vergrößernverkleinern
Tim Wiese gehört in Hoffenheim nur der "Trainingsgruppe 2" an © getty

Der Ex-Nationalkeeper denkt nicht daran, den hoch dotierten Vertrag aufzulösen. Zu Hoffenheim-Trainer Gisdol herrscht Funkstille

Zuzenhausen - Tim Wiese stellt auf stur. Der frühere Nationaltorhüter will seinen fürstlich dotierten Vertrag beim Bundesligisten 1899 Hoffenheim anscheinend aussitzen - und für gut zehn Millionen Euro notfalls seine einst glänzende Karriere aufs Spiel setzen.

"Ich habe kein Interesse, meinen Vertrag aufzulösen. Ich habe nicht für vier Jahre unterschrieben, um meinen Vertrag nach einem Jahr wieder aufzulösen", sagte der 31-Jährige, seit Monaten in die umstrittene "Trainingsgruppe 2" abgeschoben, der "Bild": "Bei mir hat sich diesbezüglich auch noch keiner gemeldet. Zu Trainer Gisdol und Manager Rosen habe ich seit zwei Monaten keinen Kontakt."

Erst Weltspitze, dann aussortiert

Etwa 3,5 Millionen Euro pro Saison bis 2016 verdient der einst an der Weltklasse kratzende Keeper, der in der vergangenen Horrorsaison nicht auf dem Rasen, sondern nur auf diversen Partys überzeugt hatte.

Eigentlich, so tönte der extrovertierte Wiese in der Vorbereitung, wollte er so schnell wie möglich wieder in der Bundesliga spielen. Der Mannschaft könne er bei Bedarf sofort helfen. "Ich bin fit und könnte spielen", sagte er.

Anders als der inzwischen zu Bayer Leverkusen gewechselte Schweizer Eren Derdiyok (25) versucht Wiese aber nicht, sich in das Training der ersten Mannschaft zu klagen. "Ich denke nicht daran, gerichtliche Schritte einzuleiten", sagte er - und gestand damit indirekt ein, zufrieden mit seiner Situation zu sein.

Vor Gericht, daran blieb schon in der ersten Derdiyok-Anhörung kein Zweifel, hätten die Aussortierten beste Chancen, einen Punktsieg einzufahren und die TSG zum Einlenken zu zwingen.

Hochkaräter in "Trainingsgruppe 2"

Wie Wiese machte auch Matthieu Delpierre (32) bislang keine Anstalten, sein Vertragsverhältnis (bis 2014) bei 1899 zu lösen, ein sicherer Teilnehmer der "Gruppe 2" ist zudem Matthias Jaissle (25).

Immerhin Tobias Weis (28) und Edson Braafheid (30) waren am Freitag verschiedenen Medienberichten zufolge auf dem besten Weg, das Problem von sich aus zu lösen: Sie verhandelten mit einem Erstligisten aus der Türkei, wo das Transferfenster erst in der Nacht zum Samstag schließt.

Zumindest bei Weis allerdings soll sich ein Wechsel zerschlagen haben.

Zwickmühle Hoffenheim

So oder so stehen die 1899-Verantwortlichen vor einer Zwickmühle: Bleibt die "Trainingsgruppe 2" erhalten, woran kein Interesse bestehen kann, sind weitere Negativ-Schlagzeilen kaum abzuwenden. Eine Vertragsauflösung, falls am Ende doch gewünscht, wäre vor allem im Falle Wiese enorm teuer.

Und dürften Wiese und Co. ab sofort doch wieder mit den Profis trainieren, muss Trainer Gisdol sich vor seinem eigentlichen Team erklären und die brüchige Harmonie im Kraichgau könnte leiden.

Rechtlich akzeptieren müssten die Abgeschobenen im Übrigen die Versetzung in die U23, die in der Regionalliga Süd-West kickt. Die Frage, warum Hoffenheim diesen Weg nicht geht, bleibt seit Wochen unbeantwortet.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel