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Der SSV Ulm durchlebte in den letzten 15 Jahren sämtliche Höhen und Tiefen © imago

Von Bundes- bis Verbandsliga hat Ulm alles durch. Nun ist der Klub auf Konsolidierungskurs, trotz eines internen Machtkampfes.

Von Andreas Reiners

München - Geschichte wiederholt sich, sagt man. In Ulm können sie das inzwischen nicht mehr hören.

Denn in den vergangenen Tagen vor dem Duell der Ex-Bundesligisten mit dem FC Homburg (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und auf SPORT1.fm) geisterte mal wieder das Horrorszenario einer Insolvenz durch den Verein. Der Klub stehe am Abgrund, sagte Vizepräsident Georg Unbehaun, ehe er zurücktrat. Nicht, ohne zuvor zu mahnen:

"Wenn kein Wunder geschieht und von irgendwoher viel Geld kommt, dann geht der Ofen demnächst aus", wurde Unbehaun von der "Schwäbischen Zeitung" zitiert.

Der Ex-Finanzminister des Klubs hatte angeblich eine Investorengruppe um TV-Anwalt Ingo Lenßen an der Hand. Die Bedingung: Ein Rücktritt von Präsident und Trainer Paul Sauter. Der hat nun wiederum die Dinge selbst in die Hand genommen. Und das erfolgreich, so scheint es.

Der Etat ist gesichert

"Ich habe Gespräche mit seriösen Leuten geführt, die Geld haben. Der Etat für die laufende Saison ist durch die Unterstützung dieses Freundeskreises gesichert", so Sauter in der "Augsburger Allgemeinen".

Sollte er Recht behalten, wäre die dritte Insolvenz des Traditionsklubs nach 2001 und 2010 vorerst abgewendet.

Es wäre ein kleiner Erfolg für den Klub, der gegen Homburg wieder auf der etwas größeren Fußball-Bühne steht. Gute zwölf Jahre ist es her, dass die Ulmer eine der Hauptrollen spielten.

Dem Höhenflug folgt der Absturz

Wenn auch nur vergleichsweise kurz: Die "Spatzen" hatten innerhalb von nur vier Jahren zunächst mit dem Durchmarsch von der damaligen dritthöchsten Spielklasse in die Bundesliga zum Höhenflug angesetzt, ehe danach umgehend der ebenso steile Sturzflug folgte.

Dazwischen: Die Saison 1999/2000 - ein einziges Jahr in der Bundesliga. Doch diese zwölf Monate wird in Ulm wohl niemand mehr vergessen.

Die Euphorie war riesig. Die Stadionkapazität wurde auf 23.000 aufgestockt, 15.000 Dauerkarten verkauft. Und bereits am vierten Spieltag schrieben die Ulmer Geschichte. Wenn auch anders, als gedacht.

Vier Rote Karten

Denn beim Gastspiel in Rostock sahen vier Ulmer Rot, zudem mussten Trainer Martin Andermatt und Manager Erich Steer auf die Tribüne. Zu acht trifft Ulm zum 1:1, ehe Hansa in der Schlussminute das 2:1 macht. Janusz Gora ist nicht mehr zu bremsen, sein "Skandal"-Schrei in die Kamera ist inzwischen legendär.

Nach 24 Spieltagen findet sich einer der krassesten Außenseiter der Bundesliga-Historie mit 30 Punkten auf Rang zwölf wieder. Der Rückstand zu den Europapokal-Plätzen war geringer als der Abstand zu den Abstiegsrängen.

Doch der Absturz, der folgte, ist ebenfalls legendär.

Historische Pleite

Nach einer historischen 1:9-Pleite gegen Bayer Leverkusen schafften die Ulmer bis zum Saisonfinale nur noch einen einzigen Sieg - zu wenig, drei Punkte fehlen am Ende zum rettenden Platz 15.

"Wir verarbeiten die Enttäuschung und gehen an die Planung des Wiederaufstiegs", sagte Andermatt damals.

Es kam anders, im Eiltempo ging es in die Niederungen des deutschen Fußballs. Nach dem Abstieg in die Zweite Liga konnten die Spatzen auch dort die Klasse nicht halten, verloren ihre Lizenz und mussten 2001 schließlich zurück in die Verbandsliga, damals die fünfthöchste Klasse.

Ein kurzer Rausch

Was bleibt vom Abenteuer Bundesliga? Eine einjährige Party, ein kurzer, aber intensiver Rausch, dem ein jahrelanger Kater folgen sollte. Es war wie ein Märchen, doch ohne das übliche Happy-End.

2010 folgte die zweite Insolvenz, der Klub musste aus der Regionalliga erneut runter in die Oberliga. Die gute Nachricht: Die Gläubiger nahmen den Insolvenzplan an, Ulm kehrte 2012 in die Regionalliga zurück. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle der Regionalliga Südwest)

Und hat nun ambitionierte Pläne: Das Projekt "Profifußball in Ulm" verfolgt das Ziel, 2014 in die Dritte Liga aufzusteigen. Das Problem: Nach nur einem Sieg aus sechs Spielen heißt es schon jetzt Abstiegs- statt Aufstiegskampf.

Doch wenn sich schon sportlich die Geschichte in Ulm nicht wiederholt, lädt man sie eben ein. Rainer Scharinger, eine der Größen aus der Bundesliga-Saison 1999/2000, ist heute Abend als SPORT1-Experte im Einsatz.

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