Der wöchentliche Fußball-Blog auf Sport1.de. Vieles an der Bayern-Krise erinnert an die Situation von Jürgen Klinsmann vor der WM 2006.

Knapp sieben Jahre liegt das Treffen mit Jürgen Klinsmann mittlerweile zurück.

Es war der 30. Juni 2002 in Yokohama, Deutschland hatte gerade trotz starker Leistung das WM-Finale mit 0:2 gegen Brasilien verloren.

Der "Fußball-Rentner" Klinsmann war für das Turnier aus seiner Wahlheimat Kalifornien als TV-Experte eingeflogen und zog danach bei Sport1.de seine (positive) Bilanz des Auftritts der DFB-Auswahl.

Die Frage nach einem zukünftigen Kontakt verneinte er freundlich, aber bestimmt: "Ich bin froh, wenn ich wieder meine Ruhe habe."

Zwei Jahre später war es dann mit der Ruhe vorbei, als Klinsmann Rudi Völler nach der verpatzten EM 2004 als Bundestrainer ablöste und bei seiner Präsentation erklärte: "Wir wollen Weltmeister werden!"

Es folgten zwei spannende Jahre mit spektakulären Höhepunkten wie dem dritten Platz beim Confed Cup 2005 und dramatischen Abstürzen wie dem 1:4-Desaster in Italien am 1. März 2006.

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Damals herrschte so etwas wie Begräbnisstimmung in den Katakomben des maroden Stadio Artemio Franchi von Florenz, wo die deutschen Spieler mit versteinerten Mienen auf die Abfahrt des Mannschaftsbusses warteten.

Niemand traute dem Team in diesem Moment eine erfolgreiche Weltmeisterschaft zu, Klinsmann stand im Kreuzfeuer der Kritik - vor allem in der Boulevardpresse.

Zwei Dinge retteten den als "Krisi-Klinsi" bezeichneten Coach: Zum einen der 4:1-Erfolg drei Wochen später gegen die USA, zum anderen der Burgfrieden bei einem Treffen mit der "Bild"-Zeitung.

Das Ende ist bekannt: Ganz Deutschland lag sich nach dem WM-Sommermärchen in den Armen und alle Medien sowie rund 700.000 Fans am Brandenburger Tor forderten Klinsmann zum Verbleib als Bundestrainer auf.

Fast genau drei Jahre später erinnert einen vieles an den März 2006.Wie damals wird der Coach des FC Bayern derzeit als "Schönfärber" kritisiert und seine Kompetenz als "Trainer-Rookie" massiv angezweifelt, zudem werden ihm seine Sprüche vorgehalten.

Wie damals die "Weltmeister"-Aussage ist es jetzt seine Ankündigung bei seinem Dienstantritt in München, "jeden Spieler jeden Tag besser machen zu wollen", die ihm nach jedem Rückschlag um die Ohren gehauen wird.

Doch Geschichte wiederholt sich nicht und daher ist es äußerst fraglich, ob Klinsmann wie 2006 die Kurve bekommt.

Denn während die Erwartungen an die Nationalmannschaft seinerzeit eher gering waren, so ist beim FC Bayern jedes Jahr ohne Titel ein verlorenes Jahr.

Der DFB-Pokal ist schon weg, der Triumph in der Champions League nicht zu erwarten und die Meisterschaft nach den jüngsten Niederlagen alles andere als ein Selbstläufer.

Auch wenn Klinsmann nicht vorzeitig gefeuert wird, so spricht doch vieles für eine Trennung spätestens am Saisonende.

Wie Ottmar Hitzfeld sieht man auch seinem Nachfolger deutlich an, dass Trainerjahre beim FC Bayern doppelt und dreifach zählen.

Gut möglich also, dass sich Klinsmann im Sommer sagt: "Ich bin froh, wenn ich wieder meine Ruhe habe."

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