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Matthias Sammer ist seit Juli 2012 Sportvorstand beim FC Bayern München © getty

Der FCB-Sportvorstand ordnet seine Rolle im Gefüge des Rekordmeisters ein, stützt Präsident Hoeneß und fordert die Mannschaft.

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - Matthias Sammer musste sich einiges anhören. "Arrogant" sei er und gleichzeitig "zu bieder", doch immerhin könne er ja den Profis des FC Bayern "in den Arsch treten".

Volkes Stimme hatte gesprochen. Genauer gesagt, Münchner und Touristen, die den Sportvorstand des FC Bayern bei einer Straßenumfrage einschätzten sollten.

Es spricht für Sammer, dass er bei der Premiere der "Munich Talk Night" die Komplimente ("hochkompetent") an- und die übrigen Meinungen mit Humor hinnahm, sich anschließend in seinem weißen Ledersessel in der Alten Kongresshalle aufrichtete und versuchte, die öffentliche Wahrnehmung in seinem Sinne gerade zu rücken.

Sammer sprach mit Moderator Jochen Sattler ohne Pause mehr als 90 Minuten, länger als ein Fußballspiel im Normalfall läuft also. Und auch wenn bisweilen Themen abrupt beendet wurden, ließ sich doch einiges über den 45-Jährigen erfahren.

"Eine Schule fürs Leben"

Vom ehemaligen DDR-Fußballspieler, der "zwei Monate lang" seine ersten adidas-Schuhe mit ins Bett nahm. Vom verliebten Jüngling, den seine spätere Frau "am Anfang einfach total bescheuert" fand. Und vom Nationalspieler Sammer: "Zimmerkollege Lothar Matthäus? Das war eine Schule fürs Leben."

Mindestens genauso lehrreich ist seine aktuelle Aufgabe als FCB-Sportvorstand: Sammer sieht sich dabei als einen, der im Idealfall auf die Mannschaft wirken, den Trainer schützen und nebenbei noch Nachwuchs- und Scoutingbereich voranbringen sollte.

Fünf Titel haben die Münchner in den vergangenen 14 Monaten geholt, seit Sammer auf Christian Nerlinger gefolgt ist.

Sammer auf Positionssuche

Seinen eigenen Anteil daran, findet der gebürtige Sachse dabei aber "wurscht", denn: "Ich habe mich bei Bayern ein- und unterzuordnen." Und offen gesteht er ein: "Man muss erstmal seine Rolle finden", schließlich seien Aufsichtsratsboss Uli Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge "seit 40 Jahren im Verein".

Ohnehin stört ihn die ständige Machtfrage von außen.

"Es entscheidet immer ein Gremium, nie einer allein", betont Sammer. Eine klare Aussage, auch wenn bei der Entscheidung Pep Guardiola zu holen, Bauchmensch Hoeneß ziemlich stark Regie geführt haben dürfte.

"Brauchen Uli Hoeneß ganz lange"

Wie der Bayern-Präsident arbeitet und wie er auch unter der Steueraffäre leidet, erlebt Sammer unmittelbar. Sein Plädoyer für Hoeneß ist umso deutlicher.

"Wir brauchen Uli Hoeneß ganz lange, er ist inhaltlich für den Verein ganz wichtig", erklärte Sammer: "Ich habe den großen Wunsch, dass es für ihn als Mensch positiv ausgeht."

Hoeneß steckt in einer juristischen Schwebesituation, auch eine Haftstrafe ist in dem drohenden Gerichtsverfahren nicht auszuschließen.

Sammer weiß, wie wichtig Hoeneß für das Selbstverständnis des Klubs ist. Und wie gut umgekehrt Erfolge wie der Sieg im europäischen Supercup dem Bayern-Boss tun - und nicht nur ihm.

Guardiola vor Prüfungen

"Der Supercup war extrem wichtig", erklärt Sammer in der Alten Kongresshalle, drei Tage nach dem Elfmeterthriller gegen Chelsea. "Pep Guardiola hat die Seele der Mannschaft angesprochen", berichtet er und einen Moment lang hörte man ihn trotz 250 Zuhörer laut nachdenken.

Wie packend der Spanier die Mannschaft geführt und motiviert habe, beeindruckt den Charakterkopf noch immer. Dabei ist Sammer trotz des bislang geglückten Saisonstarts klar: "Die Prüfungen kommen noch."

Der Trainerwechsel zu Guardiola bringe dem Team neue Reize, ist der 45-Järhige überzeugt, Verbesserungspotenzial sei allerdings auch beim Triplesieger vorhanden.

Warnung an die Mannschaft

"Wir müssen ein Stück weit unberechenbarer sein", forderte der Sportvorstand. "Auch nach dem Champions-League-Finale sollten wir die ersten 20, 25 Minuten nicht vergessen." Genau in dieser Phase dominierte nämlich Dortmund, nicht der FCB.

Und an die Mannschaft gerichtet, meinte er: "Die zwei Punkte, die wir in Freiburg liegen gelassen haben, ärgern uns. Wir haben uns in der Stabilität nach hinten ein Stück weit verbessert, wir haben zu viele Chancen liegen gelassen, müssen die Tore machen."

Sammer formulierte mit heiligem Ernst. Die Klischees über ihn hatte er zu dem Zeitpunkt längst beseitigt.

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