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Miroslav Klose erzielte gegen Hannover sein zehntes Saisontor © getty

Jürgen Klinsmanns Job ist gerettet. Das 5:1 gegen 96 ist ein Befreiungsschlag und eine Reaktion des FC Bayern mit Herz und Kopf.

Von Daniel Rathjen und Mathias Frohnapfel

München - Zuerst gab es Pfiffe.

Dann wurden plötzlich "Klinsmann-raus"-Rufe laut.

Und nur ein bisschen später sangen die Fans in der Allianz Arena: "Deutscher Meister wird nur der FCB".

Mit Trainer Jürgen Klinsmann fährt der FC Bayern weiter auf einer Achterbahn der Emotionen.

Nahtlos ins Glücksgefühl

War die Stimmung vor dem richtungweisenden Spiel gegen Hannover 96 noch äußerst angespannt gewesen, glitt sie am Samstagabend nahtlos ins Glücksgefühl über.

Nach dem 5:1 (3:1) gegen den perfekten Aufbaugegner aus Niedersachsen (zum Spielbericht) sprang der Rekordmeister auf Platz zwei in der Tabelle und hat die Spitze wieder im Visier.

Manager Uli Hoeneß umarmte den vielgescholtenen Coach mehrfach, ehe er in der Mannschaftskabine noch eine Lobes-Rede hielt.

"Entlassung kein Thema"

"Die Unruhe haben doch nur die Medien gemacht. Wir haben ein ordentliches Spiel gemacht und uns keine Blöße gegeben", analysierte der schwer erkältete Hoeneß mit krächzender Stimme.

Ob er nach drei Bundesliga-Spielen in Folge ohne Sieg und der Pokal-Pleite bei Bayer Leverkusen an Klinsmanns Entlassung gedacht habe? "Nein und nein", antwortete er.

Wie ernst die Lage vor dem Spiel gegen Aufbaugegner Hannover für Klinsmann jedoch wirklich war, verdeutlichte eine Aussage von Miroslav Klose.

"Wir wussten, dass es fünf vor zwölf ist. Und es war verständlich, dass nicht nur die Mannschaft, sondern auch der Trainer kritisiert wurde."

Dass es ein Happyend geben würde, war zu Beginn eines trüben Nachmittags im Schneeflockenwirbel von München nicht absehbar.

Unruhe nach Rückstand

Denn zunächst setzte es erneut das mittlerweile schon obligatorische Gegentor: Hannovers Jiri Stajner sorgte nach 15 Minuten für Entsetzen bei Bayern, als er Lucio aussteigen ließ und zur überraschenden Gäste-Führung vollstreckte.

Doch die nach den Ausfällen von Franck Ribery, Luca Toni, Tim Borowski und Kapitan Mark van Bommel ersatzgeschwächten Gastgeber zeigten eine Reaktion mit Herz - und vor allem mit Kopf.

"Wir wussten, um was es geht. Der Sieg war wichtig für Mannschaft und Trainer. Vor dem Spiel war jeder konzentrierter als sonst. Jetzt hoffen wir auf eine Siegesserie", kommentierte Daniel van Buyten, der eine Serie von vier Kopfballtreffern einleitete.

Seinem Ausgleichstreffer (20.) folgte das 2:1 von Klose (25.), Hamit Altintop (34.) sorgte per Fuß für die Vorentscheidung, in der zweiten Hälfte machten Lukas Podolski (74.) und Martin Demichelis (89.) den Triumph perfekt (die Torjägerliste).

"Stimmung bestens"

Klinsmann präsentierte sich danach erleichtert und mit einem gelösten Lächeln im Gesicht.

"Natürlich ist die Stimmung jetzt bestens. Die Mannschaft hat sich nicht aus der Ruhe bringen lassen", erkannte er.

Dass sein Team jetzt - punktgleich mit Hoffenheim - wieder auf Rang zwei steht, registrierte er mit Wohlwollen.

"Der Blick auf die Tabelle ist wieder angenehmer, aber wir müssen nachlegen. Die Herthaner müssen eingeholt werden. Wir haben die Pflicht, Meister zu werden", forderte der Coach.

Hannover zu naiv

Überbewertet werden sollte der Sieg gegen das schwächste Auswärtsteam der Liga (nur ein Punkt aus elf Spielen) allerdings nicht.

Die Gäste nannten sich selbst "naiv". "Wenn man die Tore so kriegt, dann ist das zu billig", schimpfte Trainer Dieter Hecking.

Keeper Robert Enke fügte an: "Es kann nicht sein, dass wir von fünf Toren vier durch Standards bekommen. Wir haben das vor dem Spiel ganz klar besprochen, wie wir uns da verhalten müssen."

Klinsmann und seinen Schützlingen war das logischerweise egal. "Ich hoffe, das war die Wende", warf Nationalspieler Philipp Lahm einen Blick auf das kommende Programm.

In der Liga muss Bayern nun zunächst zum VfL Bochum, dann kommt der Karlsruher SC nach München.

Am Dienstag wartet in der Champions League nach dem 5:0-Hinspielsieg gegen Sporting Lissabon aber erstmal der programmierte Einzug ins Viertelfinale und das nächste Erfolgserlebnis.

Personallage angespannt

Die Personalsituation wird jedoch komplizierter, denn Altintop (wahrscheinlich Muskelfaserriss in der Wade) und van Buyten (Sprunggelenksprobleme) mussten verletzt ausgewechselt werden.

Auch Landon Donovans Gastspiel ist beendet. Die Leihgabe von Los Angeles Galaxy fliegt am Sonntag zurück in die USA und wurde intern verabschiedet.

Zum Abschied gab er seinen Kollegen beste Wünsche mit auf den Weg und wagte eine Prognose: "Bayern wird Meister. Sie haben einen guten Trainer und können sich nur selbst stoppen."

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