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Hakan Calhanoglu war in der vergangenen Saison an den KSC ausgeliehen © getty

Was ein Sieg bewirken kann - der berüchtigte Knoten scheint beim HSV geplatzt zu sein. Youngster Hakan Calhanoglu lässt hoffen.

Von Christoph Lother

München - Vier Tage lang war die zuletzt so zerrüttete Fußball-Welt in Hamburg wieder in Ordnung, dann machte Ernst-Otto Rieckhoff die nächste Baustelle auf.

Die Pläne des ehemaligen Aufsichtsratschefs, die Profi-Abteilung des Hamburger SV auszugliedern und in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln, sorgten unter den Fans des Traditionsvereins für große Diskussionen (Bericht).

Dabei hatten sich die durch den enttäuschenden Saisonstart und etliche Querelen erhitzten Gemüter in der Hansestadt doch gerade erst wieder abgekühlt.

Presse feiert Doppelpack gegen Braunschweig

Mit 4:0 hatten die Hamburger Eintracht Braunschweig am Wochenende vom Platz geschossen, Neuzugang Hakan Calhanoglu sich dabei in nur elf Minuten zum großen Hoffnungsträger für eine ganze Saison aufgeschwungen.

All die Mallorca-Trips und verbalen Vorstöße von Investoren schienen mit einem Schlag vergessen, Doppeltorschütze Calhanoglu hatte das vorherige Chaos in pure Ekstase verwandelt.

Als das "personifizierte Versprechen auf magische Momente", den Mann mit dem "Gold in den Füßen" und "Hamburgs Fußball-Prinzen" feierten regionale Medien den 19-jährigen Offensivmann.

Calhanoglu selbstbewusst

Nach nur einem Sieg träumen sie in Hamburg schon wieder vom internationalen Geschäft.

Allen voran Calhanoglu selbst. "Wir schaffen das, ich weiß es", sagt der begnadete Techniker mit Blick auf den von Trainer Thorsten Fink im Sommer als Saisonziel ausgegebenen sechsten Tabellenplatz in der "Sport Bild".

Den Sturm auf Europa auszurufen, wirkt angesichts der gerade mal vier Zähler, die der HSV in der bisherigen Spielzeit anhäufen konnte, zwar etwas verfrüht.

Hoffnung auf ein schnelles Aufbäumen des zuletzt so stark ins Wanken geratenen Bundesliga-Dinos macht der junge Calhanoglu aber durchaus.

Erste Vergleiche mit Özil

Der flinke Mittelfeldspieler, der im WM-Qualifikationsspiel gegen Andorra am Freitag aller Voraussicht nach sein Debüt in der türkischen A-Nationalelf feiern wird, besticht vor allem durch seine Vielseitigkeit.

Technik, Spielübersicht und Schnelligkeit sind Attribute, die Calhanoglu nahezu in Perfektion auf sich vereint.

Sein damaliger Trainer beim Karlsruher SC, Jörn Andersen, verglich den gebürtigen Mannheimer schon im zarten Alter von 17 Jahren mit Nationalspieler Mesut Özil.

Freistoß-Künstler der alten Schule

Ein Kompliment, das Calhanoglu auch heute noch gerne annimmt. "Von unseren Anlagen her gibt es schon Parallelen", sagt der Hamburger Neuzugang und kündigt selbstbewusst an: "Mein Ziel ist es, einmal eigene Spuren zu hinterlassen."

Die hinterließ Calhanoglu zuletzt auch - oder vor allem - bei Standardsituationen. Sieben seiner insgesamt 17 Drittliga-Tore für den KSC erzielte der 1,78-Meter-Mann in der vergangenen Saison per Freistoß.

Eine Stärke, die sich der ehrgeizige Calhanoglu selbst erarbeitet hat. "Normale Tore zählten nicht als Treffer, nur Schüsse gegen die Latte und den Pfosten", berichtet er von den endlosen Schussübungen mit Vater Hüseyin und Bruder Muhammed während seiner Kindheit.

Calhanoglu will van der Vaart beerben

Beim Heimspiel des HSV gegen Braunschweig riss Calhanoglu dem verwunderten Jacques Zoua den Ball aus der Hand - und knallte ihn in den linken Winkel.

Ohnehin mangelt es dem Deutsch-Türken, der es bislang auf 180 Bundesliga-Minuten bringt, nicht an Selbstvertrauen.

"Wenn Rafael seine Karriere beendet, will ich seinen Platz auf der Zehn", bringt er sich selbst als möglichen Erben für den mittlerweile 30-jährigen HSV-Kapitäns Rafael van der Vaart ins Gespräch.

Auch Beister blüht auf

Bis es einmal so weit ist, spiele er aber auch gerne auf der Außenbahn, so Calhanoglu.

Auf der schickt sich mit Maximilian Beister unterdessen noch ein weiterer Jungstar an, nach zwischenzeitlicher Ausleihe an Fortuna Düsseldorf endlich den Durchbruch zu schaffen.

Auf ein Tor und zwei Vorlagen bringt es der zuletzt stark aufspielende Beister nach den bisherigen vier Liga-Partien.

Es sind die vermeintlich Kleinen, die den großen HSV allmählich wieder in die Spur bringen.

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