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Ex-Aufsichtsratsboss Ernst-Otto Rieckhoff will den HSV umbauen © getty

Ex-Aufsichtsratsboss Rieckhoff will den HSV umbauen und sorgt damit bei den Anhängern für Unruhe. Vorbild ist Bayern.

Hamburg - Die Internet-Foren liefen heiß, bei Twitter ging ordentlich die Post ab und die Facebook-Seite der HSV-Revoluzzer stand kurz vor dem Kollaps:

Die Pläne vom Ex-Aufsichtsratsboss Ernst-Otto Rieckhoff zur Neustrukturierung des Hamburger SV sorgen bei den Fans für reichlich Zündstoff.

Mit der Ausgliederung der Profi-Abteilung soll der Verein nach dem Vorbild des FC Bayern für Investoren geöffnet werden. Zuletzt war ein ähnlicher Versuch allerdings kläglich gescheitert.

"Hausgemachtes Negativ-Image"

"Kein durchschlagskräftiger Partner und keine Persönlichkeit engagieren sich mehr innerhalb der vorhandenen Vereinsstruktur, die mit einem hausgemachten Negativ-Image schwer belastet ist", sagte der ehemalige Chef-Kontrolleur Rieckhoff.

Er nutzte die Länderspielpause der Bundesliga geschickt für das Bewerben seiner Pläne.

"Wir orientieren uns an den Besten der Bundesliga und wollen finanziell wieder handlungsfähig werden, um unsere Mannschaft verstärken zu können", erklärte Rieckhoff.

Umbau beim HSV

Der 61-Jährige will die Profi-Abteilung des Bundesliga-Dinos in eine Aktiengesellschaft umwandeln, den aufgeblähten Aufsichtsrat quasi halbieren (von elf auf sechs Mitglieder) und den Klub damit für Investoren wie den umstrittenen Klaus-Michael Kühne öffnen.

Der HSV, das versicherte Rieckhoff, solle jedoch "niemals zum Spielball externer Geldgeber" werden und schlägt deswegen eine 50+1-Regel vor, wonach die Mehrheit der Anteile immer beim Verein liegen soll.

Rieckhoff setzt auf Promi-Faktor

Bei der Überzeugung der Vereinsmitglieder setzt Rieckhoff voll auf den Promi-Faktor und hat mit Ditmar Jakobs, Holger Hieronymus und Thomas von Heesen drei Europapokalsieger von 1983 mit ins Boot geholt.

"Wir waren mal Markführer. Davon sind wir im Moment ziemlich weit weg", kritisierte Hieronymus die aktuelle Situation. Und HSV-Legende Jakobs ergänzte: "Wenn die so weiterarbeiten wie bisher, wird es den Verein nicht mehr so lange in der Form geben."

Obwohl die am Dienstag vorgestellte Initiative "HSVPlus - Aufstellen für Europa" schon innerhalb weniger Stunden Tausende Unterstützer bei Facebook sammeln konnte, dürften die Pläne an der Elbe nur schwer zu realisieren sein.

Vorschlag scheiterte bereits einmal

So scheiterte der frühere Vereinsboss Bernd Hoffmann vor acht Jahren mit einem ähnlichen Vorstoß. Seinen Antrag auf eine Ausgliederung zog der bei den Fans unbeliebte Hoffmann noch vor den Abstimmung aufgrund der negativen Stimmungslage zurück.

Der aktuelle HSV-Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow reagierte jedenfalls gelassen auf die Pläne von Rieckhoff und Co.. "Wir wussten davon, dass dieser Vorschlag kommen würde. Wir werden das mit Interesse verfolgen und in Ruhe bewerten", sagte Jarchow.

Supporters-Chef will abwarten

Christian Bieberstein, Chef des mächtigen Supporters-Fanklubs (55.000 Mitglieder), bezeichnete die Entscheidung über die Einbindung von Investoren als "Königsfrage, die jedes Mitglied für sich selbst entscheiden muss". Zurzeit sei die Mitgliedschaft gespalten.

"Wir werden den Entscheidungsprozess erst einmal neutral begleiten, auch wenn jeder von uns natürlich seine eigene Meinung hat", sagte Bieberstein vielsagend, "aber dass sich Dinge ändern müssen, ist klar."

Votum hat Gewicht

Sein Votum dürfte für die Abstimmung im Januar 2014 richtungweisend sein. Bei der Mitgliederversammlung müsste der Vorstand mit einfacher Mehrheit beauftragt werden, eine Ausgliederung vorzubereiten.

Für einen späteren Vollzug wäre dann bei einer weiteren, außerordentlichen Versammlung sogar eine Dreiviertelmehrheit nötig.

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