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Thomas Schneider hat für den VfB 133 Spiele bestritten © getty

Thomas Schneider krempelt das Stuttgarter Team kräftig um. Bei SPORT1 verspricht der neue Coach der Schwaben attraktiven Fußball.

Von Patrick Mayer

Stuttgart/München - #Aufbruch1893. Der Eintrag steht auf dem Stadionheft, auf Plakaten, es ist der Hashtag des meist abgerufenen Twittereintrags des VfB Stuttgart.

User "Enrique" schreibt: "Hoffentlich geht?s jetzt wieder aufwärts, dem Schneider trau? ich das zu."

Der Schneider, das ist Thomas Schneider. Und der ist seit zehn Tagen neuer Cheftrainer des VfB. Er steht binnen kürzester Zeit für beide Begriffe.

Sowohl für den Aufbruch als auch den Verein selbst. Rund um Bad Canstatt spüren sie eine neue Begeisterungsfähigkeit. Der Spaßfußball sei zurückgekehrt, heißt es.

Vorüber scheinen die bleiernen Zeiten unter "Bremser" Bruno Labbadia, der jedwede aufkommende Euphorie sofort im Keim erstickte. "Toll, hochtalentiert, Spaß", der 40 Jahre alte Schneider spricht eine andere Sprache.

"Er kommuniziert sehr gut"

Das mögen die Schwaben. "Ich kenne das Umfeld hier in Stuttgart. Ich bin in diesem Verein groß geworden. Ich weiß, welche Ansprüche dieser, aber auch die Fans haben. Sie wollen vor allem anspruchsvollen Fußball sehen", sagte der frühere Bundesligaverteidiger im Gespräch mit SPORT1:

"Wir werden daran arbeiten, dass sie das zu sehen bekommen."

Die Spieler sind voll des Lobes. "Ich habe mit ihm nicht ganz eine Woche zusammengearbeitet, habe aber schon jetzt einen sehr positiven Eindruck von ihm. Er geht die Sache sehr ehrlich an und kommuniziert mit uns Spielern sehr gut", sagt Martin Harnik im Gespräch mit SPORT1.

Bereit für die Herausforderung

Schneider stellt sich einer großen Herausforderung, dabei war sein Start unglücklich: Der VfB schied im Rückspiel der Europa-League-Playoffs gegen Rijeka aus, doch das 6:2 gegen die TSG Hoffenheim (Bericht) brachte die Aufbruchstimmung zurück.

Schneider kennt den Verein, der Klub kennt ihn. Das passt. Der VfB möchte dieser Tage Identifikation schaffen. Schneider trug das Trikot mit dem Brustring zwölf Jahre, wurde mit Stuttgart 1992 Meister und 1997 DFB-Pokalsieger.

Schon vor der Saison sagte Sportvorstand Fredi Bobic, dass man die "Leute wieder für den VfB begeistern" will.

Schneider ist sein Protagonist. Bobic braucht einen mit vorwärtsgewandter Körpersprache. Und die hat Schneider. Selbstbewusst schreitet er bei Spielen die Coaching-Zone auf und ab.

Das Team vertraut dem Neuen

Und das Team vertraut ihm: "Ich glaube, dass wir mit ihm sehr viel erreichen können. Mit ihm sind wir auf dem richtigen Weg", sagt Martin Harnik zu SPORT1.

Schneider gibt den Spielern ein anderes Selbstverständnis. Ausputzer William Kvist, unter Labbadia zuletzt keine Alternative mehr, erhält wieder mehr vertrauen. Und in Alexandru Maxim blüht noch ein weiterer Profi auf.

Den hochbegabten, aber schludrigen Rümänen, hatte Bobic im Winter zum Spottpreis nach Stuttgart transferiert.

Schneider mahnt - und fördert

Ganz ohne Bremse geht es aber auch bei Thomas Schneider nicht - das zeigt sich bei der Personalie Maxim.

"Was man von ihm erwarten kann, das hängt davon ab, wie sehr bereit er dazu ist, sich auf den Job zu konzentrieren und entsprechend Gas zu geben. Er hat ein großes Potenzial, das zeigt er in den Trainingseinheiten. Unsere Aufgabe ist ihn dahinzubringen, dass er sein Potenzial konstant ausschöpft", stellt Schneider fest.

Sein Job also. Und für diesen hat er exzellente Voraussetzungen.

Die Jugend steht im Vordergrund

Er hat sie sich akribisch angeeignet: Als er in der Saison 2008/2009 die U 19 des FC Dingolfing coachte, hospitierte er parallel in Hoffenheim, beim VfB, bei Hannover 96 und bei Sporting Lissabon.

Zuletzt trainierte er die U-17-Mannschaft des VfB, wurde mit ihr Deutscher Meister. Er gilt als eines der größten Trainertalente in Deutschland. Er ist ein typischer Jung-Menschen-Trainer.

Beim Europapokal-Aus gegen Rijeka leistete sich der 23 Jahre alte Benedikt Röcker einen kapitalen Schnitzer, der zum 0:1 führte. Schneiders Kommentar: "Alle fordern immer, dass die jungen Spieler zum Zug kommen sollen. Ich habe kein Problem mit diesem Fehler."

Aus Fehlern lernen

Aus solchen Fehlern müssten die Jungs gestärkt hervorgehen, meinte er. Viele von diesen hat er selbst trainiert. Und Schneider bringt sie gerne auf ungewohnten Positionen.

Der 17 Jahre alte Timo Werner ist gelernter Stürmer. Unter Schneider spielt im linken Mittelfeld - als Aktivposten mit einer für sein Alter unglaublichen Routine.

Und einem anderen, den er unter seinen Fittichen hatte, verhalf er jüngst zu seinem Bundesligadebüt: Rani Khedira, 19 Jahre alt, Bruder von Nationalspieler Sami. Der war einst einer der "Jungen Wilden".

Und dieser Begriff sorgt in Stuttgart noch heute für gute Laune. Womöglich gilt das auch später mal für den Hashtag: #Aufbruch1893.

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