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Trainer Erik ten Haag (r.) kam im Sommer aus den Niederlanden zum FCB © imago

Die zweite Mannschaft des FCB hat einen spektakulären Wandel vollzogen. Dem Team winkt der Aufstieg, den Talenten sogar noch mehr.

Von Jan Reinold und Martin Jahns

München - Pep Guardiola hat natürlich registriert, was da im eigenen Unterbau los ist.

Elf Spiele, zehn Siege, davon acht in Serie, Tabellenführer mit zehn Punkten Vorsprung, 37 Tore erzielt, nur sieben kassiert ? und das alles nach noch nicht einmal einem Drittel der Saison. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle der Regionalliga Bayern)

Was die zweite Mannschaft des FC Bayern derzeit in der Regionalliga veranstaltet, dürfte auch der erfolgsverwöhnte Trainer der Profis mit Erstaunen zur Kenntnis genommen haben.

Guardiola als Förderer

Und ganz unbeteiligt am Siegeszug des kleinen FCB ist Guardiola wohl nicht. Der Spanier schaut regelmäßig bei Bayern II vorbei, hin und wieder soll der 42-Jährige auch mal den einen oder anderen Tipp geben.

Lernen von einem der Größten, heißt es dann für die kleinen Bayern. Der eigentliche Vater des Erfolgs ist allerdings Erik ten Hag.

Der Niederländer, der das Regionalliga-Team des Rekordmeisters erst im Sommer von Mehmet Scholl übernommen hatte, hat es binnen weniger Wochen geschafft, das Team in den absoluten Favoriten auf den Aufstieg zu verwandeln.

Ohne Scholl und Can

Das Erstaunliche: Scholl arbeitete in der vergangenen Saison nicht mit schlechterem Spielermaterial, hatte in dem heutigen Leverkusener Emre Can sogar ein hochgehandeltes Talent mehr in den eigenen Reihen.

Am Ende stand dennoch statt des angepeilten Sprungs in die Dritte Liga nur Rang zwei hinter der zweiten Mannschaft vom Erzrivalen 1860 - die Höchststrafe also.

Schon im Januar kündigte Scholl an, den Verein im Sommer zu verlassen und sich auf seine Tätigkeit als TV-Experte konzentrieren zu wollen. Nicht zuletzt, weil er den Spagat zwischen Fußball-Kritiker und ?Lehrer nicht schaffte: "Diesen Interessenskonflikt habe ich völlig falsch eingeschätzt."

Ten Hags Liebe zum Detail

Mit ten Hag kam ein Mann, der selbst Winzigkeiten unter die Lupe nimmt. "Auch im Training ist er sehr detailversessen, legt Wert, auf welchen Fuß du spielst, wohin du laufen musst", beschreibt Kapitän Stefan Buck den Coach.

Der Trainer selbst, der in der vergangenen Saison die Go Ahead Eagles Deventer in die niederländische Eredivisie geführt hat, gab gegenüber der "tz" zu, das Hauptaugenmerk auf "Organisation, Abwehrverhalten und defensive, taktische Disziplin" zu legen.

"Wenn man erfolgreich sein will, dann sind die Defensivaufgaben immer der Ausgangspunkt, um zu siegen", legte sich ten Hag fest.

Schon zehn Tore für Green

Nur wenn die Abwehr steht, kann auch der Angriff glänzen. Und der zeigte sich zuletzt wieder von seiner torhungrigen Seite: Stürmer Julian Green traf in zehn Spielen schon zehnmal.

Erst am vergangenen Spieltag schenkte der 18-Jährige, der in der Saisonvorbereitung mit der ersten Mannschaft trainieren und spielen durfte, Schweinfurt drei Stück ein.

Auch Patrick Weihrauch schnupperte schon bei der ersten Mannschaft rein, in Mitchell Weiser und allen voran Pierre-Emile Höjbjerg warten weitere Talente mit Profierfahrung auf den großen Durchbruch.

Beispiele Müller und Badstuber

Die Beispiele Thomas Müller oder Holger Badstuber haben in der Vergangenheit gezeigt, dass der FC Bayern bei allen Stareinkäufen Platz für die eigene Jugend lässt. Zumal auch Pep Guardiola beim FC Barcelona stark auf die Emporkömmlinge aus dem Jugendinternat "La Masia" gesetzt hat.

Das sind schlechte Nachrichten für die Konkurrenz in der Regionalliga, denn mit dem angepeilten Aufstieg als Team und als Einzelspieler vor Augen sind die Bayern-Bubis doppelt motiviert.

Kapitän Buck hat die Marschroute vorgegeben: "Nachlässigkeit darf auf keinen Fall aufkommen. Es ist auch noch nicht alles Gold, was glänzt."

Der letzte Satz muss in den Ohren der Gegner einer Drohung gleichkommen.

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