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Kevin-Prince Boateng (l.) gab am Samstag sein Debüt unter S04-Trainer Keller © getty

Schalke ist nach dem Sieg gegen Bayer stolz auf seinen Transfercoup - und träumt schon von einem weiteren goldigen Zugang.

Aus Gelsenkirchen berichtet Andreas Reiners

Gelsenkirchen - Dennis Aogo plauderte zu fortgeschrittener Stunde ein wenig aus dem Nähkästchen.

"Ich kenne ihn jetzt schon seit 15,16 Jahren. Er war schon immer ein unglaublicher Spieler. Er hat schon in der Jugend mit seiner Präsenz den Gegnern Angst eingejagt und mit seiner Robustheit Eindruck hinterlassen", sagte der eine Neu-Schalker über den anderen Neu-Schalker: Kevin-Prince Boateng.

Präsenz ist das neue Zauberwort auf Schalke. Denn diese Präsenz hauchte den zuletzt oft orientierungslos wirkenden Gelsenkirchenern wieder neues Leben ein und gab ihnen vor allem die verlorene Stabilität zurück.

Führungsfigur für S04

Denn was beim 2:0 (1:0) gegen Bayer Leverkusen (Bericht) offensichtlich wurde: Den Schalkern hatte die Führungsfigur, die Boateng verkörpert, an allen Ecken und Enden gefehlt.

Die Krise zu Saisonbeginn war schließlich auch eine Krise der vermeintlichen Führungsspieler.

Alles gut also auf Schalke nach dem ersten Saisonsieg am vierten Spieltag? (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Nicht überragend, aber präsent

Natürlich nicht. Mit Aogo und Boateng waren die Schalker keineswegs brillant.

Der ghanaische Nationalspieler war gegen bis dato ungeschlagene, am Samstag aber erschreckend harmlose Leverkusener, der stabilisierende Antreiber und ein Spiegelbild der gesamten Mannschaft: Nicht überragend, aber eben präsent.

Horst Heldt musste die vergangenen Tage nach auch für ihn schwierigen Wochen dann auch erst einmal sacken lassen.

Die Erleichterung werde noch kommen, sagte Schalkes Manager SPORT1. Die diebische Freude über den überraschenden Zwölf-Millionen-Coup war ihm aber deutlich anzumerken.

Heldt: "Eine tolle Woche"

"Wir hätten einen Oscar dafür verdient, dass wir den Deal bis zuletzt geheim gehalten haben. Aber es war eine tolle Woche. Das haben sich alle verdient", sagte Heldt und bezeichnete Boateng als "Glücksfall":

"Er hat eine unheimliche Präsenz auf dem Platz und reißt die Mannschaft mit."

Der Hochgelobte zeigte derweil seine neue Bescheidenheit.

"Ich muss mich noch an die Spielart gewöhnen. Aber ich bin super glücklich und habe probiert, mich reinzuhängen. Meine Leistung war okay", sagte Boateng SPORT1.

Zuwachs für Tattoo-Truppe

Doch die immer noch vorhandenen Unsicherheiten in der Defensive konnte auch Boateng nicht ausmerzen. Obwohl er sich immer wieder weit zurückfallen ließ. (768235Bilder des Spiels)

Dennoch meinte Innenverteidiger Felipe Santana nach der Partie: "Wir haben keinen Druck gespürt. Wir haben mit viel Lust und Spaß gespielt."

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Der Brasilianer stand stellvertretend für die ganze Mannschaft: Gut gelaunt und gelöst.

Über den Zuwachs für die Tattoo-Truppe um Boateng, Aogo oder Jermaine Jones konnte Santana dann auch lachen: "Es wurde schon gesagt, dass wir jetzt nur noch Gangster in der Truppe haben. Wir haben aber gezeigt: Wenn wir uns auf eine Linie konzentrieren, können wir erfolgreich sein."

Einst "Bad Boy", jetzt bodenständig

Erfolgreich sein will auch Boateng. "Ich denke aber nur von Spiel zu Spiel", betonte er.

Die Vergangenheit hat Boateng abgehakt. Der einstige "Bad Boy" ist bodenständig geworden, sein Ego zeigt der gebürtige Berliner nur noch auf dem Platz.

"Das ist eine Veränderung: Man wird älter und fokussiert sich auf seinen Job. Das Bad Guy Image war früher", meinte Boateng.

Fußballspieler und Familienvater

Und als er auf die vermeintliche "Gangster-Truppe" seines neuen Klubs angesprochen wird, stellt er schließlich noch einmal klar, dass er dahingehend keinen Spaß versteht:

"Wir sind keine Gangster, sondern Fußballspieler und Familienväter." Boateng hat sich gewandelt.

Und dank ihm wirkt nun auch Schalke ein gutes Stück reifer.

Lob auch für Aogo

Doch bei allem Lob für die neue Führungsfigur schritt Trainer Jens Keller schließlich irgendwann ein.

"Mir kommt Dennis Aogo etwas zu kurz. Er hat uns mit seiner Präsenz unheimlich geholfen", sagte Keller.

Da war es wieder, das neue Schalker Zauberwort: Präsenz.

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