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Torsten Lieberknecht ist seit 2008 Trainer bei Eintracht Braunschweig © getty

Der Braunschweiger Trainer verliert nach der Niederlage gegen den HSV die Nerven. Er wütet vor allem gegen die Schiedsrichter.

Hamburg - Dicke Luft beim Aufsteiger: Nach der vierten Pleite im vierten Spiel platzte Torsten Lieberknecht in aller Öffentlichkeit der Kragen, in einer Wutrede wie einst Rudi Völler knöpfte sich der Trainer von Eintracht Braunschweig in erster Linie die Schiedsrichter-Gilde vor.

"Du bist dieser kleine Piss-Verein, der auch bei den Schiedsrichtern nicht die Wahrnehmung hat. 50:50-Entscheidungen fallen immer für den Großen aus. Damit kämpfen wir seit dem ersten Spieltag. Das kotzt mich an", wetterte Lieberknecht nach der 0:4-Niederlage beim Hamburger SV (Bericht) im "NDR"-Radio: (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Es ist nicht nur so, dass meine Mannschaft auf dem Platz kämpft wie die Berserker und alles versucht, sondern wir müssen mit viel mehr Dingen kämpfen."(768235Bilder)

Es war ein explosiver Cocktail aus Frust, Bestürzung und jeder Menge Wut, der sich beim Architekten des Braunschweiger Aufstiegsmärchens in den zurückliegenden Wochen aufgestaut hatte und in den Katakomben der Hamburger Arena mit voller Wucht entlud.

Ärger über Zweikampf

Lieberknecht mokierte sich vor allem über einen Zweikampf vor dem 0:2. Nach einem langen Ball in den Braunschweiger Strafraum ließ sich Abwehrchef Deniz Dogan von Maximilian Beister zur Seite drücken.

Doch Referee Knut Kircher ließ zu Recht weiterlaufen, auch Dogan beschwerte sich nicht.

"Wenn du andauernd Freistöße gegen dich bekommst, vielleicht der eine oder andere berechtigt, und Eckbälle gegen dich bekommst, die keine waren, das tut dann auch weh", sagte Lieberknecht erbost.

Braunschweig bleibt harmlos

Dabei hatten sich die Löwen die neuerliche Pleite vor allem selbst zuzuschreiben.

Keine Durchschlagskraft im Angriff, keine Ordnung in der Abwehr und dazu ein unsicher wirkender Torhüter - die Niedersachsen blieben auch beim vierten Auftritt im Fußball-Oberhaus ihre Bundesliga-Tauglichkeit über weite Strecken schuldig.

Selbst die Aufstiegseuphorie, die Mitaufsteiger Hertha BSC bereits sieben Punkte bescherte, ist bei der Eintracht inzwischen vollkommen verflogen.

"Es kann nur besser werden. Aufgeben gibt es nicht", sagte Karim Bellarabi, klang dabei aber nur wenig enthusiastisch.

"Hauen uns die Dinger fast selber rein"

"Wir sind ganz gut reingekommen fünf Minuten lang und dann fallen die Tore komisch gegen uns", sagte Startelf-Rückkehrer Domi Kumbela konsterniert, "wir hauen uns die Dinger ja fast selber rein."

Tatsächlich begann der Liga-Neuling in Hamburg mutig und erspielte sich in den Anfangsminuten gute Gelegenheiten.

Doch nach dem frühen Rückstand durch Rafael van der Vaart (Lieberknecht: "Der erste abgefälschte Fuck-Ball geht rein") brachen die Niedersachsen kollektiv ein.

Fürther Schicksal droht

Weitere Neuzugänge wird es bis zum Ende der Transferfrist am Montagmittag wohl trotzdem nicht geben.

"Wir arbeiten tagtäglich bis tief in die Nacht, aber einen Milliardär haben wir nicht", sagte Lieberknecht dem "ZDF".

Und so droht dem Traditionsklub mit dem kleinsten Etat das gleiche Schicksal wie zuletzt der SpVgg Greuther Fürth.

Sie stieg im Sommer als Neuling sang- und klanglos ab, hatte zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Serie aber schon vier Zähler auf ihrem Konto.

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