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Jürgen Klopp (l.) und die BVB-Chefs holten Henrikh Mkhitaryan für 27,5 Mio. Euro © getty

Prominente Souvenirjäger und ein begeisterter Trainer: Mkhitaryan lässt Götze beim BVB vergessen. Klopp adelt seinen Star.

Aus Frankfurt berichtet Frank Hellmann

Frankfurt - Zumindest nach dem Spielende gelang einem Frankfurter das, was auf dem Platz meist nicht so recht klappen wollte.

Dortmunds Matchwinner Henrikh Mkhitaryan war nach dem Marsch durch den Spielertunnel noch gar nicht um die Ecke gebogen, da stellte sich ihm auch schon Jan Rosenthal in den Weg - und hielt den Armenier auf.

Ungewöhnlich - zumindest im Vergleich zu den vorherigen 90 Minuten. Da hatten sich die Hessen oft vergeblich bemüht, Mkhitaryan den Ball abzuluchsen. Jetzt ging es um das Trikot des BVB-Stars. Höflich wie Mkhitaryan ist, schlug er die Bitte nicht aus. Rosenthal bekam sein Souvenir.

Es war der einzig bleibende Erfolg für einen Eintracht-Profi an diesem Abend. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Dank gilt der Mannschaft

Mkhitaryan erledigte nach dem 2:1 (1:1) (Bericht) des Tabellenführers auch den Interviewmarathon artig.

"Das war ein Traumeinstand für mich", sagte der 24-Jährige: "Das freut mich sehr, das habe ich aber alles der Mannschaft zu verdanken. Ich fühle mich sehr wohl in Dortmund und freue mich, dass ich mein erstes Tor erzielt habe. Umso schöner ist es, dass ich dann auch noch ein zweites schieße."

BVB-Coach Jürgen Klopp befand, dass letztlich ein Geniestreich seines "kompletten Mittelfeldspielers" herhalten musste, um die teilweise zum wilden Schlagabtausch gewordene Auseinandersetzung in der zweiten Hälfte zu entscheiden. (768235Bilder des Spiels)

Klopp schwärmt

Es sind genau diese unberechenbaren Szenen, die den 27,5 Millionen Euro teuren Zugang von Schachtjor Donezk so wertvoll machen.

"Wir müssen ihn dabei blocken, aber das hat er einfach klasse gemacht", lobte sogar Frankfurts Trainer Armin Veh. Beide Tore hatte "Miki", wie auch Klopp seine neue Nummer zehn der Einfachheit halber nennt, mit links erzielt. "Dabei ist er ja eigentlich ein Rechtsfuß", schwärmte der BVB-Coach nach dem vierten Sieg im vierten Spiel.

Und dann hielt Dortmunds Trainer in der Pressekonferenz eine Lobrede auf seinen neuen Feingeist: "Er ist ball- und passsicher, hat einen guten Abschluss und tollen Schuss. Wie die Jungs halt so kicken, die so teuer sind."

Dabei lachte Klopp herzhaft. Und bemerkte in Richtung von Veh: "Für Armin oder mich hätte man nicht so viel Geld ausgegeben."

Verwegener Transfer

Tatsächlich hat die BVB-Führung einiges dafür getan, um diesen Deal abzuwickeln.

Eingedenk der verworrenen Besitzverhältnisse sprachen Beobachter von einem verwegenen Transfer. Der ukrainische Profifußball ist teils dubios, ja beinahe mafiös strukturiert.

Bei Mkhitaryan redeten auch noch dessen Ex-Klub Metalurg Donezk und sein Stammverein FC Pjunik Jerewan mit.

Letztlich nahm sich der Spieler in Mino Raiola (vertritt unter anderem Zlatan Ibrahimovic) einen nicht unbedingt bestens beleumundeten Berater, um seinen Wechselwunsch durchzusetzen.

Ein Star, fünf Sprachen

"Ich habe mich bewusst für die Bundesliga entschieden. Auch wenn viele noch immer meinen, dass die Premier League die beste Liga Europas ist", gab Mkhitaryan unlängst preis.

So schwierig sein Name auszusprechen ist, so selbstverständlich parliert er in fünf verschiedenen Sprachen.

Außer Armenisch und Russisch beherrscht er auch Englisch, Französisch und Portugiesisch. Und als er sich jüngst für ein Interview in ein Dortmunder Restaurant setzte, formulierte er seine Essenswünsche bereits auf Deutsch.

Fußballaffine Familie

Ihn als Weltbürger zu charakterisieren, kommt der Wahrheit sehr nahe.

Er ist zusammen mit seiner Schwester Monika sieben Jahre lang in Frankreich aufgewachsen, weil sein bereits im Alter von 33 Jahren verstorbener Vater Hamlet in der zweiten französischen Liga spielte.

Heute arbeitet seine Mutter Marina Tashchyan als Direktorin für die armenische Nationalmannschaft, die Schwester dient in der Schweiz UEFA-Präsident Michel Platini als Assistentin.

Und so stellt Klopp auf SPORT1-Nachfrage auch heraus: "Als Mensch ist 'Miki' sogar noch besser als als Fußballer. Das macht die Zusammenarbeit angenehm."

Tatsächlich scheint ein intelligenter Musterprofi wenig Anlaufzeit zu benötigen, um die Kollegen zu überzeugen. Nationalverteidiger Marcel Schmelzer glaubt: "An 'Miki' werden wir alle noch viel Freude haben."

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