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Alexandru Maxim (M.) hat mittlerweile drei Bundesligatore erzielt © imago

Beim Kantersieg über Hoffenheim zünden die Stuttgarter ein Feuerwerk. Nach dem Tasci-Abschied holt Bobic Ersatz aus Hannover.

Aus Stuttgart berichtet Patrick Mayer

Stuttgart - Tomislav Maric stand am späten Sonntagabend grinsend in den Katakomben der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena.

Seit einer Woche ist er als Assistenzcoach der Mann an der Seite des neuen VfB-Trainers Thomas Schneider.

"Man sollte immer in die Zukunft schauen. Schon als Spieler habe ich mir wenige Gedanken über die Vergangenheit gemacht", gab er das aktuelle Motto der Schwaben zum Besten.

Es wirkt, als hätten sie in dieser Woche vieles richtig gemacht. Was war, abhaken. Auf geht's nach vorne. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Was platt klingt, hat das neue Trainerteam seinem spielenden Personal offensichtlich eingeflößt. Mit 6:2 fegte der VfB 1899 Hoffenheim aus dem Stadion (Bericht).

"Positive Grundstimmung"

Die Erleichterung war naturgemäß groß. "Das Trainerteam hat seine positive Grundstimmung auf die Mannschaft übertragen. Ich war immer zuversichtlich, dass wir ein gutes Spiel machen würden", sagte Schneider.

Das Erfolgsrezept war denkbar einfach, wie Maric erklärte: "Wir haben keine Ziele ausgegeben."

Damit nahm das Trainerduo den Druck vom Team, den die Vereinsführung vor Saisonstart aufgebaut hatte.

Vehement hatten die Kluboberen den direkten Einzug in die Europa League gefordert.

Doch der Schuss ging mit null Punkten aus drei Bundesliga-Spielen und dem blamablen Aus im Europacup nach hinten los. Trainer Bruno Labbdadia war schnell weg, das Selbstvertrauen auch.

Lob und "super Stimmung"

Dabei verfügt das Team durchaus über spielerische Stärke, wie Maric betonte: "Das wir geile Fußballer haben, das wissen wir längst.". Und genau das gaben sie dem verunsicherten Team mit auf den Weg.

Vedad Ibisevic, Torjäger vom Dienst und gegen die TSG dreimaliger Torschütze, sprach folgerichtig von einer "super Stimmung".

Und Abwehrriese Antonio Rüdiger redete nach seinem ersten Bundesligator in einem Fluss, als wolle er den Frust der vergangenen Wochen loswerden.

Davon, wie Schneider auf die jungen Spieler setze; davon, dass das blamable Europapokal-Aus gegen HNK Rijeka abgehakt sei; davon, dass die Mannschaft eine "Riesen-Qualität" habe. Selbstvertrauen reloaded. Zurück in den Nur?die-Zukunft-zählt-Modus.

"Wir müssen nach vorne schauen", sagte der Juniorennationalspieler. Vergessen wirkt all der Frust, der bis in die Entlassung von Chefcoach Bruno Labbadia mündete. Viel Kritik hatte die Mannschaft einstecken müssen.

Maxim sticht heraus

Nach dem Galaauftritt gegen Hoffenheim klopfen sie sich in Bad Canstatt wieder auf die Schultern. Ein Mann stand dabei im Fokus der Lobesreden: Alexandru Maxim.

Der Rumäne bereitete zwei Tore mit dem Instinkt eines Spielmachers vor; zweimal trug er sich nach dynamischen Antritten selbst in die Torschützenliste ein. Er steht für die Aufbruchstimmung.

Vorwürfe vor Saisonstart

Unter Labbadia musste er sich vor Saisonbeginn mangelnde Fitness vorwerfen lassen .Die Vorbereitung einer Bundesligamannschaft überfordere ihn, hieß es.

"Er ist ein junger Bursche. Diesen muss man auch mal die Meinung sagen dürfen", meinte Sportvorstand Fredi Bobic damals. Doch Maxim wirkte sichtlich geknickt. Schneider und Maric haben ihm in kürzester Zeit wieder Selbstvertrauen eingeimpft.

"Ich hatte nie Bauchschmerzen mit der Entscheidung, ihn von Anfang an zu bringen?, schilderte der neue Chefcoach. "Er hat uns fußballerisch ungemein weitergeholfen."

Der Geadelte selbst wollte nichts sagen. Eilig schritt er aus der Arena, grinsend, das Handy am Ohr. Er hatte viel zu erzählen. Vielleicht auch davon, dass immer noch einiges an Arbeit auf die neuen Trainer und das Team wartet.

Haggui kommt

Die Abwehr ist weiterhin eine Großbaustelle. Leichtsinnig schenkte man gegen passive Hoffenheimer zwei Tore her.

Sportvorstand Fredi Bobic verpflichtete deshalb auf den letzten Drücker noch einen Verteidiger. Aus Hannover kommt der tunesische Nationalspieler Karim Haggui.

Er erhält beim VfB einen Zweijahresvertrag.

Eine Verpflichtung des Brasilianers Vilson war zuvor gescheitert.

Tasci verabschiedet

Haggui soll die Lücke schließen, die Serdar Tasci hinterlassen hat.

Der Ex-Nationalsppieler wechselte zu Spartak Moskau. Beinahe beiläufig wurde er am Sonntag kurz vor Spielbeginn verabschiedet. Beiläufig, obwohl er immerhin 14 Jahre für den Verein spielte.

Doch die Stuttgarter haben keine Zeit sich mit Vergangenem zu beschäftigen.

Es gehe jetzt darum eine kompakte Grundordnung reinzubekommen, "aus der die Mannschaft erfolgreich nach vorne spielen kann", meinte Schneider.

Qualität für Europacup

Zwei Wochen hat der erst 40 Jahre alte Trainer in der Länderspielpause Zeit, die Lücken in der Defensive zu schließen. Sie glauben wieder daran. Alle.

"Thomas Schneider baut auf junge Spieler", sagte der 20 Jahre alte Rüdiger.

Er musste lachen, so freute er sich. Und dann sagte er noch etwas, das so ganz zum zurück gewonnen Selbstvertrauen passt. "Natürlich wollen wir in die Europa League. Das ist der Anspruch der Mannschaft. Die Qualität haben wir definitiv."

Der VfB unter Thomas Schneider - zurück in die Zukunft.

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