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Calhanoglu (m.) erzielte für den K SC in der vergangenen Drittliga-Saison 17 Tore © getty

Freistoß-Fuchs Calhanoglu befreit den HSV vorerst aus der Krise. Kann sich auch der DFB wieder Hoffnung auf seine Künste machen?

Von Christian Paschwitz

München - Es war endlich mal wieder Zeit für große Gefühle beim Hamburger SV - sogar der positiven Art.

Torschütze Rafael van der Vaart formte mit den Fingern ein Herz in Richtung Tribüne, wo Neufreundin Sabia mit Sohnemann Damian zurückjubelte

Einen noch flauschigeren Liebesgruß bekam Hakan Calhanoglu zu spüren. (768235Bilder)

Dino Hermann wollte den 19-Jährigen nach dem befreienden 4:0 (2:0) gegen Eintracht Braunschweig (Bericht) am liebsten gar nicht mehr loslassen.

Fink, der Prophet

Dem Knuddel-Alarm des HSV-Maskottchens hielt Calhanoglu aber genauso stand wie den Erwartungen von Trainer Thorsten Fink.

Wenngleich die wohl nicht ganz verbindlich gemeint waren. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Ich habe Hakan vor seiner Einwechslung gesagt, dass er noch einen Treffer für uns machen wird. Ich habe natürlich nicht damit gerechnet, dass er gleich zwei macht", sagte der HSV-Coach.

Doch Calhanoglu wollte sich nicht lumpen lassen.

Erster Streich nach 45 Sekunden

Gerade mal 45 Sekunden war der Youngster im Spiel, da ließ er es mit seinem ersten Ballkontakt auch schon klingeln - und Braunschweigs Keeper Daniel Davari mit einem Flatterball so richtig alt aussehen (80.).

Kurz vor dem Abpfiff machte Calhanoglu dann den Deckel drauf - mit einem Freistoß-Knaller aus 18 Metern.

"Es ist bekannt, dass er ein Freistoß-Spezialist ist", meinte Fink nach dem ersten Hamburger Saisonsieg: "Aber in der Bundesliga zwei Tore zu schießen, ist für so einen jungen Spieler schon gewaltig."

Erst König Rafa, dann Prinz Hakan

Ein Doppelpack von Prinz Hakan, da nickte draußen auf der Bank auch König Rafa anerkennend.

Van der Vaart (7.) undt Jacques Zoua (17.) hatten die Weichen früh auf Sieg gestellt. Dann ging der Niederländer vom Feld. Calhanoglu übernahm und hatte ihm am Ende ein sogar bisschen die Show gestohlen.

"Das ist eine Sensation für mich", sagte das Mittelfeld-Talent:

"Ich glaube, ich kann heute Abend nicht schlafen. Ich bin so froh, dass der Trainer mir eine Chance gegeben hat."

Garant für KSC-Aufstieg

Weitere dürften für den Zugang vom Karlsruher SC folgen.

Zur Erinnerung: Dort hatte Calhanoglu in der Vorsaison gleich sieben Freistöße direkt verwandelt und in 36 Einsätzen 17 Tore erzielt.

Was nicht unwesentlich zum KSC-Aufstieg in die Zweite Bundesliga beitrug und Calhanoglu zum Drittliga-Spieler des Jahres machte, soll nun auch dem HSV wieder zurück in höhere Tabellen-Gefilde verhelfen.

Mentor van der Vaart

Die Zukunft beim Tabellen-Zwölften heißt Calhanoglu. Dessen Mentor heißt van der Vaart.

"Ich übe oft mit Rafa nach dem Training noch Freistöße und wenn er im Spiel nicht auf dem Feld ist, muss ich sie schießen. Dass es dann auch gleich so gut klappt, ist natürlich umso schöner", sagte der 19-Jährige.

Noch mehr freute Fink der erste Schritt aus der sportlichen Depression.

Zuletzt hatten die Hanseaten in der Liga am 20. April mit einem 2:1 gegen Düsseldorf einen Heimsieg gelandet.

Fink atmet durch

Der Trainer kennt seinen HSV und das nervöse Umfeld: "Wir wissen, wie schnell das kippen kann. Jetzt haben wir erst mal zwei Wochen Ruhe", meinte der Coach mit Blick auf die anstehende Länderspiel-Pause.

Danach geht es zu Vizemeister Borussia Dortmund.

Calhanoglu dürfte bis dahin ein Thema bleiben - nicht nur für den HSV.

Nominierung für die Türkei

Denn die Entscheidung des Juwels für die türkische Nationalmannschaft und damit gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) ist offenbar doch noch nicht endgültig.

"Er hat sich für die Türkei entschieden, aber hundertprozentig sicher hat das noch nicht geklungen", sagte Fink.

Unter der Woche hatte Calhanoglu eine Einladung des türkischen Nationaltrainers Fatih Terim für das WM-Qualifikationsspiel gegen Andorra am 6. September angenommen.

DFB droht herber Verlust

"Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen", hatte Calhanoglu bei "Sport Bild online" gesagt:

"Ich bin in Mannheim geboren, in Deutschland aufgewachsen. Aber der türkische Nationaltrainer Fatih Terim hat sich sehr um mich bemüht."

Käme Calhanoglu gegen Andorra zum Einsatz, wäre er für die Türkei "festgespielt".

Für den DFB wäre dies ein herber Verlust. Der HSV, wo er bis 2016 unter Vertrag steht, ist aber so oder so ein Gewinner.

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