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Matchwinner: Andrej Voronin (r.) netzte gegen Cottbus gleich drei Mal ein © getty

Nur keine Euphorie: Hertha-Manager Hoeneß redet die Bedeutung des Erfolgs in Cottbus klein. Die Gastgeber hadern mit dem Pech.

Von Tobias Schneider

München - Pudelwohl fühlte sich Dieter Hoeneß nicht.

Der langjährige Hertha-Manager übt sich gerne in Distanz zu seinen Spielern, als Partylöwe und Anheizer ist Hoeneß bislang nicht in Erscheinung getreten.

Diesmal gab es aber kein Entkommen.

Kapitän Arne Friedrich schnappte sich den 56-Jährigen nach Spielende und verdonnerte den Boss zum ausgelassenen Jubeln im Kreise der Spieler.

Schließlich hat die Hertha soeben Cottbus mit 3:1 besiegt (Hertha-Express rollt weiter) und die Tabellenführung auf vier Zähler ausgebaut.

Hertha brilliert mit Effizienz

Gegen Cottbus beeindruckte die "Alte Dame" wie so oft in dieser Spielzeit mit einer unglaublichen Kaltschnäuzigkeit vor des Gegners Tor.

Voronin schoss im ersten Durchgang zwei Mal auf den Kasten von Gerhard Tremmel - zwei Mal zappelte das Spielgerät in den Maschen.

Bescheidener Voronin

Der Matchwinner übte sich aber in Understatement:

"Na klar, ich bin zufrieden. Aber wir sollten jetzt nicht nach jedem Sieg von der Meisterschaft sprechen", sagte Voronin, der in den letzten fünf Spielen sieben Tore erzielte.

Diese Worte sind ganz im Sinne von Hoeneß, der gebetsmühlenartig wiederholt:

"Elf Spieltage vor Schluss von der Meisterschaft zu reden, ist zu früh. Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche und lassen uns nicht von den Diskussionen ablenken, wer am Ende Meister wird."

Im Stile einer Spitzenmannschaft

Dennoch: Die Art und Weise, wie Berlin von Punktgewinn zu Punktgewinn eilt, ist verblüffend und beeindruckend zugleich.

Nach wie vor agiert die Hertha bieder, spielt vorsichtig und riegelt bei einer Führung den eigenen Strafraum ab - selbst gegen einen so harmlosen Gegner wie Cottbus.

Vom furiosen Kombinationsfußball Hoffenheims oder Leverkusens sind die Hauptstädter zwar meilenweilt entfernt, der Erfolg gibt ihnen aber recht.

Jula macht den Mill

Hertha reitet momentan auf einer Welle des Erfolgs, alles scheint den Berlinern derzeit nach Belieben zu gelingen. Die Stürmer treffen, die Abwehr steht.

Nichtsdestotrotz spielt auch das eigene Glück beziehungsweise das Pech des Gegners eine entscheidende Rolle.

Nach der Führung durch Cagdas Atan hätte Emil Jula die Lausitzer sogar mit 2:0 in Front schießen können.

Der Rumäne brachte aber das Kunststück fertig, den Ball aus sechs Metern völlig unbedrängt am Kasten vorbeizuschieben.

Es wäre wohl eine Vorentscheidung gewesen, das weiß auch Hertha-Coach Lucien Favre. "Wenn Cottbus das 2:0 macht, gibt es einen anderen Ausgang."

Stattdessen schlug Knipser Voronin eiskalt zu, markierte erst den Ausgleich und praktisch mit dem Pausenpfiff die 2:1-Führung.

Hertha-Fans benehmen sich daneben

Abermals sorgten aber die Anhänger beider Vereine für unschöne Randaspekte:

In der ersten Hälfte zündeten Hertha-Fans Leuchtraketen und Feuerwerkskörper, in Durchgang zwei stellten die Energie-Anhänger ihre pyrotechnischen Fähigkeiten unter Beweis.

Der umsichtige Schiedsrichter Dr. Fleischer unterbrach für kurze Zeit die Partie, ließ dann aber doch weiterspielen.

Cottbus verharrt im Keller

Während die Hertha weiter an der Spitze thront, sind die Abstiegssorgen in der Lausitz weiter akut. Mit 20 Zählern rangiert Cottbus auf Relegationsplatz 16.

"In der ersten Halbzeit waren wir gut, haben mehr Initiative gezeigt, doch wir haben wichtige Chancen vergeben", benannte Energie-Coach Bojan Prasnikar die eklatante Abschlussschwäche als Grund der Niederlage.

Hoeneß übersteht den "Teufelskreis"

"Tanzbär" Dieter Hoeneß kehrte übrigens heil vom "Jubel-Pogo" zurück:

"Zum Glück habe ich mir keinen Kreuzbandriss geholt", scherzte der 56-Jährige. "Wenn die Mannschaft wünscht, dass ich in die Mitte gehe, kann ich natürlich nicht anders."

Wer weiß, wie oft sich Hoeneß in dieser Saison noch im Kreise seiner Spieler wiederfinden wird.

Vermutlich öfter, als ihm lieb sein wird.

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