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Filip Daems ließ die Kontrolle rund eine dreiviertel Stunde auf seine Urin-Probe warten © getty

Filip Daems lässt die Kontrolleure seiner Urin-Probe eine dreiviertel Stunde warten. Die Gründe sind unklar, die NADA ermittelt.

Von Christian Paschwitz

München - Kommt auf den deutschen Fußball ein neuer Fall von Schlamperei bei Doping-Kontrollen zu?

Nach dem gerade erst abgeebbten Wirbel um die Hoffenheimer Andreas Ibertsberger und Christoph Janker soll es schon vier Monate zuvor bei Borussia Mönchengladbach zu eklatanten Unregelmäßigkeiten bei einer Doping-Kontrolle gekommen sein.

Konkret betrifft es Filip Daems (Porträt).

Das berichtet die "Bild" und beruft sich dabei auf Informationen durch die Firma PWC, dem führenden deutschen Unternehmen zur Durchführung von Doping-Kontrollen.

45 Minuten zu spät

Gladbachs Kapitän war wie Teamkollege Karim Matmour nach dem Training am 26. Oktober 2008 zu einer Urinprobe einbestellt worden, heißt es.

Trotz mehrfacher Aufforderung soll Daems jedoch erst nach einer Verzögerung von rund einer dreiviertel Stunde im Kontrollraum erschienen sein.

"Daems erschien auch nach 20 Minuten nicht im Kontrollraum", wird in dem Bericht ein PWV-Mitarbeiter zitiert.

"Nach einer weiteren Wartezeit von 20 Minuten sprachen wir den neben dem Kontrollraum arbeitenden Zeugwart an. Nach weiteren fünf Minuten erschien Daems. Er wurde durch uns darauf hingewiesen, dass ein derartiger Ablauf nicht den Regularien entspricht."

NADA wusste von nichts

Unklar ist, warum Daems zu spät kam. Das Gleiche gilt dafür, weshalb die PWC den Verstoß nicht der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) mitteilte, die die so genannte Zielkontrolle bei Daems und Matmour in Auftrag gab.

Die NADA erklärte, über die Unregelmäßigkeit erst am Freitag unterrichtet worden zu sein. Daher wurde auch der DFB über den Vorfall nicht informiert.

Erst jetzt habe die Firma PWC angegeben, dass es bei der Kontrolle zu einem Fehlverhalten des Kontrolleurs gekommen sei.

Dem Mann sei inzwischen gekündigt worden. Die NADA kündigte an, die genauen Umstände des Vorfalls zu ermitteln.

Gladbach weist Vorwürfe zurück

Die Gladbacher (zur Vereinsseite) schildern derweil eine andere Sicht der Dinge: Daems "konnte den Becher nicht vollpinkeln", wird Borussias damaliger Doping-Beauftragter Michael Risse zitiert.

Und weiter: "Dann ist er mit Erlaubnis des Kontrolleurs alleine zur Massage, kam nach 35 Minuten zurück und hat eine ausreichende Probe abgegeben."

Auch Sportdirektor Max Eberl wies daher alle Anschuldigungen zurück. "Die Trainingskontrolle, von der dort die Rede ist, liegt fast ein halbes Jahr zurück", sagte er.

"Aus unserer Sicht handelte es sich um eine von unserer Seite korrekt durchgeführte Kontrolle, bei der sich Filip Daems genau an die Anweisungen des Kontrolleurs gehalten hat."

Einspruch gegen Hoffenheim läuft noch

Pikant: Nach Bekanntwerden der verpätet abgegebenen Probe von Ibertsberger und Janker hatten die Gladbacher Einspruch gegen die Wertung ihrer Partie gegen Hoffenheim (1:1) am zweiten Rückrunden-Spieltag eingelegt.

Nun steht dem Schlusslicht selbst Ärger ins Haus ? während die beiden 1899-Akteure, die mit einer Verspätung von zehn Minuten zur Dopingkontrolle erschienen waren, vorerst straffrei aus der Affäre hervorgegangen sind. (Freispruch für Hoffenheims "Doping-Sünder")

DFB-Präsident Theo Zwanziger sagte der "Bild": "Wir wollen keine Konfrontation mit der Nada. Aber der Vorfall zeigt, dass auch bei den von der Nada beauftragten Kontrollen Fehler passieren können."

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