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Maxim (l., mit Vedad Ibisevic) war an allen drei Stuttgarter Toren beteiligt © getty

Stuttgart schießt sich gegen Hoffenheim den Frust von der Seele. Der neue Coach erklärt, was nun besser läuft als unter Labbadia.

Aus Stuttgart berichtet Patrick Mayer

Stuttgart - Um Punkt 17.19 Uhr war die VfB-Welt wieder in Ordnung.

Mit einer La Ola vor den treuesten Fans feierten die Stuttgarter ihren 6:2 (3:1)-Erfolg gegen 1899 Hoffenheim und damit die ersten Bundesliga-Punkte in dieser Saison.

Beim letzten Heimspiel gegen Leverkusen hatten die Anhänger das eigene Team und Trainer Bruno Labbadia noch mit Pfiffen bedacht.

Doch die schwachen Auftritte aus den ersten drei Saisonspielen wirken nun wie Ereignisse aus einer längst vergangenen Zeit.

Wie verwandelt trat der VfB gegen Hoffenheim auf und ballerte sich mit sechs Toren den Frust von der Seele.

Zugleich bescherte das Team Labbadias Nachfolger Thomas Schneider zum Bundesliga-Debüt gleich ein Schützenfest.

"Stimmung ist nun gut"

"Das war überragend, einfach Wahnsinn", freute sich der 40-Jährige hinterher bei "Sky".

Dabei klingen Schneiders Maßnahmen seit seinem Dienstantritt am Montag nicht unbedingt nach Hexenwerk.

"Wir sind als Einheit aufgetreten und haben gut und kompakt gegen den Ball gearbeitet", analysierte er - und verwies zugleich darauf, was unter Labbadia zuletzt nicht mehr stimmte: "Die Stimmung hier ist nun richtig gut."

Ibisevic hat Spaß

Die positive Atmosphäre im Team nannte auch Torjäger Vedad Ibisevic als Hauptgrund für die Leistungsexplosion.

"Es hat einfach Spaß gemacht. wir wollten nach schwierigen Wochen einfach richtig Gas geben. Und das war eine überragende Reaktion", sagte der Bosnier.

Mit drei Treffern (19., 47., 63.) hatte Ibisevic maßgeblichen Anteil am Kantersieg.

Maxim überragend

Bester Mann im baden-württembergischen Derby war aber der Rumäne Alexandru Maxim, der die Tore zum 1:0 durch Antonio Rüdiger (11. Minute) und 2:0 durch Ibisevic vorbereitete.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Er selbst traf nach einem kapitalen Schnitzer von Hoffenheims Torhüter Koen Casteels zum 3:1 (27.) und mit einem feinen Distanzschuss zum 5:1 (55.)

Defensiv Luft nach oben

Für Hoffenheim waren Kevin Volland zum 1:2 (26.) und Firmino zum 2:6 (87.) erfolgreich. Ihren Toren waren zwei der wenigen Fehler der Stuttgarter Innenverteidigung vorausgegangen.

"Wir haben noch Luft, was das Defensiv-Verhalten angeht", gab Schneider deshalb zu.

In der Abwehrmitte hatte er an Daniel Schwaab und Rüdiger festgehalten - trotz schwacher Leistungen in den vergangenen Spielen.

Sein Vertrauen sollte sich auszahlen. Schwaab spielte einen souveränen Part, Rüdiger bewies gar Torgefahr.

Maxim setzt Sahnehäubchen

Er war beim Führungstreffer weit aufgerückt, antizipierte am schnellsten und schob nach überlegtem Pass von Maxim gegen den Lauf von Casteels ein.

Das Sahnehäubchen seiner glänzenden Leistung setzte Maxim beim 5:1. Er setzte sich auf Halblinks an der Strafraumgrenze durch, visierte die lange Ecke an und traf mit einem feinen Schuss ins rechte Toreck. Die Canstatter Kurve tobte.

(768235Bilder des Spiels)

"Das war desolat"

Keinen Grund zum Feiern hatten die Hoffenheimer, die ihre erste Saisonniederlage einstecken mussten.

Das lag vor allem an der unzureichenden Defensivleistung. "Das war desolat", redete Kapitän Andreas Beck dann auch gar nicht lange drumherum: "Unsere Schwächen wurden eiskalt ausgenutzt."

Bestes Beispiel war das Stuttgarter 3:1. Timo Werner schlug einen weiten Ball auf Maxim - zu weit. Doch Casteels verschätzte sich beim Herauslaufen kapital. Der Belgier sprang am Ball vorbei, Maxim reagierte schnell und brauchte nur noch einzuschieben.

Beim 4:1 leistete sich David Abraham einen Stellungsfehler. Ibisevic lief nach einem weiten Ball auf und davon, umkurvte Casteels und schoss überlegt zum 4:1 ein.

Casteels wollte den für ihn schlimmen Nachmittag möglichst schnell vergessen: "Wir müssen dieses Spiel schnell abhaken."

Er sprach von Kollektivversagen: "Die ganze Mannschaft hat heute einen schlechten Tag erwischt.

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