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Shinji Okazaki (l.) kam vom VfB Stuttgart zum FSV Mainz 05 © getty

Ein Fehler des Torwarts bringt Mainz in Hannover aus dem Tritt. Tuchel hadert mit dem Schiri und will Platzverweis und Elfmeter.

Hannover - Thomas Tuchel und Christian Heidel standen mit verschränkten Armen vor dem Fernseher und grummelten vor sich hin.

Mit einem Sieg bei Hannover 96 hätte der FSV Mainz 05 an Bayern München vorbeiziehen und die Spitze erobern können, stattdessen aber sahen sich der Erfolgstrainer und der Sportdirektor im Kabinengang der Arena die Szenen einer 1:4 (1:2)-Pleite an - und sie haderten mit der Leistung von Schiedsrichter Guido Winkmann. (BERICHT: 96 beendet Mainz' Höhenflug)

"Es gibt auf jeden Fall eine Aktion gegen Shinji Okazaki, für die in der Bundesliga auch mal Rot gezeigt wird", sagte Tuchel: "Es gibt zudem eine Situation, in der es in anderen Stadien Elfmeter gibt. Heute gab es nicht mal Eckball, sondern eine Verwarnung für mich."

Auch Heidel zuckte bei der sofortigen Analyse der ersten Saison-Niederlage zusammen - vor allem bei der Betrachtung des Fehlers von Torwart Heinz Müller vor dem 1:1. "Ich denke trotzdem nicht, dass wir eine Krisensitzung einberufen werden", sagte der Manager mit gewohnt trockenem Humor.

Müller-Patzer sorgt für Wende

Mainz hatte bis zur 31. Minute alles im Griff, ließ kaum eine Gelegenheit der Hausherren zu und führte durch den fünften Saisontreffer von Torjäger Nicolai Müller (12.). Doch dann patzte der Keeper der 05er schwer, und das Blatt wendete sich.

"Das Tor war klar mein Fehler. Aber darf man nicht lange drüber nachdenken. Wenn man als Torwart einen Fehler macht, ist das Ding meist drin. Das ist, nun mal leider so. Dumm gelaufen. Aber es war ja nicht nur das Tor. Alle 96er Tore waren komplett unnötig", konstatierte der FSV-Torwart im Gespräch mit SPORT1.

Müller war an einer Ecke von Edgar Prib vorbeigeflogen und hatte Hannovers Angreifer Mame Diouf damit dessen zweiten Saisontreffer ermöglicht. Die Rettungsaktion von Geis auf der Linie kam zu spät.

Kurze Zeit später traf Artur Sobiech nach Flanke von Lars Stindl - und das bis dato einseitige Spiel war zugunsten der Hausherren gedreht (37.).

Umstrittene Entscheidungen

Auch Tuchel wertete den Aussetzer seines Torwarts als Knackpunkt des Spiels. "Es war eklatant und in der Körpersprache zu sehen, wie wir auf den Ausgleich reagiert haben", sagte der 40-Jährige, der bei seinem Team ein Quäntchen Glück vermisste. Und in zwei Szenen den Pfiff von Winkmann.

In der 10. Minute hätte ein Ellbogenschlag von Marcelo tatsächlich zu einem Platzverweis führen können, und in der 66. Minute hatte der Brasilianer Dusel, als er im Strafraum einen Schuss von Niki Zimling mit der Hand abwehrte (66.). So blieb den 05ern die Chance auf das 2:2 verwehrt.

Schiedsrichter Winkmann pfiff nicht einmal zum mindestens fälligen Eckball.

Starker Start von Hannover

Hannover machte durch Didier Ya Konan (80.) und Prib (82.) vor 36.800 Zuschauern den dritten Heimsieg der Saison und den besten Start der eigenen Ligageschichte klar. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wir sind schwerfällig ins Spiel gestartet, haben Mainz nicht unter Druck gesetzt und sie sind zurecht in Führung gegangen", sagte Slomka:

"Wir waren aber in unserer vordersten Reihe sehr effektiv und haben in der Defensive aufopferungsvoll gekämpt. Wir freuen uns enorm."

Neuzugang für Mainz

Tuchel und Heidel ging dagegen kaum mehr ein Lächeln über die Lippen. Dabei ist der Saisonstart mit drei Siegen aus vier Spielen ebenfalls gelungen.

Dafür kann Heidel einen Erfolg auf dem Transfermarkt vorweisen: In der Winterpause stößt der bulgarische Nationalspieler Todor Nedelew (20) zu den Rheinhessen, nur noch Details sind zu klären.

"Wir rechnen ihm eine gute Perspektive zu", sagte der Sportdirektor.

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