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S04-Manager Müller (l.) muss zu Aufsichtsratsboss Tönnies zum Rapport © getty

Trotz des Siegs über Köln raucht es weiter bei Schalke. Der umstrittene Manager Andreas Müller bekommt noch eine letzte Chance.

Gelsenkirchen - Die Fans auf den Barrikaden, der Trainer unter Beschuss, die Spieler auf Konfrontationskurs und der Manager vor dem Aus:

Auch der zweite Bundesliga-Sieg nacheinander hat die Krise bei Schalke 04 nicht entschärft.

Im Gegenteil: Die Atmosphäre bei den Königsblauen ist trotz des 1:0 (1:0) gegen den 1. FC Köln weiter explosiv. (zum Spielbericht: Schalke und Rutten atmen auf)

Der umstrittene Manager Andreas Müller muss am Montag zum Rapport beim Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies antreten.

Entwicklung abhängig vom Gespräch

"Vom Ausgang dieses Gesprächs hängt die weitere Entwicklung ab", sagte Tönnies nach einem vierstündigen "informellen Treffen" am Samstag in seiner Villa in Rheda, an dem Aufsichtsrat und Vorstand teilnahmen.

Müller, schon seit November wegen seiner Einkaufspolitik der Sündenbock für die Fans, fehlte allerdings in dieser Runde.

Über die Ergebnisse des Gesprächs zwischen Tönnies und Müller soll anschließend der Aufsichtsrat informiert werden, der dann eine Entscheidung über die Zukunft des Managers fällen wird.

Weil Müller gleichzeitig Vorstandsmitglied ist, sind bestimmte Regularien und Fristen einzuhalten. Die nächste ordentliche Sitzung des Gremiums ist am 17. März.

"Es wirkt nicht nach außen"

Am Freitag hatte Müller einmal mehr die fehlende öffentliche Unterstützung seines Chefs beklagt: "Das Bekenntnis gibt es ganz deutlich innen, aber es wirkt nicht nach außen."

Tönnies konnte sich aber erneut nicht zu einem Treuebekenntnis durchringen. Alles sei vom sportlichen Erfolg abhängig.

Der Sieg gegen Köln drei Tage nach dem Pokaldebakel beim Zweitligisten FSV Mainz 05 beruhigte die Gemüter keineswegs. "Was hier passiert, ist nicht normal", schimpfte Torschütze Jermaine Jones.

Team verweigert Gang in die Kurve

Zuvor hatten die Zuschauer in der Schlussphase ihrem Unmut mit wütenden Pfiffen Luft gemacht und die Spieler daraufhin den obligatorischen Gang in die Kurve verweigert.

Den Fan-Boykott verteidigte der neue Wortführer der Schalker Mannschaft: "Man kann nicht immer alles gutreden, wenn es nicht so ist."

Die gellenden Pfiffe hatte vor allem Trainer Fred Rutten provoziert, als er 20 Minuten vor Schluss in Marcelo Bordon den sechsten Abwehrspieler einwechselte und wenig später auch noch den neuen Publikumsliebling Vicente Sanchez vom Feld nahm.

"Rutten raus!", schallte es erstmals laut durch die Arena. Später mischten sich die schon bekannten "Müller raus"-Rufe in den Chor der Unzufriedenen, sodass der Protest der Basis am Ende wie "Rüller raus" klang.

Rutten wie ein Angeklagter

Rutten musste sich anschließend wie ein Angeklagter für seine Auswechselungen rechtfertigen. "Wir brauchten körperliche Kraft", sagte der Niederländer, der allem Anschein nach zunächst weiter arbeiten darf.

"An unserer Einschätzung zum Trainer hat sich nichts geändert", sagte Geschäftsführer Peter Peters nach dem Treffen am Samstag.

Wieder spielerische Mängel

Auch gegen Köln war vor 61.673 Zuschauern einmal mehr deutlich geworden, dass der zweitteuersten Mannschaft der Bundesliga vor allem die spielerische Qualität fehlt.

Jones war als Dauerrenner und Torschütze (28.) der überragende Akteur.

Neben der gelungenen Kombination, die über Sanchez und Ivan Rakitic zum 1:0 führte, gab es in 93 Minuten nur noch einen weiteren sehenswerten Angriff, der wegen Kevin Kuranyis Handspiel nicht mit einem Tor belohnt wurde (42.).

Per Mauertaktik zum Sieg

Am Ende brachte Schalke mit Ruttens Mauertaktik, viel Glück und einem ganz starken Torwart Manuel Neuer den Vorsprung über die Zeit - und die Fans gegen sich auf.

"Früher war nach Siegen alles gut. Jetzt haben wir eine neue Situation", stellte Peters nachdenklich fest: "Jetzt müssen wir auch nach einem Sieg diskutieren."

Der Vize-Präsident des Ligaverbandes hält nach dem dritten Dreier in den vergangenen fünf Bundesliga-Spielen aber noch das Ziel Europapokal für erreichbar:

"Es heißt jetzt: Kämpfen bis zum Schluss, kämpfen, kämpfen, kämpfen. Im Pokal und Europacup haben wir verloren, aber in der Bundesliga noch nicht."

Unterstützung bekamen die unter Beschuss stehenden Schalker Sportchefs von Kölns Trainer Christoph Daum.

"Ich hoffe, dass Schalke jetzt die Wende schafft. Müller und Rutten haben Unterstützung verdient", sagte der FC-Coach und prophezeite:

"Wenn Schalke fünfmal 1:0 gewinnt, werden die Leute, die jetzt pfeifen, wieder klatschen."

Kölner zu ängstlich

Dass er fast nur nach der Schalker Situation gefragt wurde, kam Daum wahrscheinlich nicht ganz ungelegen.

So musste er nicht erklären, warum die Kölner nach ihrem 2:1-Triumph bei Bayern München ausgerechnet beim Krisenklub der Liga so ängstlich begonnen und erst in der letzten halben Stunde wirklich Druck aufgebaut hatten.

Die Schalker "Vehemenz", mit der sein Team "in der Abwehr festgenagelt" worden sei, hatte außer ihm kaum jemand gesehen.

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