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Manuel Neuer (2.v.l.) wechselte 2011 vom FC Schalke zu Bayern München © getty

Während Coach Guardiola die zweite Reihe lobt, monieren einige Profis den Ballbesitzfußball. Sorgen bereitet "Schweini".

Aus Freiburg berichtet Maik Rosner

Freiburg - Am Ende war es Manuel Neuer, der die Rolle des schärfsten Kritikers einnahm.

"Das war unnötig, verschenkt und verdaddelt. Das haben wir uns selbst zuzuschreiben", sagte der Torwart, der beim 1:1 des FC Bayern beim SC Freiburg (Bericht) mit 85 Ballkontakten zu einer der prägenden Figuren des Dienstagabends aufgestiegen war. ( 768235 Bilder des Spiels )

Viele Rettungstaten waren nicht dabei, vielmehr agierte Neuer in der Ballzirkulation phasenweise als eine Art Libero. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Wirklich freuen konnte er sich über die große Teilhabe an den Kombinationen aber nicht.

Kritik von Neuer

"Wir haben zwar vernünftig rausgespielt, müssen dann aber auch auf die nächste Linie gehen und nicht wieder zurückpassen", kritisierte er.

Und er präzisierte gleich: "Die Spieler müssen aufs Mittelfeld zugehen und nachrücken, damit wir da wieder eine Überzahlsituation schaffen, wenn wir die Stürmer des Gegners ausgeschaltet haben. So kommen wir auch schneller in die Gefahrenzone."

Die ersten Punktverluste des Meisters in der noch jungen Saison haben nicht nur bei Neuer zu größerem Magengrummeln geführt.

Auch die Kollegen beklagten den verschwenderischen Umgang mit den Chancen in der zweiten Hälfte, den vierten Ligasieg im vierten Spiel vorzeitig herbeizuführen.

Kroos sieht Katastrophe

"So unterschiedlich können Punkte aussehen. Für uns ist es nach dem Spielverlauf eine Katastrophe, für Freiburg ein gefühlter Sieg", sagte Toni Kroos.

Xherdan Shaqiri hatte in der 33. Minute die Führung erzielt, Nicolas Höfler glich in seinem zweiten Bundesligaeinsatz kurz vor Schluss aus (86.).

Dass sich die Münchner so selbst um den Lohn ihrer Überlegenheit gebracht hatten, lag vor allem an der wieder einmal mangelnden Konsequenz und Zielstrebigkeit.

Shaqiri, Kroos und Thomas Müller vergaben diesmal mehrfach aussichtsreich.

"Zwei verlorene Punkte" für Lahm

"Das sind natürlich zwei verlorene Punkte, wenn man 1:0 führt und das Spiel eigentlich kontrolliert", sagte Kapitän Philipp Lahm.

Und er fügte an: "Nur fehlt uns, wie in den letzten Spielen teilweise auch, dass wir das zweite Tor machen und dann Ruhe haben. Diesmal wurden wir dafür bestraft."

Es sind die wiederkehrenden Probleme, die unabhängig von der Aufstellung scheinen und Anlass zu erster Unruhe bei den Münchnern bieten.

In Freiburg hatte Trainer Pep Guardiola umfangreich rotiert, gleich sieben Veränderungen im Vergleich zum jüngsten 2:0 gegen den 1. FC Nürnberg hatte er vorgenommen.

Schlecht waren die vielen reingerutschten Ergänzungsspieler nicht aufgetreten.

Die Dominanz des Ballbesitzfußballs hatte Bestand. Eher schon litt die Mannschaft erneut an der fehlenden Zuspitzung und dem vernachlässigten Flügelspiel - Makel, die unabhängig vom Personal zu sein scheinen.

Guardiola ist "sehr, sehr stolz"

Guardiola wählte dennoch nur lobende Worte. "Sehr, sehr gut", befand der Katalane, habe seine Mannschaft agiert, er sei "sehr, sehr stolz" und sprach von ?einem guten Schritt nach vorne in unserer Spielweise".

Die Frage, ob die Rotation zu groß angelegt gewesen sein könnte, ließ er nicht gelten. "Alle Spieler arbeiten sehr gut jeden Tag, sie haben es verdient zu spielen", sagte er.

Sorgen bereitet vor dem Finale um den europäischen Supercup am Freitag in Prag gegen Jose Mourinhos FC Chelsea Bastian Schweinsteigers Knöchelverletzung.

Nach einer Untersuchung bei Mannschaftsarzt Müller-Wohlfarth gab es am Mittwoch vorsichtige Entwarnung. Es handle sich um keine schwere Verletzung, teilte der Rekordmeister mit.

Schweinsteiger habe sich lediglich eine Gelenkstauchung und Kapselzerrung im rechten Sprunggelenk zugezogen.

Wiederkehrendes Problem

Dennoch könnte sich Schweinsteigers neuralgische Position zu einem wiederkehrenden Problem entwickeln.

Von den fünf Profis, die zu Saisonbeginn als sogenannte "Sechser" im Kader standen, verbleibt derzeit bei einem Ausfall des Vize-Kapitäns nominell nur der nicht wirklich integrierte Zugang Jan Kirchhoff.

Als echte Alternative gilt er nicht. Thiago und Javier Martínez fehlten in Freiburg bereits verletzt, mit ihnen plant Guardiola ohnehin anderswo.

Und Luiz Gustavo wurde inzwischen an den VfL Wolfsburg weitergereicht.

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