraft und mannschaftlicher Geschlossenheit. Was an Qualität fehlt, muss man mit Biss wegmachen.

Bis zum nächsten Mal,Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt wöchentlich als Kolumnist für SPORT1.

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